Sie sind drin

„Legt doch mal das Ding weg.“ Das hat Ulrich Scholten früher gerne zu seinen Töchtern gesagt, wenn sich die Familie am Tisch zum gemeinsamen Essen versammelt hat. Vielleicht hört er den gleichen Satz demnächst von ihnen. Denn das Ding ist ein Smartphone und das wiederum könnte zu einem wichtigen Hilfsmittel im Wahlkampf werden.

Den klassischen Infostand gibt es immer noch, aber wer Wahlen gewinnen will, muss auch im Netz präsent sein. Und so ist, gleich nachdem Scholten zum SPD-Kanidaten am Samstag gewählt worden ist, auch ein Facebook-Profil erstellt worden. Werner Osterwind ist schon seit Mittwoch im Netzwerkvertreten, als ihn die Christdemokraten nominiert haben.

Beide OB-Anwärter betonen, dass man auf diese Präsenz nicht verzichten könne. „Ich hatte vorher noch kein eigenes Facebook-Profil. Und stand auch immer dem Ganzen etwas skeptisch gegenüber“, bekennt Ulrich Scholten. „Aber ich bin von meinem Wahlkampf--Team überzeugt worden.“ Das leistet ihm im Moment auch noch technische Hilfestellung. „Ich schreibe die Beiträge schon selbst. Aber man hilft mir dabei, die dann auch dort einzustellen.“ So war es wohl auch mit dem Film, der seit gestern dort zu sehen ist. Scholten an seinem Arbeitsplatz, Scholten beim Juso-Ostereiersuchen in Saarn, Scholten im Gespräch mit „Bürgern“ - kommentiert wird das alles von der sonoren Stimme von Theater an der Ruhr-Schauspieler Rupert Seidl, hymnenartige Musik erklingt dazu. Ob man diese Art von Werbespot nun mag oder nicht - er ist professionell gemacht und einen gewissen Unterhaltungswert kann man ihm nicht absprechen.

Professionalität - zu diesem Thema hat auch Werner Oesterwind etwas zu sagen: „Man darf nicht vergessen: Wir sind ehrenamtliche Politiker. Ich arbeite tagsüber in einem Beruf. Wenn zum Beispiel ein Bürger einen Beitrag bei Facebook kommentiert, dann kann ich nicht sofort darauf antworten. Das dauert dann etwas. Ich bin eben nicht hauptberuflich Politiker.“ Auch habe er sich ganz bewusst dafür entschieden, keine Agentur zu engagieren. Es sei auch nicht so schlimm, dass seine Kandidaten-Homepage noch nicht fertig sei. Daran werde gearbeitet. Und bei ehrenamtlich Engagierten dauere dies eben länger. Das könne man ruhig offen kommunizieren, schließlich sei das authentisch, ist Oesterwind überzeugt. Auch eine Art von Bürgernähe. Auf sie legen natürlich beide Kandidaten besonderen Wert.

Scholten wie Oesterwind betonen, dass die OB-Wahl vor allem eine Persönlichkeitswahl sei. Beider Ziel, die Menschen müssen sie persönlich kennenlernen. „Und zwar richtig, in einem wirklichen Gespräch. Nicht nur im Netz“, hebt der CDU-Kandidat hervor.

Und auch Ulrich Scholten will vor allem auf das direkte Gespräch setzen. Gleichwohl, auch via Facebook sollen die Nutzer einen Eindruck von seiner Persönlichkeit bekommen: „Der lockere Umgangston dort, der liegt mir.