Schleichende Gefahr
09.10.2007 | 00:00 Uhr 2007-10-09T00:00:00+0200Diabetes entsteht oft unbemerkt über viele Jahre. Sogar Jugendliche schon betroffen. Ursachen: Übergewicht und Bewegungsmangel. Diabetologe erstellt Risikoprofil für zehn Jahre: Aktionstag am 13. Oktober
THEMA DER WOCHE VORSORGE Die Gefahr kommt schleichend, unbemerkt, vor allem kommt sie schmerzlos daher. Das ist eine der fiesen Seiten dieser Wohlstandserkrankung. "Ein Diabetes baut sich über Jahre auf, ohne dass die Betroffenen Beschwerden verspüren", warnt der Internist Dr. Dieter Neusüß, der eine der beiden Mülheimer Schwerpunktpraxen für Diabetologie betreibt.
Manchmal werde ein Diabetes nur durch eine Zufallsdiagnose aufgespürt, und oft seien es Folgeerkrankungen, die die Menschen zuerst zu spüren bekämen, und diese Folgen sind erst recht brisant, gar lebensgefährlich. Betroffen: das Herz, die Gefäße, die Nieren, die Augen, die Nerven. Tausende von Infarkten, Schlaganfällen, an die 30 000 jährliche Amputationen sind Auswirkungen von Diabetes. Und: Über 75 Prozent aller Diabetiker leiden an Bluthochdruck.
Ärzte warnen vor jeglicher Verharmlosung und wollen für die Brisanz dieses Leidens sensibilisieren. Dazu gehört ein Aktionstag, den Neusüß am kommenden Samstag, 13. Oktober, in seinen Praxisräumen an der Kaiserstraße 31 von 10 bis 14 Uhr anbietet.
An die sechs Millionen Bürger leiden bereits in Deutschland an Diabetes. Die Entwicklung, warnt Neusüß, zeige eindeutig nach oben. Die Dunkelziffer ist hoch: Auf zwei Diabetiker kommt ein nicht Erkrankter.
Bewegungsmangel, fettreiche Fehl- und Überernährung nennt Neusüß als Hauptursachen. Wer Übergewicht habe, sich wenig bewege, an einer Fettstoffwechsel-Störung leide oder wer in seiner Familie bereits Diabetiker habe, sollte gewarnt sein. Was Ärzten die größten Sorgen bereitet: Die Patienten werden immer jünger. Längst wird beim Diabetes Typ II, der mit 90 Prozent am häufigsten vorkommt, nicht mehr vom Altersdiabetes gesprochen. Mediziner warnen denn auch, dass hier eine riesige Kostenlawine auf das Gesundheitswesen zukommt.
Mindestens einmal im Jahr sollte jeder zur Vorsorge gehen und sich auf Diabetes testen lassen, rät Neusüß. Lediglich mit Teststreifen den Harnzucker zu prüfen, reiche nicht. Vorsorgen heißt hier, sein Risiko abzuschätzen. Im Rahmen des Aktionstages bietet der Diabetologe ab 11 Uhr ein so genanntes Risikoprofil an, dazu wird der Blutzucker bestimmt, der Blutdruck gemessen. Beim Risikoprofil wird das Körpergewicht erfasst, die Größe, das Alter, aber auch, ob es in der Verwandtschaft einen Diabetes gegeben hat. Gefragt wird nach dem Ernährungsverhalten (viel Obst und Gemüse?), nach der körperlichen Aktivität (am besten täglich 30 Minuten). Und letztlich wird der Taillenumfang gemessen. Aus den Daten wird eine Prognose erstellt: Wie hoch ist die Wahrscheinlichkeit, dass ich in den nächsten zehn Jahren an einem Diabetes erkranke? Frühzeitig Fehlentwicklungen zu erkennen und die Lebensgewohnheiten umzustellen, ist das Ziel.
Wo dies nicht mehr ausreicht und die Therapie mit Hilfe von Insulingaben erfolgen muss, hilft die Technik. Auf dem Markt sind innovative Techniken, um auch bei labilen Diabetikern die Einstellung der Werte zu verbessern.
Nicht immer können Technik und Chemie weiterhelfen: Untersuchungen haben ergeben, dass Menschen mit einem Diabetes doppelt so oft wie die Allgemeinbevölkerung unter Depressionen leiden. Am Aktionstag wird das Thema "Diabetes und Depression" von Psychotherapeuten der Uni Bochum in der Fliedner-Info-Box, ebenfalls Kaiserstraße 31, ab 11 Uhr behandelt. Angeboten werden dabei Einzelgespräche.

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