Rund 12 000 Fahrgäste ohne Ticket unterwegs

18 000 Stunden - so viel Zeit widmet die MVG der Suche nach Schwarzfahrern. Das bedeutet umgerechnet auf das Personal: Jeden Tag sind im Schnitt sieben Kontrolleure im Mülheimer Verkehrsgebiet tätig. So war es im letzten Jahr und so wird es die MVG auch im neuen Jahr handhaben - denn die Verluste, die durch das Schwarzfahren verursacht werden sind beträchtlich. Für 2014 sind die Zahlen noch nicht ausgewertet, aber vermutlich bewegen sie sich in einer ähnlichen Größenordnung wie im Vorjahr. Auf rund 1,7 Millionen Euro hat die MVG 2013 die Verluste kalkuliert. Auf die Summe ist das Verkehrsunternehmen gekommen, indem es pro Schwarzfahrer einen Durchschnittspreis angesetzt hat, der sich aus dem Preis der Kurzstrecke und dem Preis für die Stufe A2 zusammensetzt.

Schwarzfahren ist eine Straftat

Und wie sieht es mit den Einnahmen aus? „Erhöhtes Beförderungsentgelt“ heißt die Strafgebühr in der Behördensprache, bisher liegt es bei 40 Euro, demnächst bei 60 Euro. Die Bundesländer hatten sich über den Bundesrat dafür stark gemacht, dass die Erhöhung bereits ab Anfang dieses Jahres gilt. Doch es gab Verzögerungen, der Bund muss noch zwei Verordnungen ändern, so dass es vermutlich erst im Frühjahr so weit sein wird. Wie hoch die Summe ist, die die MVG im Jahr über die Strafgebühr einnimmt, kann Olaf Frei, der Sprecher des Verkehrsunternehmens, nicht sagen. Aber er verweist auf einen Vergleich: „Die Summe ist in etwa so hoch, wie die Kosten, die durch den Einsatz der Kontrolleure entstehen.“

Fest steht allerdings: Die Kontrolleure sind effektiv. Wer schon einmal eine Kontrolle erlebt hat, weiß das. Sie betreten zu mehreren das Abteil, haben vor allem aber auch die Türen im Blick. So dass niemand bei der nächsten Station aussteigen kann, ohne nicht kontrolliert worden zu sein. Insgesamt 357.481 Fahrgäste wurden 2013 kontrolliert, davon wurden 12.067 ohne gültiges Ticket erwischt. Blickt man auf alle drei Jahre zuvor, so liegt die Quote der Schwarzfahrer unter den kontrollierten Fahrgästen bei rund drei Prozent.

Olaf Frei ist zurückhaltend dabei, etwas über die langfristige Entwicklung der Zahl der Schwarzfahrer zu sagen: „Es ist klar: Wenn mehr kontrolliert wird, dann werden auch mehr Menschen erwischt. Die Zahlen kann man aber dann nicht mit denen vergleichen, als noch weniger Überprüfungen durchgeführt worden sind.“ Dem Verkehrsunternehmen geht es denn auch mehr ums Grundsätzliche: Schwarzfahren ist kein Kavaliersdelikt, sondern eine Straftat. Dies soll durch die Kontrollen unterstrichen werden.

Aber auch derjenige, der erwischt wird, bekommt eine Chance zur Läuterung direkt vor Ort: Kauft er ein Monatsticket, also etwa ein Ticket 1000 oder ein Ticket 2000, oder schließt ein Abonnement ab, verzichtet das Verkehrsunternehmen einmalig auf die Strafgebühr. Dieses Angebot gibt es in Mülheim seit Juni 2011. Seither ist es immerhin von rund 500 Kunden pro Jahr in Anspruch genommen worden.