Sport vor Ort
29.08.2009 | 09:00 Uhr 2009-08-29T09:00:00+0200Schwimmen im See (nicht erlaubt zwar, doch geduldet), Walken im Wald, Fußball auf blankem Boden: Im Freizeitpark am Entenfang und in der Landschaft ringsherum findet ganzjährig Sport statt. Doch dieser ist überwiegend nicht organisiert. Einzige Ausnahme: Tennis.
Um sich mit Schlägern und Filzkugeln zu vergnügen, wurde 1992 eine Interessengemeinschaft gegründet, mit offiziellem Vorsitzenden und Schriftführern. Ranglisten notieren sie auch. Die der Herren wird aktuell angeführt von Marc Gretenkord, früher Vereinsspieler in Essen. Mit 30 ist er einer der Jüngsten im Tennis-Club Entenfang (TCE), der allerdings kein eingetragener Verein ist und auch keine offiziellen Saisonspiele veranstaltet, allein schon aus Platzmangel. Denn es gibt hier, am Rande des Campingparks, nur ein einziges Feld. Rote Asche, umzäunt von Maschendraht.
1984 – ein Jahr, ehe Boris Franz Becker erstmals in Wimbledon gewann – wurde der Platz eröffnet. Harald Reckermann, der damals die Wochenenden am Entenfang verbrachte, nahm dies zum Anlass, sich „einen Schläger für 50 Mark” zuzulegen und in das sportliche Geschehen einzusteigen.
Inzwischen sitzt Reckermann, 61, dem Tennisclub vor und feierte erst vor zwei Wochen erneut einen sportlichen Erfolg: Seite an Seite mit dem sieben Jahre jüngeren Uwe Witte siegte er im Doppel beim allsommerlichen Tennisturnier am Entenfang. Gespielt werde „gewissenhaft”, sagt Reckermann, „auch mit Stuhlschiedsrichter”. Doch das Sportereignis sei gleichermaßen eine gesellige Sache. Eben genau wie der Tennisclub, der 85 Mitglieder hat, die den Jahresbeitrag von 16 Euro zahlen: Dabei stehen 42 aktiven Spielern 43 Sympathisanten gegenüber. Aufnahmebedingung ist, dass man auf dem Campinggelände eine Parzelle hat, zumindest früher einmal hatte.
Der Platz wird im Frühjahr hergerichtet und eröffnet, sobald sich der Bodenfrost verflüchtigt hat: „Wir versuchen immer, zu Ostern zu spielen”, sagt Uwe Witte, meist werde es dann aber doch Mai. Der Betrieb läuft, bis im Herbst wieder die ersten Minusgrade kommen. Die komplette Saison hindurch gilt: Von 13 bis 15 Uhr ist Mittagsruhe einzuhalten – schließlich wollen manche Menschen hier Urlaub machen.
Harald Reckermann, Marc Gretenkord und Uwe Witte schwingen jeweils drei Mal pro Woche den Schläger. 105 Euro kostet eine fest gebuchte Abostunde für die ganze Saison. Keiner von ihnen hat es weit zum Training, alle drei wohnen (inzwischen) auch alltags in ihren Mobilheimen. Zu Fuß, mit geschulterter Sporttasche, ist man in wenigen Minuten am Platz.
Günstige Bedingungen, eigentlich, dennoch plagt den Club offenkundiger Nachwuchsmangel: Mitglieder unter 40 haben sie nur wenige, Kinder und Jugendliche kommen bislang gar nicht. Dabei würden die Tennisspieler gerne dazu beitragen, dass der Nachwuchs „nicht nur vor dem Computer sitzt”. Aus diesem Grund hefteten sie einen Aushang in den clubeigenen Schaukasten, der Tennistraining für Kinder ab sechs Jahren ankündigt. Jeden Freitag ab 15 Uhr, nur zwei Euro pro Stunde. Doch bislang kamen kaum Anmeldungen.
Jugendlichen stand eine Zeitlang am Abend der Aschenplatz offen, doch was passierte? „Kaum hatte ich mich umgedreht”, berichtet Harald Reckermann, „haben die Fußball gespielt.” Und das ist an diesem Ort ein unerwünschter Sport.

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