Rosenmontag wie im Rausch erlebt

Rosenmontag fühlt sich an wie ein Rausch, zumindest, wenn man mit dem Wagen des Mülheimer Carnevalsclubs (MCC) Rot Weiß im Rosenmontagszug mitfahren darf. „Das ist wirklich Wahnsinn, wie viele Menschen diesmal zum Zug gekommen sind“, freut sich MCC-Präsident und Geburtstagskind Klaus Groth, während er aus seiner Kanzel auf Tausende von Jecken schaut, die lautstark mit „Helau“ nach Kamelle verlangen.

16 Mitfahrer des MCC reißen Tüten und Kartons auf. Sie werfen in die Menge, was das Zeug hält, und entwickeln dabei sichtlich sportlichen Ehrgeiz. Nicht nur Kamelle, sondern auch Chips, Bälle, Plüschtiere, Gummibärchen, Kekse und vieles mehr will unter das Mülheimer Narrenvolk gebracht werden. MCC-Vorstandsfrau Nadia Khalaf hat beim Werfen klare Vorlieben. „Bei mir bekommen vor allem die etwas, die sich schön verkleidet haben“, sagt sie und hat eine reiche Auswahl.

Eva Klatt und Annette Rabe sind beim Werfen nicht ganz so streng. „Das ist ein Hammer, was hier raus geht“, staunt Klatt. Und Rabe begeistert sich: „Es ist einfach Wahnsinn, in so viele strahlende Gesichter zu schauen und zu erleben, wie sich die Menschen über Kamelle und andere Kleinigkeiten freuen können. Man schaut ihnen in die Augen, lächelt sich kurz an und baut gleich so etwas wie eine Sekundenbeziehung auf. Das könnte ich den ganzen Tag so weiter machen“, beschreibt Rabe ihr Rosenmontagsgefühl.

Sie ist im Gegensatz zu den meisten anderen Mitfahrern keine aktive Karnevalistin. Ihre erste Rosenmontagsfahrt, zu der sie ihre Freundin Eva Klatt eingeladen hat, gewann sie mit einem Tombola-Los bei der Prunksitzung des MCCs. Wenn man in die strahlenden Augen der beiden Clownsfrauen schaut, ahnt man, dass es nicht ihre letzte Rosenmontagszugfahrt gewesen ist. „Wann jubeln einem sonst schon mal so viele Menschen zu“, freuen sich die närrischen Novizinnen.

Auch für Liliane Egron und ihren Mann Christian ist es „großartig, auf dem Wagen des MCCs mitfahren zu dürfen und dabei in die strahlenden Gesichter am Straßenrand zu schauen“. Für die Präsidentin der mit dem MCC freundschaftlich verbundenen Majorettes aus Tours „geht diese schöne Zeit aber leider viel zu schnell vorbei“.

Dieses Gefühl hat auch die stellvertretende MCC-Vorsitzende Karin Richard, die in der Wagenkanzel mit Klaus Groth und Uschi Goldenberg um die Wette wirft. „Morgen habe ich bestimmt Muskelkater“, meint sie. Und obwohl der MCC und seine Mitfahrer insgesamt 1280 Euro in den Einkauf ihres Wurfgutes investiert haben, das den von Johannes Goldenberg und Dirk Roes gebauten Gesellschaftswagen mit den Zugaben der Sponsoren des Hauptausschusses Groß-Mülheimer Karneval großzügig füllt, hat Karin Richard auch an diesem Rosenmontag das Gefühl, „dass es am Ende irgendwie doch zu wenig ist“.