Spielerisch Grenzen überschreiten

Foto: FUNKE Foto Services

Sie nennen es schmunzelnd „Chaos-Theater“, weil es spielerisch die Grenzen zwischen Musik, Bewegung und Sprache überschreitet. Und natürlich weil es einen Heidenspaß macht. 13 Schüler der Remberg-Schule wollen das Publikum für sich gewinnen und gehen in ihrem Stück „Walking Borders“ (dt.: Grenzgänge) auf dem Grat von Unterhaltung und dem ernsthaften Ansinnen, gesellschaftliche Grenzen zwischen Menschen mit und ohne Behinderung zu überwinden.

Aber wie kommt Inklusion ins Theater, wo doch schon die Institution an sich unterscheidet, wer auf der Bühne handelt, und wer dabei sitzend zuschaut? Joelle, Sarah, Katharina, Felix und viele andere Schüler haben dafür eine erste Lösung entwickelt: „Wir locken sie zu uns.“ Viel mehr von dem weiteren Geschehen soll allerdings nicht verraten werden, denn das über weite Strecken improvisierte Theater-Spiel soll ein erfahrungsreiches „Wagnis“ bleiben für beide Seiten: Performer und Publikum.

Keine Angst vor der Inklusion

Hinter dem Projekt stehen Sebastian Brohn und Vanessa Kreutz, beide erfahrene Theater- und Musikpädagogen. Die Idee lag auf der Hand: Kreutz hatte bereits mit Schülern der Remberg-Schule gearbeitet, Inklusion ist das gesellschaftliche Thema aktuell, meint Brohn: „Es gibt immer wieder Bedenken bei der Zusammenführung von Menschen mit und ohne Behinderung. Wir wollen Mut machen: keine Angst vor Inklusion.“

Die Zusammenarbeit im Theaterprojekt schildern beide als „total einfach. Es klingt erst einmal ungewöhnlich, aber die vermeintlichen ,Behinderungen’ haben das Spiel bereichert, weil wir immer wieder gute, manchmal auch bessere Alternativen zum ,normalen Theater’ mit Bewegung und Klängen gefunden haben“, erläutert Kreutz. Theatermann Brohn ist auch beeindruckt von der enormen sozialen Kompetenz der Schüler, „alle achten aufeinander, helfen sich gegenseitig – auch auf der Bühne“.

Und wie sehen es die Schauspieler? Gemeinsam haben sie die Ideen zu den Improvisationen entwickelt, die Musik ausgesucht. Zum Beispiel brachten sie eine Passage aus „Atemlos“ von Helene Fischer ein: „Was das zwischen uns auch ist, Bilder, die man nie vergisst.“ Eine Liedzeile, die für die Schüler zum Sinnbild ihrer Situation wurde.

„Die Proben haben Spaß gemacht“, meint Gracjan, und beim Wort „Lampenfieber“ schütteln Joelle und Sarah den Kopf – kein Problem. Alle Schüler stehen übrigens selbst an einer entscheidenden Grenze zum Berufsleben. Die meisten machen nach der Schule eine Ausbildung im Fliednerwerk.