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Schicht unterm Sternenhimmel

13.07.2009 | 19:06 Uhr
Schicht unterm Sternenhimmel

Uwe Poch sorgt als Nachtwächter am Flughafen Essen/Mülheim für die Bodenhaftung des WDL-Luftschiffs.

Langsam verschwindet die Sonne vom Himmel. Mit der Nacht kehrt die Stille ein am Flughafen Essen/Mülheim. Die Stadt schläft. Nur einer nicht – für Uwe Poch beginnt hier um 23 Uhr der Arbeitstag. Der 55-Jährige hält Nachtwache am WDL-Luftschiff.

Hin und wieder durchbricht ein Rumpeln und Rattern die Stille. „Das sind die Pumpen. Die sorgen für das richtige Gemisch von Sauerstoff und Helium in den Ballonetts”, sagt der Luftschiffexperte, der sich mit einem Radio in der Gondel für die nächsten Stunden eingerichtet hat. Zwar läuft der Ausgleich in den Ballonetts weitgehend automatisch, aber schon eine herausgesprungene Sicherung oder ein Stromausfall können diese Funktion außer Gefecht setzen. Für einen solchen Fall ist Poch da.

Besonders wichtig wird seine Anwesenheit im Luftschiff bei starkem Wind oder heftigem Regen. „Dann sammelt sich das Wasser auf der Hülle”, berichtet Poch. Damit das Wasser ablaufen kann, muss das Luftschiff vorne abgesenkt werden. Etwas hektischer könne es außerdem besonders an warmen Tagen in den Morgenstunden werden. Mit jedem Grad Außentemperatur wird das Luftschiff 20 bis 25 Kilo leichter. Damit es trotzdem am Boden bleibt, schleppt Poch in dieser Zeit säckeweise Ballast an. „Wenn ich hier abends anfange, fühle ich mich wie 25. Bei Schichtende morgens um acht bin ich um 50 Jahre gealtert”, sagt der Mann mit einer gehörigen Portion Selbstironie.

Ansonsten zählt der 120 Kilo schwere WDL-Mitarbeiter auch gerne mal auf die Wirkung seines Eigengewichts. „Solange ich hier drin sitze, bleibt das Schiff am Boden”, sagt er und lacht. Während der Nachtwache mache ihm nicht einmal die Stille am Flughafen etwas aus. Sie habe sogar einen enormen Vorteil: „Man hört, wenn etwas nicht stimmt und kann sofort reagieren.” Zuletzt sei am Schiff ein Keilriemen abgefallen.

Seit 15 Jahren ist Poch bei der WDL-Luftschiffgesellschaft angestellt und bezeichnet sich gerne selbst als heliumkrank. „Der Virus ist hoch ansteckend, aber nicht bedrohlich”, versichert Poch, der seine berufliche Laufbahn bei der Mülheimer Luftschifffahrt als Maler begann. Weltweit ist er einer von 300 Menschen, die ihren Lebensunterhalt in der Branche durchgehend bestreiten. Gerade, wenn das Luftschiff auf Tournee ist, übernimmt er gerne organisatorische Aufgaben für die 20-köpfige Crew, die während der Saison für den Betrieb des Luftschiffes notwendig ist. Die Nachtwache überlasse er in anderen Städten allerdings gerne einem Kollegen: „Was soll ich denn die ganze Nacht in der Gondel sitzen, wenn in Berlin der Bär steppt?”

Viel herum gekommen ist Poch mit dem Luftschiff jedenfalls schon. Japan war bisher das weiteste Ziel. Ansonsten habe ihn seine Arbeit schon in viele Teile Europas gebracht „Außerdem kenne ich in Deutschland Orte, die man auf der Karte nicht findet”, berichtet er. Und der Virus hält sich hartnäckig. „Am Ende einer langen Tournee habe ich zwar schon oft gedacht, jetzt reicht's. An Weihnachten ist das aber längst wieder vergessen”, erzählt Poch. „Es ist einfach das Größte, wenn nach einem langen Winter das neu aufbereitete Luftschiff aus dem Hangar fährt.”

Andrea Hoymann

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Kommentare
01.10.2009
21:24
Schicht unterm Sternenhimmel
von schranzbaum | #7

ich liebe dieses luftschiff und würde gerne noch ein oder zwei mehr davon über mülheim sehen.

14.07.2009
16:31
Schicht unterm Sternenhimmel
von fulerumer | #6

@4: Herr Wüllenkemper, Sie sind erkannt! Behalten Sie Ihren Stolz, aber belästigen Sie uns bitte nicht mehr damit!

14.07.2009
16:29
Schicht unterm Sternenhimmel
von renitent | #5

@2: Wer Leser, wie sie, hat braucht keine Bedenken vor Werbe-Artikeln haben! ;-)

14.07.2009
13:05
Schicht unterm Sternenhimmel
von Weiter So | #4

Das WDL-Luftschiff ist ein Aushängeschild für Mülheim und ich bin stolz, dass wir eine derartige tolle Aussergewöhnlichkeit in Mülheim besitzen. Weiter so Theo.

14.07.2009
12:24
Schicht unterm Sternenhimmel
von magnum | #3

#2
Erst lesen, dann denken, vielleicht auch hören und dann schreiben. Luftschiffe sind beim landen und starten wirklich sehr laut. Danach spielt der Lärm keine wirkliche Rolle mehr.

14.07.2009
12:00
Schicht unterm Sternenhimmel
von Serenity | #2

Der Lärm eines Luftschiffes ist unerträglich?

Wer solche Nachbarn wie sie hat, der braucht wahrlich keine Feinde mehr.

14.07.2009
08:18
Schicht unterm Sternenhimmel
von fulerumer | #1

Ich wünsche noch viele lange Auslandsaufenthalte!
Der Lärm dieser Zigarre ist beim Anflug echt unerträglich!
Wüllenkemper versprach doch seinen Rückzug aus Essen/Mülheim, warum hält er sich nicht an sein Wort?
Warum schreibt derWesten wieder einen Gefälligkeitsartikel?

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