Rudern: ein Sport mit viel Teamgeist

Menden/Holthausen..  In einer Stadt wie Mülheim, die an einem Fluss liegt, darf eines natürlich nicht fehlen: Wassersport. Bei der Mülheimer Rudergesellschaft (MRG) an der Mendener Straße gibt es über 300 Mitglieder. Manfred van Ackern ist quasi im Club aufgewachsen und ist schon seit fast 50 Jahren dabei. „Es geht nicht nur um den Sport bei uns im Verein“, sagt van Ackern. „Es steht auch das gesellige Zusammensein im Mittelpunkt, wie etwa bei Geburtstagen oder anderen Festen.“

Auch für Menschen mit Handicap

Für den 61-Jährigen zeichnen das Erlebnis und die Gemeinsamkeit im Boot den Sport aus, ebenso, dass man noch bis ins hohe Alter rudern kann. „Es ist eine schonende Sportart, die den ganzen Körper beansprucht und das Unfall- bzw. Verletzungsrisiko liegt praktisch bei Null“, sagt Manfred van Ackern. „Wenn man alleine rudert, kann man ganz in seinem Tempo bleiben, bei uns Älteren steht die Leistung eh nicht mehr im Vordergrund.“

Im Gegenteil, viele Sportler, die etwa in der Bundesliga ruderten, bleiben dem Sport auch nach der Leistungskarriere treu. Das sei in vielen anderen Sportarten nicht so. Deshalb würden auch viele Sportler nach ihrer Karriere in anderen Sportarten wie etwa Fußball, Badminton oder Tennis zum Rudersport wechseln. „Die Leute möchten weiterhin etwas machen und Rudern ist schon fast ein Gesundheitssport“, so van Ackern. „Auch für Menschen mit Handicap ist der Sport geeignet.“

Ein sozialer Sport

Wie viele Vereine, plagen aber auch die MRG Nachwuchssorgen. Momentan sind es um die 30 Kinder, die regelmäßig zwei bis drei Mal die Woche trainieren. „Der Zuwachs ist leider gesunken, das liegt auch am Druck, den Schüler heute in der Schule haben“, bedauert van Ackern. „Daher haben wir nicht mehr den Zulauf von den Schulen wie früher.“ Dabei sei gerade der Rudersport sowohl für Schüler, als auch für Erwachsene eine gute Möglichkeit, den Kopf einfach mal frei zu bekommen. Gerade früh morgens trifft man auf der Ruhr bis auf ein paar Enten und Schwäne kaum jemanden und kann einfach mal die Ruhe genießen. Zudem sei Rudern auch ein sehr sozialer Sport, so van Ackern. „Gemeinschaftsrudern ist Teamarbeit – da ist man aufeinander angewiesen und eine gewisse Rücksichtnahme gehört auf jeden Fall dazu. Einzelkämpfer sind dann fehl am Platz.“

Unter den Jugendlichen der MRG gibt es einige Hoffnungsträgerinnen. Wie zum Beispiel Annika Weber. Die 16-Jährige hat vor fünf Jahren das Rudern für sich entdeckt und ist mittlerweile eine der erfolgreichsten Ruderinnen im Verein. „Vorher war ich im Schwimmverein, das wurde mir aber irgendwann etwas zu teuer“, so Annika. „Deshalb habe ich mich anders orientiert, aber es war klar: Es muss etwas mit Wasser sein.“ Die Schülerin liebt es an der frischen Luft zu sein und auch, dass man beim Rudersport viel herum kommt. „Es stehen immer wieder große Regatten an, wie etwa in Hamburg oder Bremen – auch bei den nächsten Jugendmeisterschaften bin ich mit von der Partie.“ Auch die 15-jährige Laura hat vor kurzem vom Fechten zum Rudern gewechselt. „Ich wollte aus der Halle raus, ab in die Natur“, so Laura. „Ich habe einen Schnupperkurs gemacht und bin direkt dabei geblieben, weil es mir so viel Spaß gemacht hat.“ Und es hat sich gelohnt. Obwohl Laura erst seit knapp einem Jahr an der Mendener Straße trainiert, hat sie bei den Stadtmeisterschaften im Vierer direkt den ersten Platz belegt.

Ehrenamtler zeigen Einsatz

Der soziale Charakter des Sports spiegelt sich auch darin wider, dass viele Jugendliche sich ehrenamtlich im Verein engagieren und zum Beispiel die Kleinsten trainieren. Wie etwa Pierre Lambertz und Martin Geller. „Sie zeigen einen tollen Einsatz bei uns“, sagt Manfred van Ackern. „Das liegt aber auch daran, dass viele unserer Mitglieder hier schon in der dritten Generation sind und der Club so eine Art Zuhause ist.“ Und Pierre Lambertz ergänzt: „Es ist ein schöner Ausgleich zum Studium, außerdem arbeite ich sehr gerne mit Kindern zusammen.“ Die beiden jungen Männer sind auf dem Wasser immer in der Nähe ihrer Schützlinge. Mit einem Motorboot beobachten sie das bunte Treiben, geben Anweisungen und Hilfestellungen.

Über ein bisschen Zulauf würden sich die Verantwortlichen der MRG freuen. Auch Seiteneinsteiger im Erwachsenenalter sind jederzeit willkommen. Jeden Sonntagvormittag können Interessierte zu einem Schnupperkurs ganz unverbindlich vorbeikommen. Wie es dann weitergeht, müsse jeder für sich selbst entscheiden, aber der 61-jährige van Ackern ist sicher: „Es ist eine tolle Sportart und man kann viel bei uns erleben. Seien es Wanderfahrten zum Beispiel nach Passau oder einfach Mitglied einer wirklich tollen Gemeinschaft zu werden.“