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Transparenzgesetz

Spitzengehälter für Vorstand der Mülheimer Sparkasse

10.02.2012 | 12:01 Uhr
Spitzengehälter für Vorstand der Mülheimer Sparkasse
Die Gehälter für Spitzenpersonal der Mülheimer Stadttöchter sind teilweise und peu à peu im vergangenen Jahr öffentlich gemacht worden, durch Ausweisung in den Jahresabschlüssen der Gesellschaften.Foto: WAZ FotoPool

Mülheim.   Mülheim hat die Einkommen der meisten Vorstände und Chefs städtischer Tochtergesellschaften öffentlich gemacht. Mit einer Vergütung von über einer Million Euro verdienen die drei Vorstandsmitglieder der Sparkasse am meisten. Nun, da die Bezüge offengelegt sind, wird eine Neiddebatte befürchtet.

Die Stadt veröffentlicht nun, nach langem Drängen der MBI, eine Übersicht der Gehälter und Bonuszahlungen fast aller Vorstände und Geschäftsführer ihrer Tochtergesellschaften. Das hat das nordrhein-westfälische Transparenzgesetz bereits für das Jahr 2010 zur Pflicht gemacht.

Die Gehälter für Spitzenpersonal der Stadttöchter sind teilweise und peu à peu im vergangenen Jahr öffentlich gemacht worden, durch Ausweisung in den Jahresabschlüssen der Gesellschaften. Sie sind online im elektronischen Bundesanzeiger abrufbar. Um dies möglich zu machen, waren einerseits Gesellschaftsverträge zu ändern, andererseits genossen Führungskräfte mit einem vor 2010 datierten Arbeitsvertrag Bestandsschutz. Heißt: Die dort vereinbarte Geheimhaltungspflicht über das Gehalt galt fort, sofern ein Geschäftsführer oder Vorstand nicht freiwillig darauf verzichtete.

Sparkassen-Vorstand verdient am meisten

Bei nahezu allen Führungskräften hat die federführende Beteiligungsholding nun ein entsprechendes Einverständnis eingeholt. Lediglich Medl-Geschäftsführer Hans-Gerd Bachmann sowie die SWB-Geschäftsführer Robert Kunz und Thomas Vocke lehnten ab. Am meisten streicht der dreiköpfige Sparkassen-Vorstand ein – insgesamt waren es im Jahr 2010 1,02 Mio Euro.

Nach der (nicht ganz vollständigen) Auflistung der Stadttöchter wird Dr. Hendrik Dönnebrink als Chef der Beteiligungsholding als Spitzenverdiener ausgewiesen. Er kassierte im Jahr 2010 ein Fixgehalt von 170.000 Euro plus eine erfolgsbezogene Tantieme von 25.000 Euro. Dönnebrink, aus der Privatwirtschaft kommend, ist überzeugt, dass er sein Geld wert ist. Als Chef der Beteiligungsholding hat er in den vergangenen Jahren viele schwierige Fälle anpacken müssen, etwa das millionenschwere Restrukturierungsprogramm bei der MVG oder die Aufräumarbeiten bei der Jobservice GmbH.

"Für mich ist das eine marktgerechte Vergütung"

Er ist als Chef der Beteiligungsholding Topverdiener im Konzern Stadt: Dr. Hendrik Dönnebrink (43) als Wächter über die Stadttöchter hat kein Problem damit, dass sein Jahresgehalt 2010 (170.000 Euro plus 25.000 Euro Bonus) jetzt öffentlich ist. „Für mich ist das eine marktgerechte Vergütung“, sagt er. „Ich bin auch bereit, meine Leistung marktgerecht prüfen zu lassen.“ Dönnebrink ist Diplom-Volkswirt und ist früh die Karriereleiter hoch geklettert. Im Jahr 2003 schon stieg er bei seiner vormaligen Arbeitgeberin, der RWE Umwelt, zum Geschäftsführer im Entsorgungsgeschäft auf. Er trug Verantwortung für 800 Mitarbeiter und verschiedene Betriebsstätten. Als RWE Umwelt an Remondis verkauft wurde, entschied sich Dönnebrink für die neue Herausforderung in Mülheim.

