Shakespeare im Kloster

Es gilt als eins der komischsten Stücke von William Shakespeare: „Was ihr wollt“ oder wie es im englischen Original heißt „The Twelfth Night“. Wenn Graf Toby von Rülps und Andreas von Bleichwang auftreten und Malvolio, dem steifen Hofmeister der Gräfin Olivia übelst mitspielen, sind das herrliche Kabinettstücke. Unter der Regie von Karin Neuhäuser hat das Theater an der Ruhr das komische Potenzial des Textes wunderbar ausgeschöpft. Aber das ist ja Regietheater. Wer wissen möchte, wie man das Stück zur Uraufführung 1601 im Globe gespielt hat, sollte sich die Aufführungen der Lord Chamberlain’s Men vom 18. bis 20. September beim Leaf-Festival im Innenhof von Kloster Saarn nicht entgehen lassen. Den gleichen Namen trug auch seinerzeit die Truppe des Autors aus Stratford, die später von Elisabeth’s Nachfolger König Jakob zu The King’s Men befördert wurden. Damals brauchte jede Theatertruppe, wenn sie legal auftreten wollte, einen adligen Gönner.

Viertes Gastspiel

Theatergründer Mark Puddle ist sich sicher, dass das auch eine gute Gelegenheit für all jene sein kann, Shakespeare neu zu entdecken, denen der Spaß am Theater in der Schule verdorben wurde. Er kann sich gut in diese Menschen hineinversetzen, ist er doch selbst jemand der die Liebe zu dem großen Theaterdichter erst spät entdeckt hat. Auch wenn auf der Bühne das elisabethanische Englisch gesprochen wird, ist er zuversichtlich, dass alle Zuschauer den Inhalt verstehen und der Magie der Sprache verfallen. Gerade in Mülheim weiß man, das Theater eine universelle Sprache ist. Vorab gibt es eine deutsche Einführung und wer genaueres über die Truppe erfahren möchte, kann auch an einem der Workshops teilnehmen. Die werden auch in Schulen angeboten. Wie man Kampfszenen spielt, zuschlägt und sticht, ohne dass es weh tut, sei bei den Schülern besonders beliebt, freut sich der Theatermann. „Die Schulen haben schon bei dem Verein Interkultur, der das gesamte Festival organisiert, nachgefragt“, sagt die Vorsitzende Bronwen Gray-Specht.

Drei Mal war seine Truppe bereits hier, gab Romeo & Julia, Macbeth und Wie es euch gefällt. Und Puddle und Gray-Specht sind froh, dass es den Mülheimern zunehmend gut gefällt. Sie rechnen mit 600 Besuchern bei den Vorstellungen. Puddle kommt wieder mit sieben Schauspielern, die in einem langwierigen Casting, das sich über zwei Monate erstreckt, ausgewählt werden. Zunächst melden sich 2500. 500 werden eingeladen und müssen einen Monolog halten. Am Ende gibt es noch ein gutes Dutzend pro Rolle, die gegeneinander antreten müssen - um am Ende einen Vertrag über sechs Monate zu erhalten.

Picknick

Peter Stickney ist einer von ihnen. Er macht sich mit dem kreuzweise geschnürten Kniegürtel bei den Frauen zum Gespött. Die Frauen werden natürlich, wie es damals üblich war, auch von Männern gespielt. „Das mag zehn Minuten lang irritieren, dann ist es normal“, findet Puddle. Er weist aber auf eine Besonderheit im Stück hin. Viola, die mit ihrem Zwillingsbruder Sebastian Schiffbruch erleidet und in Illyrien an Land gespült wird, verkleidet sich als Mann, um als Diener in den Dienst der Herzogs Orsino zu treten. Da verliebt sich die Gräfin Olivia in Viola. Ein Man spielt eine Frau, die sich als Mann ausgibt. „Das verspricht Komik“, findet Puddle.

Man könnte das Stück auch als Flüchtlingsgeschichte inszenieren. Aber das ist ja schon wieder Regietheater. In ein paar Tagen starten die Lord Chamberlain’s Men nach sechs Wochen Proben ihre Tour durch den angelsächsischen Raum. Sie spielen auf Marktplätzen, in Zelte und geben sechs Aufführungen pro Woche. Das Bühnenbild ist so groß, dass es in ein Fuhrwerk passen würde und in 45 Minuten aufgebaut werden kann. Ganz wichtig ist auch der Kontakt zwischen Publikum und Schauspielern. „Wir verstecken uns nicht“, sagt Puddle. Ebenso wichtig ist das Picknick.

Mülheim ist dann im September einzige Station in Deutschland und Schlusspunkt der Tour. Eine Nachbarin backt immer Kuchen für die Truppe. Darauf freut sich Puddle schon jetzt.