Schrotthändler kommt mit Bewährung davon

Es war ein langwieriger Prozess, den die Wirtschaftsstrafkammer des Landgerichts Duisburg gegen einen 46-jährigen Mülheimer führte. Das lag zum einen am komplizierten Verfahrensstoff, bei dem es um Steuerhinterziehung im Zusammenhang mit Schrotthandel ging, zum anderen daran, dass der frühere Chef einer Firma mit Sitz in Duisburg wegen einer schweren Erkrankung jeweils nur wenige Stunden verhandlungsfähig war. Am Ende stand gestern eine Bewährungsstrafe.

Von der ursprünglichen Anklage, die dem Mann vorwarf, zwischen 2006 und 2011 den Fiskus um rund eine Million Euro betrogen zu haben, blieb nach zweieinhalb Monaten Verhandlung nicht viel übrig. Die Richter errechneten den Schaden für die öffentliche Hand zuletzt auf 374.000 Euro.

Der Angeklagte hatte einen Teil der Einnahmen des Unternehmens, das auf dem Papier von seiner 1929 geborenen schwerkranken Mutter geführt wurde, verschwiegen. Zuletzt hatte er komplett auf die Abgabe von Steuererklärungen verzichtet.

Umfassendes Geständnis

Zu Gunsten des Angeklagten wertete sie vor allem dessen umfassendes Geständnis und den langen zeitlichen Abstand zur Tat. Zudem hätte der Familienvater nur einen kleinen Teil der hinterzogenen Steuern zur Aufbesserung seines eigenen bescheidenen Lebenswandels genutzt, betonten die Richter. Sie verurteilten den Mann zu einem Jahr und zehn Monaten mit Bewährung.

Die mitangeklagte Ehefrau des 46-Jährigen, der die Richter nur eine untergeordnete Rolle zurechneten, kam mit einer Geldstrafe von 900 Euro (90 Tagessätze zu je 10 Euro) davon. Ein Teil der Strafe gilt bei beiden Angeklagten bereits als verbüßt, da die Überlastung der Wirtschaftsstrafkammer den Beginn des Prozesses um rund ein Jahr verzögerte.

Das Paar hat vier minderjährige Kinder. Der jüngste Sohn (2), für den sich offenbar kein Aufpasser fand, saß an mehreren Verhandlungstagen mit auf der Anklagebank. Auch gestern brabbelte er dem geduldigen Vorsitzenden - selbst mehrfacher Vater - bei der Urteilsbegründung mehrfach dazwischen.