Schüler reden über Geheimnisse

Dümpten..  Kennst Du gute, schlechte oder komische Berührungen? Kennst Du gute und schlechte Geheimnisse? Mit diesen Fragen beschäftigen sich momentan die Schüler der Astrid Lindgren-Grundschule in Dümpten. Bereits zum zweiten Mal ist die Wanderausstellung „Echt Klasse“ in den Räumen der Grundschule zu Gast. Das Ziel der Aktion: Vorbeugung und Aufklärung zum Schutz von Kindern bei sexualisierter Gewalt.

Spielerisch und altersgerecht beschäftigen sich die Kinder aller Altersstufen mit der Thematik, die auch heute noch lieber als Tabu-Thema angesehen wird. Vor allem bei Eltern, deren Kinder doch noch so jung sind. „Viele Eltern finden, dass es zu früh ist, für ein sexualpädagogisches Projekt“, sagt Barbara Kusch, Leiterin der AWO-Beratungsstelle für Schwangerschaftskonflikte, Partnerschaft und Sexualität. „Sie verstehen manchmal nicht, dass es zum Schutz der Kinder ist.“ Denn „Nein“ sagen, das will gelernt sein. Deshalb stellt das Projekt die Stärkung der Kinder in den Mittelpunkt. Sie lernen eigene Gefühle wahrzunehmen, Grenzen zu spüren und diese auch selbstbewusst zu benennen. Sechs Spielstationen ermöglichen den Kindern, wie auch den Pädagogen ins Gespräch zu kommen und das Thema sexueller Missbrauch angst- und schamfrei zu vermitteln.

4500 Schüler haben teilgenommen

Alfred Seidenstricker von der Lehrergewerkschaft hat die „Echt Klasse“-Aktion ins Ruhrgebiet geholt. Seit 2011 ist die Ausstellung ausgebucht. Mülheimer Schulen stehen da an erster Stelle. „In Mülheim haben rund 4500 Schüler schon an diesem Projekt teilgenommen“, so Seidenstricker. „Aber auch für die Lehrer und die Eltern ist es eine tolle Aktion.“ So würden für das Thema „sexueller Missbrauch“ nicht nur die Kinder, sondern auch das Lehrpersonal und die Eltern sensibilisiert. Durch Fortbildungen der Pädagogen durch die Awo-Mitarbeiter wird ein ehemals Tabu-Thema in den Alltag gebracht. Schulsozialarbeiterin Kirsten Heer ist immer an der Seite ihrer Schützlinge – auch bei „Echt Klasse“ steht sie den Kindern mit Rat und Tat zur Seite. „Wir Sozialarbeiter haben den Vorteil, dass wir die Schüler nicht bewerten und sie so nicht unter Leistungsdruck stehen“, sagt Kirsten Heer. „Falls sich einmal ein Kind anvertrauen möchte, bin ich da.“

Dass auch die Kinder das Thema sehr ernst nehmen, zeigt sich daran, dass sich ein „Experten-Team“ gebildet hat. Sie erklären Mitschülern, Eltern aber auch den Pädagogen selbst die einzelnen Stationen. „Wenn man etwas Schönes nicht verraten darf, also eine Überraschung, dann ist das ein gutes Geheimnis“, erklärt die 9-jährige Melany. „Aber wenn ich weiß, dass ein Freund geschlagen wird oder von jemandem angefasst wird, wo er es nicht möchte, das ist ein schlechtes Geheimnis. Das sollte man nicht für sich behalten.“