Siemens-Mitarbeiter in Mülheim wollen um ihre Jobs kämpfen

Siemens-Mitarbeiter sind verunsichert: "Die Vorstände wollen bundesweit nochmal 350 Arbeitsplätze opfern. Sie wissen noch nicht wo, aber sie wissen, dass es so sein wird."
Siemens-Mitarbeiter sind verunsichert: "Die Vorstände wollen bundesweit nochmal 350 Arbeitsplätze opfern. Sie wissen noch nicht wo, aber sie wissen, dass es so sein wird."
Foto: Oliver Müller / FUNKE Foto Services
Was wir bereits wissen
IG Metall und Betriebsrat stimmen Belegschaft auf ein zähes Ringen um die gefährdeten Arbeitsplätze ein. Dutzende Holzkreuze als Mahnmal aufgestellt.

Mülheim.. „Liebe Löwinnen und Löwen, unser Kampf geht weiter!“ Siemens-Betriebsratschef Pietro Bazzoli fand bei seiner Ansprache an die Beschäftigten deutliche Worte. Betriebsrat und IG Metall informierten am Freitag nach eigenen Angaben rund 1800 Mitarbeiter im Siemens-Technopark und im Werkteil am Hafen über die Situation nach dem angekündigten Stellenabbau von mindestens 952 Stellen.

Die bereits genannten Zahlen seien schlimmstenfalls nicht das Ende des Stellenabbaus, warnte Bazzoli. „Die Vorstände wollen bundesweit nochmal 350 Arbeitsplätze opfern. Sie wissen noch nicht wo, aber sie wissen, dass es so sein wird.“ Die Beschäftigten sollten sich nicht einlullen lassen, wenn von „Verlagerungen“ gesprochen werde. „Wenn anderswo investiert wird, zahlt Mülheim die Zeche.“ Die Anwesenden forderte er auf, „jeden Einzelnen“ in die Gewerkschaft zu holen, um vor den wirtschaftlichen Beratungen, die Anfang Juni beginnen sollen, den Druck zu erhöhen.

Ideenwerkstätten sollen Perspektiven schaffen

Konrad Jablonski, Mitglied der IG Metall-Bezirksleitung NRW verlangte bei seiner Rede ein Umdenken auf Seiten der Arbeitgeber. „Es kann nicht sein, dass Arbeitsplätze für kurzzeitige Gewinne ins Ausland verlagert werden. Und das bei voller Auslastung, hoher Qualität und Kundenzufriedenheit.“

Im Anschluss an die Reden nutzten viele Beschäftigte die Möglichkeit, dutzende Holzkreuze aufzustellen. „Als Mahnmal, weil hier Existenzen massiv bedroht sind“, wie Bazzoli es formulierte.

Bei allen düsteren Prognosen machte der Betriebsratsvorsitzende den Simensianern aber auch Mut. In Ideenwerkstätten mit den Mitarbeitern sollen Innovationen und Projekte erarbeitet werden, um dem Mülheimer Standort eine Zukunftsperspektive zu bieten. „Wir werden auf euch zukommen und euch das vorlegen, was das Management uns vorlegt. Dann entwickeln wir gemeinsam Alternativen.“ Man werde das Horrorszenario abwenden, sagte Bazzoli.

Zentrale Kundgebung in Duisburg am 9. Juni

Zu diesem Zweck befinde sich auch die IG Metall in Gesprächen mit der Mülheimer Stadtspitze und Landesregierung, sagte Konrad Jablonski. „Wir spüren die Rückendeckung. Es ist ja auch im Interesse der Politik, dass die Arbeitsplätze hier erhalten bleiben.“

Die IG Metall ruft die Siemens-Beschäftigten der NRW-Standorte am Dienstag, 9. Juni, zur Teilnahme an einer Kundgebung am Duisburger Zoo auf. Mit 2000 bis 3000 Teilnehmern rechnet die Gewerkschaft. „Der 9. Juni ist für uns der Auftakt. Kommende Woche sollen bei einem Treffen der Vertrauensleute weitere Aktionen abgestimmt werden“, kündigte Jablonski an.