Spannender Weg einer Mülheimerin zum Unternehmertum

Sandra Heger bietet mit ihrer Firma „Structamed“ p
Sandra Heger bietet mit ihrer Firma „Structamed“ p
Foto: Stephan Glagla / Funke Foto Serv
Was wir bereits wissen
Sandra Heger bietet professionelles Management für Arztpraxen an. Eine Jury hielt die Geschäftsidee für so gut, dass die sie jetzt einen Preis gewann.

Mülheim an der Ruhr..  Unternehmer sein: Das hört sich gut an, keine Frage. „Doch bis man sich innendrin wirklich so fühlt, kann Zeit vergehen“, weiß Sandra Heger. Die 45-jährige Heißenerin, die vor knapp einem Jahr ihr Unternehmen „Structamed“ auf den Weg gebracht hat, fühlte sich anfangs „eher wie ein Erstklässler mit Schultüte“. Mittlerweile jedoch spricht sie selbstbewusst von sich als Unternehmerin. Und hat mit ihrem Konzept längst auch andere überzeugt.

Professionelles Management für Arztpraxen bietet Sandra Heger an, eine Betreuung in nahezu allen Belangen außerhalb der medizinischen Versorgung. Heger analysiert Praxisabläufe, macht Vorschläge, wie sie sich verbessern lassen, schult Mitarbeiter, holt Experten ins Haus. Stellt sie fest, dass die Arbeitsverträge der Überarbeitung bedürfen, nimmt sie Kontakt zur Anwältin auf. Läuft im IT-Bereich etwas schief, schickt sie den PC-Experten vorbei. Und muss der Internetauftritt aufgepeppt werden, ist die Grafikdesignerin Ansprechpartnerin.

Ein Telefontraining für die Mitarbeiter könnte sinnvoll sein

Heger fragt: Wie funktioniert die Rezeption? Wie der Terminplan? Wie die Personalplanung? Und wie gehen die Mitarbeiter mit Patienten um? Steht der Ist-Zustand erst fest und hält sie ihn für verbesserungsfähig, hat sie rasch Lösungen parat: Ein Telefontraining für die Mitarbeiter könnte sinnvoll sein, damit die Patienten sich besser verstanden fühlen. Oder ein neues Programm für den PC, das verhindert, dass der Arzt weiterhin zu wenig abrechnet.

Das Ziel der Bemühungen ist klar definiert: „In der Praxis soll ein Wohlfühlklima entstehen, eine gute Atmosphäre für Patienten und Mitarbeiter.“ Im beste Falle fühle man sich dort „fast wie in einem Hotel“. Und natürlich gehe es auch ganz wesentlich um finanzielle Gewinne für den Arzt sowie um Zeitersparnis.

Erfahrungen brachte sie mit zur Gründerinnenwerkstatt von Mülheim & Business

Heger, die Sportwissenschaften studiert hat und Medizin bis zum Physikum, ist vierfache Mutter. Gearbeitet habe sie trotzdem immer, lange Jahre auch in einer Arztpraxis. Ihre vielfältigen Erfahrungen brachte sie mit zur Gründerinnenwerkstatt von Mülheim & Business, an der sie ab Sommer 2013 teilnahm – damit der Traum von der Selbstständigkeit endlich wahr werden konnte. Inhaltlich stand die Sache fest, es war klar, dass sie Praxismanagement anbieten wollte. „Das unternehmerische Handwerkszeug aber, das hatte ich noch nicht.“ Die Mülheimerin lernte, „wie ich mich rechnerisch aufstellen muss, damit das Konzept aufgeht“ oder „wie ich das Unternehmen vermarkte“.

Sechs Monate lang beschäftigte sie sich mit dem Businessplan und ihre Unternehmensidee erhielt den Feinschliff. Um für potenzielle Auftraggeber, also die Ärzte, interessanter zu werden, ließ sie sich auch weiter ausbilden: zur zertifizierten Praxismanagerin und Auditorin.

Im Juni 2014, also just in dem Monat, in dem sie den ersten Kunden gewann, wurde Hegers Geschäftskonzept geadelt: mit dem Unternehmerinnenbrief NRW. Vor wenigen Tagen erfuhr sie eine weitere Ehrung. Bei einer vom Mülheimer Wohnungsbau initiierten Aktion konnte sie sich gegen 21 andere Mülheimer mit guten Gründungsideen durchsetzen. Für ein Jahr darf sie nun mietfrei in einem Büro im Haus der Wirtschaft residieren. Es sei „toll, so eine repräsentative Adresse zu haben“. Heger hofft, „dass die Sache nach einem Jahr so fluppt, dass ich ganz da bleiben kann – und vielleicht schon Mitarbeiter habe“.