Er ist Geschäftsführer der Wohnungsgesellschaft SWB, die rund 8700 Wohnungen hauptsächlich in Mülheim hält: Robert Kunz lehnt die Veröffentlichung seines Gehaltes ab. Sein gültiger Arbeitsvertrag verpflichtet beide Vertragsparteien zu diesbezüglicher Geheimhaltung. So soll es bleiben, solange dieser Vertrag läuft. „Ich würde mich in meinen Persönlichkeitsrechten verletzt fühlen“, hält Kunz nichts vom Transparenzgesetz. Er wohnt in Mülheim und fände es „nicht besonders prickelnd, wenn meine Frau beim Einkauf auf mein Gehalt angesprochen würde“. Die Transparenz der Gehälter führe zu einer unangebrachten Neiddebatte. Sein Gehalt zahle eine private Kapitalgesellschaft, es speise sich nicht aus Steuergeldern. Und das Gehalt stehe unter der Kontrolle des Aufsichtsrates.

Rechtfertigung für Bonizahlungen bleibt intransparent

Auffallend bei den nun öffentlich gemachten Daten ist etwa, dass die dreiköpfige Geschäftsführung beim Theater an der Ruhr im Jahr 2010 über 300.000 Euro gekostet hat. Seit dem Ausscheiden von Roberto Ciulli aus der diesbezüglichen Verantwortung dürfte das Theater seit August 2011 allerdings günstiger geführt werden.

Die jeweilige Rechtfertigung für Bonizahlungen bleibt intransparent, weil entsprechende Zielvereinbarungen mit Geschäftsführern der Stadttöchter unter Verschluss bleiben. MVG-Chef Klaus-Peter Wandelenus etwa hat im Jahr 2010 einen Bonus von 25.000 Euro kassiert – da dürften sicher die erfolgreich umgesetzten Maßnahmen zur Kostensenkung Maßstab gewesen sein. Öffentlich in der Kritik stand bereits der 9000-Euro-Bonus für Flughafen-Geschäftsführer Reiner Eismann.

Stadt konkurriert mit Privatwirtschaft um Spitzenpersonal

Nun, da die Geschäftsführergehälter zum großen Teil offengelegt sind, fürchtet manch einer eine Neiddebatte: Hat Geschäftsführer xy sein Gehalt verdient? Dönnebrink gibt zu bedenken, dass die Stadt mit der Privatwirtschaft um Spitzenpersonal konkurriere: „Wenn ich gut bin“, sagt er, „will ich auch wie in einem anderen Unternehmen behandelt werden.“

Das dürfte auch der Grund sein, warum der Arbeitsvertrag von Frank Buchwald, dem Leiter des Immobilienservice, noch vor der Wiedereingliederung des Eigenbetriebes in die Kernverwaltung vorzeitig zu frei verhandelten Konditionen verlängert worden ist. Mit einem Amtsleitergehalt hätte sich Buchwald womöglich nicht halten lassen.

Hier die Top 10 der Gehaltsliste (2010):

  1. der dreiköpfige Sparkassen-Vorstand - 1,021 Mio Euro
  2. Klaus-Peter Wandelenus (MVG) - 173.000 Euro
  3. Jürgen Schnitzmeier (Mülheim & Business) - 136.902 Euro
  4. Frank Buchwald (Immobilienservice) - 119.000 Euro
  5. Inge Kammerichs (MST) - 111.948 Euro
  6. Stefan Mühlenbeck (Mülheimer Seniorendienste) - 102.500 Euro
  7. die dreiköpfige Geschäftsführung am Theater an der Ruhr - 304.503 Euro
  8. Dagmar Mühlenfeld (Oberbürgermeisterin) - Grundgehalt rund 97.000 Euro
  9. Reiner Eismann (Flughafen) - 95.000 Euro
  10. Dr. Frank Steinfort (Stadtdirektor) - Grundgehalt rund 83.000 Euro

Apropos: In der Dezernentenriege ist das Grundgehalt von Stadtdirektor Dr. Frank Steinfort am höchsten (rund 82.700 Euro). Das Gehalt anderer Dezernenten richtet sich nach ihrer Dienstzeit: Kämmerer Uwe Bonan bekommt ein Grundgehalt von gut 78.000 Euro, Sozialdezernent Ulrich Ernst und (Noch-)Kulturdezernent Peter Vermeulen rund 74.000 Euro. Die Chefs vom Kulturbetrieb und vom Mülheimer Sportservice werden laut Aussage der Stadt nach Beamtentarif bezahlt.

