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Ruhrbania

Schöne Aussichten an der Ruhr?

09.02.2012 | 19:39 Uhr
Schöne Aussichten an der Ruhr?
Foto: Frank Helling

Mülheim.  FDP-Fraktionschef Peter Beitz räumt ein, dass die Baustellenwirklichkeit an der Ruhr massiver wirkt als das Modell.

Seit der Investor Kondor Wessels mit der Stadtspitze am 20. Juli die Grundsteinlegung feierte, hat das Ruhrbania-Gebäude an der Ruhrpromenade zunehmend Gestalt angenommen. Auch wenn aufgrund des frostigen Wetters derzeit kaum Veränderungen zu erkennen sind, finden sich doch immer wieder interessierte Zaungäste ein, um sich den Bau anzuschauen. Auch wer auf der Schloßbrücke in Richtung Innenstadt unterwegs ist, kommt kaum daran vorbei, mal einen Blick auf die Baustelle zu werfen.

Gleiches gilt für Spaziergänger im Stadthallenpark gegenüber. Und dem einen oder anderen kommt angesichts des sechsstöckigen Gebäudekomplexes schon die Frage in den Sinn, ob d a s Stadtentwicklungsprojekt der letzten Jahrzehnte der Stadt einmal zur Ehre gereichen wird.

„Als ich mir das kürzlich mal von der Stadthallenterrasse aus angesehen habe, habe ich schon gedacht, dass es sehr nahe an der Ruhr steht und viel größer wirkt, als ich es mir nach dem Modell und den Plänen so vorgestellt habe“, meint der Fraktionsvorsitzende der FDP, Peter Beitz. Zwar sei das Gebäude nicht höher als das Stadtbad: „Es wirkt aber massiver“. Beitz hofft, dass die noch anzubringende Fassade, Fenster und Bäume, „und wenn dort mal Leben ist“ für Auflockerung sorgen.

Mülheim und Ruhrbania von oben

Diese Aspekte hält auch der Sprecher des Kontaktkreises Mülheimer Architekten, Ralph Diersch, für wichtig: „Die Fassade hat aktuell noch keine gestalterischen Elemente. Fenster, eine grüne Wiese, Bäume und die Jahreszeit werden das augenblickliche Erscheinungsbild noch verändern.“ Andererseits: Das Gebäude werde derzeit im Rohbau mittels heller Betonteile errichtet. „Wenn die Fassade – über alle Geschosse – ebenfalls hell bis weiß gestaltet wird, ist das optische Volumen des Baukörpers auch im fertigen Zustand beträchtlich“ , so seine ganz persönliche Einschätzung. Und er teilt Beitz’ Eindruck, dass das Gebäude, von der Schloßbrücke aus gesehen, eine relative Nähe zum Ruhrufer hat.

Unten sehr kantig

SPD-Fraktionschef Dieter Wiechering empfindet das Gebäude nicht als überdimensioniert, auch weil die Staffelgeschosse eine Auflockerung schüfen. Ihm ist das Hafenbecken etwas zu klein. „Aber größer ging es ja aus technischen Gründen nicht.“ Der CDU-Fraktionsvorsitzende Wolfgang Michels mag nicht über die Erscheinung des Gebäudes urteilen.

Was ihm nicht gefällt: „Unten ist es sehr kantig, oben, bei den Staffelgeschossen, gibt es Rundungen.“ Im übrigen habe er die Ostruhranlagen immer als sehr schön empfunden, „aber leider hat man es versäumt, sie 1992 mit der Müga zu sanieren.“ Auf der anderen Seite sei es gut, dass sich was verändere. „Man musste was für die Innenstadt tun.“

