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Ruhrbischof fordert offene Diskussion über Kirche und Sexualität

04.06.2012 | 06:00 Uhr
Bischof Dr. Franz-Josef Overbeck. Foto: Sebastian Konopka

Mülheim.   Das Thema „Kirche und Sexualität“ polarisiert, auch durch die zahlreichen Missbrauchsskandale innerhalb der Kirche. Die Katholische Akademie „Die „Wolfsburg“ wagte sich jetzt in einer Veranstaltung im Bistum Essen an dieses Thema. Mehr als 200 Zuhörer kamen.

Das Thema „Kirche und Sexualität“ – es polarisiert, auch weil es durch die Missbrauchsskandale neu angeheizt wurde. Die Katholische Akademie „Die „Wolfsburg“ wagte sich jetzt in einer Veranstaltung des Dialogprozesses im Bistum Essen an dieses „heiße Eisen“. Mehr als 200 Zuhörer kamen, darunter laut Bistum „auch Homosexuelle“.

Auf dem Podium saßen Fachleute, die sich aus unterschiedlichen Erfahrungswelten zur katholischen Sexualethik positionierten: Neben Bischof Franz-Josef Overbeck waren es der Moraltheologe Professor Dr. Konrad Hilpert (München), der Bonner Psychoanalytiker und Beratungsstellenleiter Dr. Elmar Struck und die Hamburger Sexualforscherin Prof. Hertha Richter-Appelt.

Überkommene Sexualmoral der Kirche?

Letztere warf der Kirche vor, nicht zur Kenntnis zu nehmen, dass sich die Sichtweise von Sexualität in der Gesellschaft verändert habe. „Sexualität ist ein natürliches Bedürfnis, das bestimmten Regeln unterliegen muss, aber nicht allein der Zeugung dienen darf.“ Sexualität nur mit Reproduktion zu koppeln, sei „überholt“.

Sexualität sei im Leben eines Menschen ein „wichtiger Faktor, um Befriedigung zu bekommen“ und ein wichtiger Bestandteil von Bindung und Beziehung. Ob gleich- oder gegengeschlechtliche Sexualität – entscheidendes moralisches Kriterium müsse sein, ob man sich selbst oder anderen schade.

Mehr "Transparenz, Offenheit und Entschiedenheit"

Der Bischof forderte eine „neue Transparenz, Offenheit und Entschiedenheit“ sowie ein „neues ethisches Sprechen über Sexualität“. Er räumte ein, dass viele Menschen Schwierigkeiten mit der kirchlichen Autorität hätten – nicht nur in Fragen der Sexualität. Die Tradition der Kirche werde bei vielen gerade hinsichtlich der Sexualmoral als „sperrig“ empfunden .

„Doch wie kann die sperrige Tradition Trittsicherheit für Neues sein?“, fragte Overbeck und erinnerte an die „Schätze“ der kirchlichen Tradition, dass Sexualität in das weite Feld der Liebe eingebettet sei, dass Ehe und Familie für Frauen und Männer einen Schutzraum darstellten und dass das Wohl des Kindes in den Bereich von Sexualität und Liebe gehöre.

Revision der traditionellen Sexualmoral der Kirche?

„Tradition darf aber nicht zu einer Verbotsmoral führen“, so der Bischof. Es gehöre zum Menschen, sexuell zu sein. Doch daraus folge eine „hohe moralische Anforderung“.

Professor Hilpert mahnte eine Revision der traditionellen Sexualmoral der Kirche an. Die Verbindung zwischen Sexualität und Zeugung in der kirchlichen Lehre sei zu starr. Sexualität solle nicht einer Verbots-, sondern einer Tugendmoral folgen, die sich an positiven Werten wie Treue, Liebe sowie vorbehaltloser und ganzheitliche Annahme orientiere – in Abgrenzung zu Missbrauch und Gewalt in Beziehungen, sexueller Verwahrlosung von Kindern, Pornografie, Intersexualität oder interkulturellen Beziehungen.

