Sparsam im Ausstoß
03.06.2009 | 19:53 Uhr 2009-06-03T19:53:00+0200
Für das Technische Rathaus erhält die Stadt einen Umweltpreis des Bundes, denn es werden 339 Tonnen CO2 eingespart
Klimaschutz ist auf gute Vorbilder angewiesen, die zeigen, dass sich Investitionen auch wirtschaftlich lohnen. Ein solches Projekt ist aus Sicht des Bundesumweltministeriums die Umwandlung des ehemaligen Wohnturms ins Technische Rathaus. Oberbürgermeisterin Dagmar Mühlenfeld nahm gestern von Staatssekretär Matthias Machnig den ersten Preis im Bundeswettbewerb Kommunaler Klimaschutz 2009 entgegen, der mit 50 000 Euro dotiert ist. Damit sollen keine Haushaltslöcher gestopft werden, das Preisgeld ist für Klimaschutzprojekte zweckgebunden. „Wir werden einen Fördertopf bilden und 50 Mal 1000 Euro für CO2 -Minderungsmaßnahmen an Mülheimer Privatgebäuden bereitstellen”, kündigte Mühlenfeld in Berlin an.
Im Vergleich zu den Vornutzungen errechnet die Stadt eine Einsaprung von 339 Tonnen Kohlendixid pro Jahr. Wie viel das ist, zeigen zwei Zahlen: ein sparsames Auto verbraucht pro Kilometer weniger als 140 Gramm CO2 und nach Berechnungen des städtischen Klimaschutzgutachtens verursachten alle Privathaushalte Mitte der 90er Jahre in Mülheim 709 000 Tonnen, also das 2000-fache der Einsparung, die sich aber auch auf Autofahrten der Mitarbeiter beziehen. Mülheimer Wohnungen belasten das Klima mit 73 Kilo Co2 pro Quadratmeter und Jahr.
Abriss war zu teuer
2004 war der 20-stöckige Wohnturm weniger als zur Hälfte belegt, es wurde erwogen, ihn abzureißen, dann erschien eine Modernisierung für 12 Millionen Euro doch wirtschaftlicher. Nachdem die 420 Verwaltungsmitarbeiter dort eingezogen sind, konnte der Verbrauch der Fernwärme mit 721 Megattstunden dennoch nahezu halbiert werden, obwohl Büros mehr Wärme verbrauchen als Wohnungen. Hauptgrund ist die Wärmeisolierung, die sich mit einer Reduzierung von 157 Tonnen CO2 auswirkt. Bei der Stromversorung kommen zwei Dinge zusammen: Sämtliche Räume sind mit Energiesparlampen und die Flure mit Bewegungsmeldern ausgestattet und der Strom wird durch hocheffiziente Kraft-Wärme-Kopplung bei der Medl in Broich erzeugt. „Der Wirkungsgrad liegt hier bei 90 Prozent, bei konventionellen Kraftwerken bei weniger als 60 Prozent”, so Klaus Beisiegel, Referent der Umweltdezernentin. Im vergangenen Jahr lag der Gesamtverbrauch bei 470 000 Kilowattstunden. Hierbei liegt die Einsparung bei 152 Tonnen Co2.
Die Photovoltaik-Anlage, die bei der Montage mit einer Fläche von 250 Quadratmetern zu einer der größten in NRW zählte, trägt mit 18 Tonnen nur einen kleinen Beitrag zum Ergebnis bei. Sie ist auch kein Paradebeispiel für die wirtschaftliche Nutzung einer Photovoltaik, denn rentieren wird sich die Anlage nicht. „Es bleibt auch nach 25 Jahren eine kleine Lücke”, hatte SWB-Geschäftsführer Robert Kunz nach der Inbetriebnahme einräumen müssen. Zu teuer war die Installation der Module an der Fassade. Außerdem musste für die Montage eigens für längere Zeit ein Gerüst an der Fassade angebracht werden, obwohl ein anderes erst kurz zuvor demontiert worden war. So stiegen die Investitonen auf 290 000 Euro, denen lediglich 15 500 Euro als jährliche Vergütung gegenüberstehen.
Für Private lohnt sich Photvoltaik aber dennoch. Das zeigt das Beispiel von Klaus Felchner. Für 78 000 Euro hat der Biobauer knapp 200 Quadratmeter installiert, erhält etwa dieselbe Vergütung und ist nach fünf Jahren schon im grünen Bereich.