Die Preise

Das örtliche Maklerunternehmen Vanessa Orts vermarktet die Eigentumswohnungen. Hier ein Auszug aus der Preisliste:
1. Obergeschoss - 3 Räume, Wohnfläche ca. 99,64 m², Kaufpreis 279 000 Euro.
Hausgröße auf einer Ebene, 1. Obergeschoss - 4 Räume, Wohnfläche ca. 129,07 m², Kaufpreis 348 500 Euro.
2. Obergeschoss - 3 Räume, Wohnfläche ca. 94,73 m², Kaufpreis 284 200 Euro
3. Obergeschoss - 3 Räume, Wohnfläche ca. 107,82 m², Kaufpreis 355 800 Euro
Penthouse/Maisonette als „Haus im Haus“ , 5 Räume, Wohnfläche ca. 208,37 m², Kaufpreis 1,031 Millionen Euro.
1.-3. Obergeschoss - 3 Räume, Wohnfläche ca. 91,4 m², Diese Variante ist bereits komplett ausverkauft.

Dieser Ansicht ist auch der Vorsitzende des Zenit-Trägervereins, Otmar Schuster. Er findet das Ruhrbania-Projekt sehr lobenswert. Doch wie sieht er die Umsetzung? Einerseits sähe ein „Rohbau ja immer klobig“ aus. Andererseits sei das Gebäude aber auch „kein architektonisches Highlight“. Ein Investor versuche aber nun mal, möglichst viel Vermarktungsfläche herauszuholen. „Ein rechteckiger Kubus ist dann das Gängigste“.

Was die Vermarktung der Miet- und Eigentumswohnungen, jedenfalls die in Richtung Ruhrseite, betrifft, hat die ehemalige CDU-Kulturpolitikerin Renate Sommer keine Bedenken. „Wenn ich nicht schon im alten Stadtbad wohnen würde, würde ich dort glatt einziehen.“ Ihrer Einschätzung nach passt sich der Kondor-Wessels-Bau in Höhe und Größe dem benachbarten Rathaus und dem ehemaligen Stadtbad an.

Ruhrbania-Grundsteinlegung

„Wir bauen genau 20 Meter hoch“, bestätigt Bauleiter Dirk Hünting. Die Bezeichnung „Klotz“ will er nicht gelten lassen. „Die helle Fassade, die unterschiedliche Farbabstufungen haben wird, lockert das Ganze auf. Was die wetterbedingte Bauunterbrechung betrifft, habe sie keine Auswirkungen auf den Fertigstellungstermin : „Die ersten Wohnungen können im Dezember bezogen werden,“ betont Hünting.

Frank Helling

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Kommentare
12.02.2012
09:23
Schöne Aussichten an der Ruhr?
von heinrichboell | #8

ganz ehrlich!!! ich bin froh, hier bald nicht mehr zu wohnen! mülheim geht gar nicht mehr! innenstadt sch... und der, ich nenn es mal "häfchen", ist auch nen totaler reinfall !!! mülheim ist NULL attraktiv ! mit was will sich MH brüsten??? mit nichts ???

tschüss

11.02.2012
09:04
Schöne Aussichten an der Ruhr?
von ane309 | #7

ich wohne jetzt seit 6 jahren in mülheim, ich kenne diese "stadt" nur als ewige baustelle.
wenn ruhrbania in 10 jahren fertig ist, kann man aus der city an der ruhr eine kurstadt ( ab 22 werden sowieso die bürgersteige hochgeklappt ) machen, denn geschäfte zum einkaufen gibt es dann nicht eh mehr.aber die parkgebühren erhöhen, einfach nur noch lachhaft.

10.02.2012
14:27
Schöne Aussichten an der Ruhr?
von modtiger | #6

Schon vergessen ? Das Gebäude sieht nicht größer aus, es ist tatsächlich größer als im Sieger-Entwurf angegeben. Der ist bereits, im Gegensatz zum 2. Preis, typische Wettbewerbs-Architektur, die in der Präsentation super ist und als gebaute Realität langweilt. Dann ist die Stadtplanung dem Investor zweimal hinten reingekrochen. Alle Bürgereingaben wurden kalt abgebügelt, was das Projekt nicht eben beliebter machte. Sogar als besonders schützenswert markierte Bäume, wurden später gerodet.

