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WAZ-MEDIZINFORUM

Spiegeln als Rettung

04.09.2009 | 19:47 Uhr

Darmkrebs tritt massiv auf, kann aber früh erkannt und geheilt werden. Mülheimer Zentrum bietet gute Perspektiven

Achten Sie auf die Ernährung: Prof. Peter Markus, Chefarzt im Marienhospital.

Darmkrebs ist inzwischen die zweithäufigste Krebsart, rund 75 000 Menschen erkranken bundesweit jährlich neu, 30 000 sterben. Das ist die schlechte Nachricht. Die gute ist: Der Darmkrebs kann früh entdeckt und geheilt werden. Entscheidend, und das war d i e Nachricht des ersten WAZ-Medizinforums in Kooperation mit den beiden Mülheimer Krankenhäusern und niedergelassenen Ärzten, ist die Vorsorgeuntersuchung mittels einer Darmspiegelung. Nach wie vor, so bedauern die Mediziner, liegen die Quoten der Vorsorge allerdings sehr niedrig.

Der Gastroenterologe Dr. Dirk Tittgen stellt ein ganzes Bündel an Untersuchungsmethoden vor: vom einfachen Test auf Blut im Stuhl bis hin zur Computertomografie und dem Magnetresonanzverfahren. Unterm Strich sei jedoch die Spiegelung die sicherste Form der Diagnose und biete den Vorteil, dass der Arzt beim Entdecken eines Polypen diesen sogleich entfernen kann. Der Polyp ist die Vorstufe des Darmkrebs, der über Jahre wächst, irgendwann das Gewebeumfeld befällt, in den Muskel eindringe und schließlich gar in andere Organe streue. Vier Stadien unterscheiden die Mediziner und teilen den Krebs nach seiner Aggressivität ein.

Wirbt für die Spiegelung als Vorsorge ab dem 55. Lebensjahr: Dr. Dirk Tittgen

Eine andere Form der Vorsorge ist die Ernährung. Mindestens 20 Prozent aller Krebsarten, so stellte Prof. Peter Markus vor, ließen sich durch eine gesunde Form der Ernährung vermeiden: Erstes Gebot: Nur kein Übergewicht. Der so genannte Body-Maß-Index sollte zwischen 20 und 25 liegen. Zweites Gebot: Fünf Mal am Tag frisches Obst oder Gemüse zu sich nehmen und drittens möglichst weniger als 70 Gramm rotes Fleisch in der Woche verzehren. Der Fettgehalt, den man zu sich nehme, so Markus, spiele in Bezug auf Darmkrebs keine große Rolle. Dies gelte auch für Ballaststoffe. Wiederum ist Bewegung wichtig – auch für den Darm.

Wer an Darmkrebs leidet und sich in Mülheim therapieren lässt, profitiert von dem Darmzentrum, dessen Bedeutung Prof. Heinz Jochen Gassel hervorhebt. In dem Zentrum, dem beide Mülheimer Kliniken wie niedergelassene Ärzte angeschlossen sind, wird jeder Fall von Darmkrebs von mehreren Experten einmal in der Woche besprochen. Ziel sei es, für jeden die beste Therapie zu finden.

Interessierte Zuhörer beim WAZ-Medizinforum. Fotos: Tanja Pickartz

Dies bedeute nicht immer, sofort zu operieren, sagt Gassel. Die Erfolgsaussichten seien oft besser, wenn ein Tumor zuvor mit einer Chemotherapie oder Bestrahlung behandelt werde. Auch ein „Verkochen” des Tumors sei möglich und findet in Mülheim Anwendung. Die anschließende Operation erfolgt je nach Größe und Lage des Tumor minimalinvasiv (kleine Schnitte) oder durch einen Bauchschnitt. Die meisten Tumore liegen im unteren Bereich des Darmes, im Mastdarm und darüber. In 90 Prozent der Fälle kann ein künstlicher Darmausgang verhindert werden.

Wer aus der Klinik entlassen wird, benötigt eine gute Nachsorge. Dr. Buse plädiert für ein enges Patienten-Hausarzt-Verhältnis, das über lange Zeit deutlich effektiver sei als jedes Ärzte-Hopping. Mit Hilfe eines Tumorpasses könne der Hausarzt exakt verfolgen, welche Untersuchungen, welche Therapien mit welchen Ergebnissen es gegeben hat und welche Reaktionen ein Patient zeigt. Auch das Thema Impfungen gehöre in die Nachsorge. Buse betont ebenfalls den Wert eines Darmzentrums: Studien zeigten, dass „dort die Überlebensrate 30 Prozent höher ist”.

Andreas Heinrich

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