Auch Geschiedene oder getrennt Lebende miteinbeziehen

Mehr von Werten auszugehen als von Normen, dafür sprach sich auch der Leiter der Katholischen Ehe-, Familien- und Lebensberatung Bonn, Dr. Elmar Struck, aus. Auch er hält die enge Koppelung von Sexualität an Ehe und Familie für problematisch.

Video
Berlin, 19.11.10: Kardinäle aus der ganzen Welt sprechen im Vatikan erstmals über den Umgang der katholischen Kirche mit ihren Missbrauchsfällen – in der Heimat von Papst Benedikt XVI. warten viele Opfer bisher vergeblich auf Gerechtigkeit.

Mit Blick auf Geschiedene, getrennt Lebende, Singles und Homosexuelle meinte der Lebensberater: „Wir müssen freundlichere Antworten für die finden, die nicht in einer Ehe leben.“


Kommentare
28.12.2012
03:51
Der Herr hat uns mit immer währenden Prüfungen gesegnet
von PressefreiheitistVerantwortung | #4

Eine davon ist das Ertragen von Dummheit in Form von einfachen Antworten auf komplexe Probleme.
Unter dem Eindruck der stereotypen Äüuerungen in fast allen Foren bekommt die Aussage: "Selig sind die geistig Armen ..." eine ganz neue Dimension.
Ich hatte letzte Woche zu dem Thema ein Fachgespräch - nicht mit einem Theologen, sondern mit einer Psychotherapeutin. NEIN, nicht das was Sie jetzt denken. Ein Fachgespräch unter Kollegen im assoziierten beruflichen Bereich während einer Geburtstagsparty.

05.06.2012
11:16
Ruhrbischof fordert offene Diskussion über Kirche und Sexualität
von suedjuergen | #3

diese kirchenclowns sind ja sowas von verblendet und leben mit ihren vorstellungen im vorvorvorletzten jahrhundert.

aber eigentlich ist es so wie überall: wer die macht hat klammert sich daran. und wenn sich das was im vatikan passiert nach unten durchsetzt: gande uns der chef von denen.

1 Antwort
Sie haben Glück - DER Chef verzeiht.
von PressefreiheitistVerantwortung | #3-1

Wussten Sie eigentlich, dass ohne die christliche Lehre - den Irrungen und Wirrungen der Institutuion Kirche in ihrer langen Geschichte zum Trotz - niemals Demokratie und freie Meinungsäußerungen enstanden wären? Sie würden sich in anderen Systemen nicht einmal trauen, das zu denken, was Sie hier despektierlich aussprechen.

04.06.2012
16:45
Ruhrbischof fordert offene Diskussion über Kirche und Sexualität
von Kajovo | #2

Nein wir müssen keine freundlichere Bedingungen finden, sondern wir als gläubige Katholiken müssen uns an die Gebote Jesu Christi halten. Wir können doch nicht die Gebote dem Mainstream und der Mode unterwerfen, sondern müssen uns an das halten, was Gott uns in seinen Geboten gegeben hat.

2 Antworten
Ruhrbischof fordert offene Diskussion über Kirche und Sexualität
von geniculatum | #2-1

.... was hat sex mit den 10 Geboten zu tun???

Ruhrbischof fordert offene Diskussion über Kirche und Sexualität
von suedjuergen | #2-2

sie scheinen ja jemand von den ewig gestrigen zu sein. da geb ich lieber wohlzufrieden recht-

04.06.2012
12:49
Ruhrbischof fordert offene Diskussion über Kirche und Sexualität
von wohlzufrieden | #1

Ein Blinder will über Farbe diskutieren....

1 Antwort
Diesen Leitspruch sollten Sie sich mal selbst zu eigen machen.
von PressefreiheitistVerantwortung | #1-1

Ihre Lernfähigkeit ist leiser deutlich begrenzt. Vermutlich weniger wegen intellektueller Defizite als vielmehr wegen einer therapierbaren Devianz.

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