Spannende Kreuzung dreier Lebenswege

Michael Fehst von der Buchhandlung am Löhberg hat der Roman nicht mehr losgelassen: „Der Fälscher, die Spionin und der Bombenbauer“ von Alex Capus. Nur einmal können die drei einander begegnet sein: im November 1924 am Hauptbahnhof in Zürich, wo die Geschichte einsetzt. Danach führen ihre Wege auseinander und bleiben doch auf eigentümliche Weise miteinander verbunden.

Der pazifistische Jüngling Felix Bloch studiert Atomphysik bei Heisenberg in Leipzig, flüchtet 1933 in die USA und gerät nach Los Alamos, wo er Robert Oppenheimer beim Bau der Atombombe helfen soll. Die rebellische Musikantentochter Laura d Oriano versucht sich als Sängerin, doch da ihr das große Talent fehlt, lässt sie sich als Spionin rekrutieren. Der Kunststudent Emile Gilliéron folgt Schliemann nach Troja, zeichnet Vasen und restauriert Fresken, fertigt auf Wunsch auch Reproduktionen an und muss bald einsehen, dass es von der Kopie bis zur Fälschung nur ein kleiner Schritt ist.

Dieses Buch habe ich schwerlich aus der Hand legen können, weil Wissen, Zeitgeschehen und eine feinsinnige Geschichte fesselnd miteinander verwoben sind. Capus pflegt ein hohes Sprachniveau, hat aber dennoch einen heiteren Erzählton. Er beschreibt drei Lebenslinien, dezent emotional. Man mag vielleicht zum Schluss etwas irritiert sein, dass diese Linien nicht unbedingt zusammenführen. Deshalb wünsche ich dem Leser Fantasie, um diese Geschichte weiterleben zu lassen.