Siedler in historischer „Colonie Wiesche“ halten zusammen

In der Mausegatt- und Kreftenscheersiedlung ist die Zechenvergangenheit noch präsent
In der Mausegatt- und Kreftenscheersiedlung ist die Zechenvergangenheit noch präsent
Foto: WAZ FotoPool
Was wir bereits wissen
Bewohner der Mausegatt- und Kreftenscheersiedlung identifizieren sich mit ihrer Heimat. Viele, die dort aufgewachsen sind, kehren irgendwann zurück.

Mülheim.. In der Mausegatt- und Kreftenscheersiedlung, der historischen „Colonie Wiesche“ von 1899, halten die Menschen zusammen. Das war früher so, als die Männer noch im Bergbau arbeiteten – und das ist heute noch so, denn durch große Solidarität im Jahr 1977/78 haben die Bewohner den Verkauf der Siedlung an den „Sozialen Wohnungsbau“ verhindert und erreicht, dass sie die rund 220 Wohneinheiten günstig kaufen konnten.

Für den Zusammenhalt im Viertel engagieren sich die Menschen in Siedlergemeinschaft und Förderverein bis heute, feiern Feste oder haben nach dem Pfingststurm Ela Geld gesammelt, um einige der 14 gefallenen Bäume am Spielplatz zu ersetzen. „Sechs Bäume wurden nachgepflanzt“, sagt die Fördervereins-Vorsitzende Silke Lange zufrieden, das werde bald mit einem Spielplatzfest gefeiert. Sie bringt ihre Verbundenheit mit der denkmalgeschützten Siedlung auf den Punkt: „’Nach Hause kommen’ bedeutet für mich bereits, wenn ich abends in unsere Siedlung hineinfahre.“

Besonders schönes Gefühl in der Weihnachtszeit

Besonders schön sei dieses Gefühl in der Weihnachtszeit, denn seit einigen Jahren schmücke man draußen einen Tannenbaum auf. „Dann wird der Grill rausgeholt und Glühwein getrunken“, so Lange, die mit ihrer Familie in das Haus ihrer Großeltern zurückgekehrt ist – wie viele andere, die einst in der Zechensiedlung aufwuchsen. Ihre „Tante Inge“, Inge Steinbach, seit 55 Jahren Bewohnerin der Mausegattsiedlung, erzählt von sommerlichen Siedlerfesten, die seit mehr als 30 Jahren stattfinden. Um das weiter stemmen zu können, müssten, so Silke Lange, Aufgaben aber künftig auf mehr Menschen verteilt werden.

Bei dem Treffen, rund 20 Anwohner kamen auf die Festwiese, sind der Stolz und die Zufriedenheit auf die gut funktionierende Nachbarschaft deutlich zu spüren. Dennis Krämer hat mit seiner Frau vor sieben Jahren eines der kleinen roten Doppelhaushälften gekauft, durfte die 65 m² Wohnfläche zur Gartenseite erweitern, um für seine vierköpfige Familie mehr Platz zu haben. „Schon beim Renovieren wurden wir gut aufgenommen. Die Nachbarn sind alle super!“, findet er.

Gegenseitige Hilfe im Kleinen und Großen sei selbstverständlich. Blumen gießen, Pakete annehmen oder Gerätschaften ausleihen gehöre ebenso dazu wie ein Auge auf die Kinder oder ältere Mitbewohner zu haben. Frederick Wohlgehaben, mit seiner Frau Birte seit dreißig Jahren „Siedler“, findet es wichtig, nicht alle Informationen per E-mail weiter zu geben. Er schaut lieber persönlich bei seinen Nachbarn vorbei. „Es ist manchmal mühsam, aber das mache ich mit Freude. Es gibt ja Leute, die nicht mehr raus können und sich freuen, Neuigkeiten direkt zu erfahren.“