Mirco Stodollick

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Kommentare
10.02.2012
23:16
Spitzengehälter für Vorstand der Mülheimer Sparkasse
von lospolloshermanos | #4

Wenn jemand ein Spitzengehalt bekommt darf man auch Spitzenarbeit verlangen. Dieses Gehalt, in dieser Höhe, soll ja verhindern daß jemand in Abhängigkeiten gerät. Nur da heute Viel viel zu wenig ist, alle Augen feste zugedrückt werden und keiner niemanden wirklich kontrolliert geht die Stadt vor die Hunde.

Die OB bekommt Boni, Geschäftsführer bekommen Boni, etc.. Die Stadt zahlt Zinsen und das Haushaltsloch wird zu einem schwarzen Loch.

Das Verhältnis zum Geld, als Wert, scheint vollkommen abhanden gekommen zu sein. Aber wenn Griechenland pleite geht, warum Mülheim nicht auch. Bei so vielen hochbezahlten Speziealisten. Mülheim hat alles, warum icht ein neues Experiment starten. Totalschaden anmelden.

10.02.2012
19:40
Spitzengehälter für Vorstand der Mülheimer Sparkasse
von Rezisto | #3

"Neiddebatte" ist immer wiederein Super Totschlags Argument für Menschen die sowohl die Bodenhaftung verloren haben als auch den Hals nicht voll genug bekommen können.
Was hat es mit Neid zu tun wenn man z.B. Kritisiert das eine Mehrheit "marktübliche" Gehälter von (teils weit) Unter 2.000€ Brutto bekommt während eine Minderheit "marktübliche" Gehälter bekommt die das 10-20 fache davon sind....
Verantwortung, gute Bildung, hoher Ehrgeiz. Das soll sich alles im Gehalt widerspiegeln. Gar keine frage!
Nur mittlerweile geht es darum nicht mehr sondern nur noch um "marktübliche" Gehälter.... Das das eine nichts mit dem anderen zu tun hat merkt jeder Idiot...

Moderner Feudalismus.... Aber nein, ich habe vergessen. Ich bin ja nur neidisch....

10.02.2012
17:45
Spitzengehälter für Vorstand der Mülheimer Sparkasse
von Auntie | #2

In vielen Städten ist dies ähnlich und stößt zu Recht den Bürgern auf, die immer wieder aufgefordert werden zu sparen.

Die Zahl der "Häuptlinge" im öffentlichen Dienst werden gerne auch gefördert. Schlussendlich braucht man ja Entscheidungsträger.

Bedauerlich jedoch, dass dadurch dem Bürger entgeht, dass es auch sehr viele "Indianer" bei Städten und Gemeinden gibt, die zwar nicht delegieren/großartige Reden führen oder Arbeitsgruppen führen, sondern schlicht und ergreifen wichtige Arbeiten durchführen und bei weitem nicht diese Lohngruppe haben.

10.02.2012
16:17
Spitzengehälter für Vorstand der Mülheimer Sparkasse
von guentherschmalza | #1

Was hat der Mülheimer Bürger und Steuerzahler vom Theater am Raffelberg ? Die dort gezeigten Stücke passen vielleicht in das Kulturprogramm einer Großstadt mit noch anderen Theater, aber nicht als einziges Theater in eine kleine Stadt wie Mülheim. Der Nutzen für den Bürger ist sehr gering, die Kosten immens hoch. Auch wenn die Presse das Programm mit übergroßen Artikeln hochjubelt, ich kenne niemand, der dort ein zweites mal hingeht.

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