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Stadtspitze schüttelt den Kopf über Sparvorschläge

02.09.2010 | 18:42 Uhr
Stadtspitze schüttelt den Kopf über Sparvorschläge
Stadtkämmerer Uwe Bonan hält die Sparvorschläge von CDU, MBI und FDP für unseriös. Foto: Angélique Wemmer

Stadtkämmerer Uwe Bonan und Stadtdirektor Frank Steinfort reagieren auf die Sparvorschläge von CDU, MBI und FDP mit Kopfschütteln und Unverständnis.

Sie vermeiden bewusst scharfe Töne, wollen bewusst kein Öl ins Feuer gießen, um die letzten Chancen auf einen genehmigten städtischen Haushalt nicht zu verbauen. Doch aus den Ausführungen und zum Teil auch aus den Gesichtsausdrücken des Stadtdirektors Frank Steinfort und des Kämmerers Uwe Bonan geht hervor: Dass, was Anfang der Woche das Dreier-Bündnis von CDU, FDP und MBI an Sparvorschlägen und Forderungen vorgelegt hat, wird als unsinnig, populistisch, gesetzlich zum Teil gar nicht machbar eingestuft. Hier werde schlicht auf Zeit gespielt.

Die drei Fraktionen hatten unter anderem vorgeschlagen, die städtischen Standards um 15 Prozent zu senken, und dabei auf eine Expertenrunde der Friedrich-Ebert-Stiftung verwiesen, die dies empfohlen hatte. Richtig, sagt Steinfort, diese Forderung gab es und machte auch Sinn – damals, 1996. „Inzwischen ist das Meiste längst umgesetzt.“ Das städtische Personal wie auch die Standards seien „ausgepresst wie eine Zitrone“.

Weitere Kürzungen von Pflichtaufgaben, und das seien die weitaus meisten, hieße etwa Mietzahlungen für sozial Schwache zu verringern, bei der Heimerziehung von Kindern und Jugendlichen zu sparen, bei Schülerfahrkarten, Kindergarten-Ansprüche zu kappen, zählt Bonan auf, der sich über die pauschale 15-Prozent-Forderung ärgert. Oder, spitzt Steinfort zu, sollen wir 15 Prozent der Kosten bei den Löschmitteln der Feuerwehr einsparen? Wie weit wolle man gehen?

Abbau von Personal, von Hierarchien in der Verwaltung, von Dezernentenstellen – auch diese Forderungen des Bündnisses ernten nur Unverständnis. Der Stadtdirektor betont, dass in der Zeit von 2005 bis 2014 rund 18 Prozent der Stellen in der Verwaltung abgebaut wurden beziehungsweise noch werden. Und wer Hierarchien abbauen wolle, so Steinfort, mache Führung in weiten Teilen der Verwaltung unmöglich. Zwei Dezernenten weniger bedeute für die Verbleibenden 66 Prozent mehr Arbeit. „Das ist zu schaffen, aber mit welcher Qualität?“ Steinfort, der selbst Mitglied der CDU ist, zeigt kein Verständnis für das Vorgehen der eigenen Partei in Mülheim. Und beide Dezernenten sind sich einig: Eigentlich müssten die drei Fraktionen dies alles wissen, man habe es ihnen erklärt. „Wir haben in Mülheim kein Erklärungsproblem, sondern ein Entscheidungsproblem“, betont der Stadtdirektor.

Längst, wundert sich der Kämmerer, hätte über die 197 Sparvorschläge des Verwaltungsvorstandes entschieden werden können. Doch die Unterlagen wiesen noch jede Menge freie Felder auf, was heißt: Es gibt keine Entscheidung zu vielen, vielen ­Punkten. 396 Kommunen gebe es in NRW, so Bonan: „Sollten 395 einen Haushalt verabschieden und nur Mülheim nicht?“

Er macht sich inzwischen große Sorgen, wie er gesteht, darüber, ob es am 7. Oktober zu einer Einigung im Rat kommt. Neue Vorschläge werde er nicht mehr unterbreiten, weil es keine mehr gebe. Die 50 Sparvorschläge der CDU hat die Kämmerei berechnet: Zehn Millionen Euro Einsparungen hatte die CDU damit kalkuliert. „Es kommt maximal eine Million heraus“, rechnet der Kämmerer vor und sieht darin erneut einen Beweis dafür, dass es eben nicht mehr die große Unbekannte beim Einsparen gibt.