Dafür wird der (im Wettbewerb siegbringende) Innenhof zwischen Rathaus und Anbau durch einen Querriegel entwertet. Dieser war für ein Ärztezentrum nötig, dessen Planung später aus anderen Gründen verworfen wurde. Das war noch nicht genug. Es musste ein weiteres Staffelgeschoss her. Obwohl es zurückgesetzt ist, nimmt es dem Rathaus Licht. Bereits das fünfte Geschoss überragt die Häuser am Löhberg. Der Blick von der Stadthallenterrasse betont die Wuchtigkeit der Planung von Kondor Wessels.

Putzig finde ich den Kommentar des Vorsitzende des Zenit-Trägervereins. Er meint das Gebäude sei „kein architektonisches Highlight“. Ein Investor versuche aber nun mal, möglichst viel Vermarktungsfläche herauszuholen. Bitte ? Ruhrbania sollte ein Leuchtturmprojekt sein. Als es um politische Mehrheiten ging, wurde "die Stadt am Fluss" mit dem Neuen Zollhof im Düsseldorfer Medienhafen verglichen, mindestens wollte man den Innenhafen Duisburg übertreffen. Die Marina sollte die in Oberhausen in den Schatten stellen.

Jetzt muss unbedingt das gerade renovierte Gesundheitsamt abgerissen werden. Denn da der Umbau des Rathauses abgeschlossen ist, brauchen die Bagger ein neues Betätigungsfeld. Vielleicht mietet man ja für die Amtsärzte den maroden Kaufhof an. Da die Stadt unbegrenzte Geldmittel hat, könnte man den notleidenden Eigentümer der Gewerbe-Immobilie etwas unterstützen.

10.02.2012
13:19
Schöne Aussichten an der Ruhr?
von photomann | #5

Nicht nur Wiese und Bäume sollen da hin, es muss Platz für die Zufahrt,die Aussengastronomie und die versprochene Ruhrpromenade sein.
Obwohl, die Promenade wäre für den Bürger, kann man vielleicht streichen, wenn es zu eng wird.

10.02.2012
12:50
Schöne Aussichten an der Ruhr?
von wohlzufrieden | #4

Ruin-nia wäre treffender...

10.02.2012
11:36
Schöne Aussichten an der Ruhr?
von Ben_X | #3

Von weitem sieht Ruhrbania sehr entfernt aus.

10.02.2012
11:10
Schöne Aussichten an der Ruhr?
von daisyblue | #2


Es schaut doch genauso aus, wie der kritische, sorry-"nörgelnde"- Bürger
es befürchtete.

10.02.2012
10:13
Mülheims größte "Architektur-Experten" sehen: Schöne Aussichten an der Ruhr
von schweinchen_schlau | #1

Vielen Dank, vielen Dank WAZ-Lokalredaktion,

für diesen köstlich, amüsanten Artikel. Mülheims große Realsatiriker in Hochform.
Beitz, Wiechering, Michels, Schuster, Sommer allesamt als große "Architektur-Experten" bekannt, urteilen über die, hoppla - Klobigkeit, Massivität und Kantigkeit des Ruhrbanania-Rohbaues.
Es sah ja im Modell kleiner und weiter weg von der Ruhr aus, heißt es nun. Und gleichzeitg hoffen sie ja noch, dass die Gebäude noch "schöner" werden, wenn es dort Bäume und man höre: "Wiesen" gäbe.

JA WO DENN, Bitteschön?
Wo soll denn da noch eine Wiese Platz finden. Das dort stattliche Bäume stehen, werden einige der "Experten" nicht mehr erleben. Und hat man nicht eine Menge stattlicher Bäume für diesen städtebaulichen Schandfleck geopfert? Merken sie es denn noch eigentlich? Eher nein.
Man versucht sich in kollektiver Schönrednerei um von seinen eigenen Fehlern und dem schlechten Gewissen abzulenken.
So haben sie alle sich ein unrühmliches "Denkmal" gesetzt, mit dessen Anblick der Mülheimer noch viel zu lange leben werden müssen.

1 Antwort
Schöne Aussichten an der Ruhr?
von photomann | #1-1

Schönreden geht in Ordnung, aber "schlechtes Gewissen" ?????????

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