Smog-Schilder werden nicht mehr gebraucht

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Dicke Luft im Revier – wer an diesem Januarwochenende vor 30 Jahren in Mülheim war, kann sich noch gut daran erinnern: Vom 18. bis 21. Januar 1985 legte der Smog das öffentliche Leben auf den Straßen lahm. Autos mussten stehen bleiben, die Polizei ließ Wagen ohne eine Ausnahmegenehmigung an den Straßensperren nicht weiterfahren, die Industrie musste ihre Tätigkeit einstellen, die Schulen blieben geschlossen.

Smog-Alarm der Stufe 3, die höchste Smog-Alarmstufe, die zwischenzeitlich für das westliche Ruhrgebiet ausgerufen wurde, hatte es hier zuvor noch nicht gegeben. „Alarm-Stufe 3 legt auch Industrie lahm“, titelte damals die Mülheimer WAZ und berichtete, dass bei den Mannesmannröhren Werken und der Friedrich Wilhelms Hütte die Fertigungsstraßen ruhten.

Smog-Alarm der Stufe 3, das bedeutete damals eine Schadstoffbelastung, die höher lag als 1,8 Milligramm Schwefeldioxid pro Kubikmeter Luft. „Solche Werte erreichen wir heute gar nicht mehr“, sagt Jürgen Zentgraf, der Leiter des Mülheimer Umweltamtes. Auch Peter Schütz, Sprecher des Landesumweltamtes (LANUV), kann sich an die Stufe 3 „mit den Einschränkungen für die Bevölkerung“ nach 1985 nicht erinnern. Rund 40 der großen Smog-Schilder, die noch vor 30 Jahren die Fahrverbote in Mülheim begleiteten und mit denen die großen Straßen abgesperrt wurden, stehen schon seit vielen Jahren ungenutzt im städtischen Bauhof.

Die Filterung der Abgase, Rauchgasentschwefelungsanlagen und mo­derne Motoren mit Katalysatoren, trugen dazu bei, dass sich bei austauscharmer Wetterlage Rauch und Abgase nicht mehr wie unter einer Glocke sammeln konnten. Inversionswetterlagen, wenn also die oberen Luftschichten wärmer sind als die unteren und Windstille den Austausch erschwert, gibt es natürlich immer noch, vor allem im Januar und im Herbst.

„Heute haben wir das Problem Feinstaub“, erklärt Jürgen Zentgraf, warum es keine „Smogverordnung“ wie vor 30 Jahren mehr gibt, sondern seit dem Jahr 2005 europaweit Grenzwerte für den Feinstaub. Feinstaub kommt in Ballungsgebieten nicht nur aus Motorabgasen in die Luft, sondern auch durch Bremsen- und Reifenabrieb. Der Tagesgrenzwert beträgt 50 Mikrogramm pro Kubikmeter (1 Mikrogramm, µg, bedeutet ein Millionstel Gramm). Dieser Wert darf nicht öfter als 35 Mal im Jahr überschritten werden. Die Belastung durch Feinstaub und Stickstoffoxide, für die andere Grenzwerte gelten, wird in der Stadt gemessen. Der Feinstaub-Messplatz des LANUV ist in Styrum. Stickoxide werden an der Aktien- und der Kölner Straße mit Hilfe so genannter „Passivsammler“ ausgewertet.