Sollte der Haushalt scheitern, hätte dies für Mülheim, so die Dezernenten, weitreichende Folgen: Nur noch Pflicht, ansonsten Stillstand.

Andreas Heinrich

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Kommentare
03.09.2010
19:08
Stadtspitze schüttelt den Kopf über Sparvorschläge
von unteranderemunternehmer | #16

#14 von Thomas Wohlzufrieden: Sie kapieren es einfach nicht - aber das aus Prinzip. Bei Ein-Euro-Jobs gibt es den Euro pro Stunde (meist sind es eigentlich zwei) zusätzlich zur Stütze! Merke: kommunistische Propaganda ist eben auf Doofe ausgerichtet und muss daher nicht wahr sein....

03.09.2010
17:15
Stadtspitze schüttelt den Kopf über Sparvorschläge
von romulus7055 | #15

Armes Mülheim! Wenn sich die zwei fähigsten Dezernenten angesichts der Sparvorschläge von unfähigen Hobbypolitikern nur noch resigniert abwenden können, läuft irgendetwas schief in der Stadt am Fluss ...

03.09.2010
12:58
Stadtspitze schüttelt den Kopf über Sparvorschläge
von Thomas Wohlzufrieden | #14

Warum kann die Bürgermeisterin nicht mal auf Grund der klammen Stadtkasse für einen Euro die Stund arbeiten? Müssen viele ihrer Untertanen ja auch!

03.09.2010
12:16
Stadtspitze schüttelt den Kopf über Sparvorschläge
von Gartenzwerg | #13

Die langen Wartezeiten haben nicht unbedingt mit Personalmangel zu tun. Die Einstellung und Effiziens mit bei der bei der Stadtverwaltung teilweise gearbeitet wird ist zu schlecht. Es gibt eben leider keine Motivation etwas zu ändern. Der Krankenstand im öffentleichen Dienst ist auch einzigartig.
Außerdem: Dass die Verwaltung selber den Haushalt plant und Sparvorschläge machen soll ist ein Witz. Die werden sich doch nicht den Ast absägen auf dem die sie es sich so prima eingerichtet haben. Nur nach mehr Geld, also Steuererhöhungen wird die Verwaltung verlangen.
Die unselige Allianz zwischen Verwaltung und SPD sorgt dabei für Stillstand.

03.09.2010
11:04
Stadtspitze schüttelt den Kopf über Sparvorschläge
von Kajovo | #12

Man kann sich auch kaputt sparen. Personalabbau, hört sich immer gut an, doch wenn man dann bei Behördengängen länger warten muss, kommt wieder Unmut hoch. Vielleicht sollten alle mal darüber nachdenken, das Attraktivität neue Geschäfte und somit neue Gewerbesteuer bringt. Nur alles Geld ins Forum zu investieren führt doch immer weiter zur toten Innenstadt.

03.09.2010
08:48
Stadtspitze schüttelt den Kopf über Sparvorschläge
von carsten45476 | #11

Da bewerben sich wohl gerade zwei Dezernenten um die beiden abzuschaffenden Dezernentenstellen, oder?

03.09.2010
07:47
Stadtspitze schüttelt den Kopf über Sparvorschläge
von kritischer Beobachter | #10

Wenn das Anspruchsdenken der verwöhnten Mülheimer nicht so unverschämt hoch wäre, könnte die Verwaltung tatsächlich in vielen Bereichen sparen, ohne Personal reduzieren zu müssen.

02.09.2010
21:58
Stadtspitze schüttelt den Kopf über Sparvorschläge
von kleinTrixi | #9

Mein Papa läßt grad das Dach unseres kleinen Hauses neu eindecken. Eigentlich haben wir kein Geld, sagt Papa. Aber Opa gibt was dazu, und so braucht Papa nicht ganz so viel fürs Dach zu bezahlen.
Mein Papa läßt auch das Haus von aussen neu dämmen. Eigentlich haben wir kein Geld, sagt Papa. Aber es muss sein, und ausserdem gibt Tante Inge was dazu.
Mein Bruder braucht neue Schuhe. Dafür haben wir kein Geld, sagt Papa. Wir müssen sparen und niemand gibt uns was dazu.
Papa, ich habe Hunger...

02.09.2010
21:57
Stadtspitze schüttelt den Kopf über Sparvorschläge
von derklarseher | #8

Wer ein Moor trocken legen will, darf nicht die Frösche um Rat fragen.

02.09.2010
21:07
Blockierter Kommentar.
von F.U.B.A.R. | #7

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