Singen, anschreiben, spenden

Jacob (3), Luois-Philippe (7), Anna (6), Jakob (7) und Clara (6) sind als Sternsinger in der Speldorfer Gemeinde St. Michael unterwegs.
Jacob (3), Luois-Philippe (7), Anna (6), Jakob (7) und Clara (6) sind als Sternsinger in der Speldorfer Gemeinde St. Michael unterwegs.
Foto: FUNKE Foto Services
Was wir bereits wissen
Mit den Sternsingern in St. Michael unterwegs: Die Mülheimer freuen sich über den Besuch und geben gern Geld und Süßes.

Mülheim.. Wenige Minuten bis zum Start. Barbara Brunoni gibt noch einige klare Anweisungen: „Singt ordentlich und seid höflich zu den Leuten.“ Dann teilt sie die Gruppen ein und die Sternsinger ziehen los.

Vorher haben sich die Mädchen und Jungen im Jugendheim von St. Michael mit Gemüse und Obst gestärkt und sich die farbenprächtigen Kostüme angezogen. „Die stammen aus dem Fundus der Gemeinde. Sie leuchten so schön, damit man uns auch sieht“, erklärt Barbara Brunoni. „Aber sie wurden im Lauf der Jahre immer kürzer, weil unsere Sternsinger heute jünger sind als früher.“ Wer Kaspar, Melchior oder Balthasar ist, bestimmen die Kinder selbst. „Ein schwarz Geschminkter ist nicht unter ihnen. „Wer war denn damals der Farbige? Schminke ist außerdem nicht gut für die Haut“, betont die Betreuerin der Sternsinger.

Überbringen der frohen Botschaft

Dem Sternträger folgen drei oder vier Könige sowie eine erwachsene Begleitperson. Sie oder er haben die Liste mit den Adressen. „Wir haben das Gemeindegebiet in 20 Bezirke aufgeteilt. So läuft keine Gruppe die Straßen doppelt ab“, erklärt Brunoni. Sie organisiert seit sieben Jahren das Überbringen der frohen Botschaft in der Gemeinde. Dazu mussten sich die Nachbarn vorher in eine Liste eintragen.

Während sich die Größeren zu Familien am Blötter Weg aufmachen, sind andere auf der Frühlingstraße unterwegs. Die Jüngsten, begleitet von der Familie Hase, klingeln zuerst beim Pastor und im Gemeindebüro. Sie singen vom „Stern über Betlehem“, der ihnen den Weg zum ärmlichen Stall mit dem Jesuskind ausgeleuchtet hat. Dann überbringen sie die frohe Geburtsbotschaft und segnen das Haus mit „C M B“. Damit sind jedoch nicht die Initialen von Kaspar, Melchior und Balthasar gemeint, wie manche Menschen meinen. Es bedeutet: „Christus Mansionem Benedikat“. Das ist Lateinisch ist und lautet übersetzt: „Christus segne dieses Haus“. Pastor Roland Sabel bittet um einen Schriftzug mit Kreide. „Schreib bloß nicht so krakelig. Das kann dann keiner mehr lesen“, hatte Sternträger Luois-Philippe (7) bereits vor dem Aufbruch gesagt. Anna (6) kreidet schön an, während Jakob (7) dem Pastor die Spendendose hinhält.

Sternsinger bekommen Süßigkeiten

Nachdem Clara (6) ein weiteres Segenszeichen über dem Gemeindebüro angeklebt hat, steigen alle im Nebenhaus in den zweiten Stock. Dort wartet Josef Wieschollek auf den Besuch der Kinder. Die frohe Botschaft kommt schon flüssiger über deren Lippen. Beim Lied geraten die Kinder in der letzten Strophe eine Tonlage zu hoch – macht nichts: „Ihr habt toll gesungen. Dafür gibt es was“, freut sich der Mann, drückt einen Schein in die Dose. Dazu bekommen die Sternsinger Süßigkeiten und es bestätigt sich, was Barbara Brunoni oft sagt: „Wer gut und viel singt, bekommt auch viel zurück.“

Nach drei Tagen haben die Sternsinger in St. Michael etwa 220 Familien besucht, gesungen und Spenden für Kinder auf den Philippinen gesammelt. Die Süßigkeiten werden auf alle gleichmäßig verteilt. Manche „ihrer“ Sternsinger machen bereits seit sieben Jahren mit, wie Paul. „Es ist doch toll, wenn ich anderen Kindern damit helfen kann“, sagt der 13-Jährige.

Drei Tage sind die Sternsinger in Speldorf unterwegs. „Auf Wiedersehen“, sagt Jakob. Der Fünfjährige hat 2016 noch viel vor. Die Seniorin wartet auf ihn.