„Ruhrorter“ überzeugte die Jury

Eine schöne Überraschung: Das Theaterprojekt „Ruhrorter“ vom Theater an der Ruhr hat von der Freddy-Fischer-Stiftung den zweiten, mit 2000 Euro dotierten Preis erhalten. Den Brief hat Adem Kösterli schon am Samstag erhalten. „Es war für uns schon eine Überraschung, weil es so viele gute Projekte gibt“, sagt Wanja von Suntum, der das Theaterprojekt gemeinsam mit Adem Köstereli und Jonas Tinius vorantreibt. „Vermutlich hat der Jury gefallen, dass die Flüchtlinge selber zu Wort kommen und von ihrem Leben nicht buchstäblich, sondern allgemein erzählen.“ Die Mühe, die sie in ihre umfangreiche Bewerbung gesteckt haben, hat sich also gelohnt.

Der Zeitpunkt ist gut gewählt, die Proben für den dritten Teil der Ruhrorter-Trilogie, in der junge Flüchtlinge auf der Bühne stehen, laufen auf Hochtouren. So eine Arbeit verschafft den Flüchtlingen einerseits Erfolgserlebnisse, sie werden aber als Schauspieler vom Publikum anders wahrgenommen. Premiere von „Und die Nacht meines Anfangs“ ist am Freitag, 12. Juni. Weitere Aufführungen sind am 13., 14. 18., 19. 20. und am 26. und 27. Juni vorgesehen. Schon der Spielort ist besonders. Das ehemalige Frauengefängnis an der Gerichtsstraße, das 1998 geschlossen und zwischenzeitlich auch als Abschiebegefängnis genutzt worden ist. Heute hat die Awo hier Büros und das Café Light. Mit vier Schauspielern probt Köstereli gerade. Träume und Alpträume spielen eine Rolle. Zwei weitere sind kürzlich abgesprungen, einer von ihnen hat in Münster ein Praktikum bekommen. Der 29-Jährige hält auch Kontakt zu anderen Ehrenamtlern, nimmt regelmäßig an den Sitzungen in Styrum an der Gustavstraße teil. Wichtig für ihn ist, dass es nach der Premiere auch in zwangloser Atmosphäre zum Austausch kommen kann.

In kleinen Gruppen soll es dann durch den Gefängnistrakt gehen, wo alleine schon der Raum zum Erlebnis wird. „In den leerstehenden Zellen mischen sich Stimmen der Vergangenheit und Gegenwart, alte Lieder mit dem Geruch des Kartoffelkellers. Durch die nassen Fenster ist das Kreisen der Vögel zu sehen - und mit dem Einbruch der Nacht folgen wir gemeinsam den Schatten unserer Füße.“ So steht es auf der Internetseite www.ruhrorter.de

Fünf Stunden Material

Intensive Recherchegespräche führte von Suntum mit zahlreichen Beteiligten. Fünf Stunden Material kamen dabei heraus. Aufschlussreich war mit ihm das Gespräch mit der ehemaligen Anstaltsleiterin, die Aussagen zur staatlichen Gewalt und Strafe, aber auch, wie sie erzählt, dass die Frauen ihre Zellen nach eigenen Vorstellungen anmalen durften und eine mediterrane Oase entstehen sollte. Im vergangenen Jahr stand die Probebühne des Theaters an der Ruhrorter Straße im Mittelpunkt des Projektes - auch dieses Gebäude hatte eine Vergangenheit als Flüchtlingsunterkunft. Was mit dem Geld passiert, steht noch nicht fest. Klar ist aber schon mal, dass „Die Nacht meines Anfangs“ nicht der Endpunkt der Theaterarbeit mit Flüchtlingen sein wird. So ein Preis ist immer eine große Motivation.