Rückfahrt als Weltmeister

Ich kann meine Bronchitis, die ich mir erst jetzt im Winter 1954 zugezogen habe, nicht abschütteln. Alle Schuluntersuchungen, der tägliche Löffel Lebertran und auch die im Herd aufgewärmte Steingutflasche, die mir Vater vor dem Einschlafen ins Bett legt, können keine Abhilfe schaffen. Im April werde ich elf Jahre alt. Nun ist Mutter mit mir auf dem Weg zum Gesundheitsamt. Sie hat es geschafft. Ein sechswöchiger Aufenthalt im Kindererholungsheim der Stadt in Keitum auf Sylt ist für mich bewilligt worden. Nach einer sehr langen Zugfahrt, die mit der Fahrt über den Hindenburg-Damm endet, werden wir Ende Juni 1954 im Heim begrüßt.

Ich habe große Erwartungen, die alle erfüllt werden. Essen, Trinken, Schlafen, das Fußballspielen auf den Wiesen, das Rumtollen in unserem Tannenwäldchen und das Sonnenbaden an Mülheims Strand des Wattenmeeres sowie Ausflüge bescheren sechs glückliche Wochen. Am Abend des 4. Juli 1954 hatte unsere Betreuerin beim Abendbrot verkündet: „Deutschland ist Weltmeister“

Von der Bronchitis auf alle Zeit geheilt, kehre ich Mitte August nach Mülheim zurück, um mich dann zusammen mit einem Schulfreund beim Fußballverein Union 09 anzumelden.