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Das Sparpaket

Rettungsversuch

18.02.2010 | 20:48 Uhr
Rettungsversuch

Mit einem nie dagewesenen Sparpaket versucht die Stadt, die drohende Pleite zu verhindern. Kämmerer Uwe Bonan und Dagmar Mühlenfeld legten gestern 197 Maßnahmen vor, mit denen sich 61 Millionen Euro bis zum Jahr 2013 einsparen ließen.

Ein Rettungsversuch und ein Vorschlag für die Politiker und für die Bürger, auf die massive Veränderungen zukommen.

185 Planstellen sollen im Rathaus durch Fluktuation eingespart werden, das Friedrich-Wennmann-Bad und das Naturbad Styrum sollen aufgegeben werden wie die Jugendherberge. Kürzungen sind bei der VHS ebenso vorgesehen wie bei Verbänden und Vereine, Einsparungen will man beim Hausmeisterdienst an Schulen erzielen, die Fahrbücherei oder Zweigstellen stehen auf der Streichliste, aber auch die Aufgabe der Sinfonie- und Kammerkonzerte.

Der Bürger wird aber nicht nur Kürzungen und Streichungen erleben, sondern auch mehr zahlen müssen. Der Vorschlag der Stadtverwaltung sieht vor, die Grundsteuer B zu erhöhen, die Elternbeiträge für Kitas und Ganztagsschulen sollen steigen, Park- und Friedhofsgebühren auch. Und selbst der Hund wird teurer – wenn die Politik folgt.

Auf 392 Seiten hat der Kämmerer seine Vorschläge unterbreitet. „Was sollen wir an Hilfen vom Bund und vom Land erwarten, wenn wir nicht selbst rigoros sparen?“ fragt die Oberbürgermeisterin.

Mülheim ist arm: 97 Millionen Euro fehlen der Stadt, ein neuer Tiefpunkt in der Reihe der jährlichen Defizite. Und wenn nichts passieren sollte, die Belastungen und Aufgaben für die Stadt bleiben, wie sie sind, wenn die Einnahmen nicht deutlich steigen – ja dann wäre Mülheim 2018 pleite. Schon im Jahr 2013, zeigt Kämmerer Uwe Bonan auf, belaufen sich die Kassenkredite auf 715 Millionen Euro.

Mülheim ist überfordert: Wie bei all den anderen Städten im Ruhrgebiet und im Bergischen Land, die sich zum Bündnis „Raus aus den Schulden“ zusammengeschlossen haben, sind die Ausgaben für Sozialleistungen explodiert. Pro Jahr und Kopf zahlte Mülheim im Jahr 2000 noch rund 320 Euro im Jahr, heute sind es 450 Euro, weit darunter das übrige NRW. Allein für die Grundsicherung im Alter, wenn die Rente zum Leben nicht reicht, muss die Stadt inzwischen über zehn Millionen Euro aufwenden, vor fünf Jahren war es noch die Hälfte. Gerade in der Altersarmut sieht Bonan noch Zündstoff.

Er findet, dass Finanzwissenschaftler Prof. Martin Junkerheinrich den Nagel auf den Kopf trifft. Der nämlich sagt: „Die Zunahme der kommunalen Kassenkredite ist ganz wesentlich dadurch bestimmt, dass zahlreiche Landesgesetze von Bund und Land den Städten zusätzliche und nicht hinreichend gegenfinanzierte Lasten beschert haben.“ Auf jährlich 35 Millionen Euro beziffert der Kämmerer die Lasten für die Stadt durch Gesetze, die von der Stadt umgesetzt werden müssen, ohne dass es dafür eine finanzielle Unterstützung gibt.

Und noch eine Pflichtaufgabe zieht die Stadt in die Tiefe: Bislang musste Mülheim 142 Millionen Euro für den Aufbau Ost aufbringen, bis zum Jahr 2019 sollen es noch einmal 127 Millionen sein. „Das Geld müssen wir uns von den Banken leihen“, beklagt Bonan und kann noch froh sein, dass derzeit ein historisches Zinstief herrscht. Gerade dieses Tief ist für ihn aber auch ein weiteres Argument für einen Schuldenabbau: „Wenn, dann jetzt.“

Denn Zinsen können steigen und sind nur ein Risiko von vielen, die den Haushalt umgeben: Die Betreuung der Kinder unter drei Jahren soll ausgebaut werden, die Folgen der Finanzkrise sind längst noch nicht absehbar, neue Steuergesetze entlasten zwar den Bürger, belasten aber dafür die Kommunen.

Mülheim ist daher fordernd: Ein Entschuldungsfonds des Landes muss her. Für jede Aufgabe muss es eine angemessene Finanzausstattung geben. Der Soli-Beitrag Ost muss neu auf notleidende Städte ausgerichtet werden. Der Bund muss mehr zu den Sozialaufwendungen beisteuern. Für die Kinderbetreuung muss die Stadt mehr Geld erhalten, und noch ein Muss setzt die Stadtspitze hinzu: Eine unabhängige Kommission muss prüfen, ob ein Leistungsgesetz von der Kommune finanziell zu bewältigen ist.

Die OB gibt sich besorgt: Die Zukunft der Städte sieht sie in Gefahr. Sie gibt sich aber auch zuversichtlich, dass die Landesregierung in Kürze einen Vorschlag machen wird, um das Überleben der Städte zu sichern. Die kommunale Selbstverwaltung sei ein hohes Gut, das immerhin im Grundgesetz verankert ist.

Andreas Heinrich

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Kommentare
19.02.2010
17:37
Rettungsversuch
von StadtMenschMH | #25

Es wäre korrekt gewesen, dass vor der Wahl anzusprechen. Was hier läuft empfinde ich als Wahlbetrug!

19.02.2010
17:25
Rettungsversuch
von lach mich schief | #24

Ich weiß gar nicht warum sich alle hier so aufregen! Die Papnasen die das alles veranlassen wurden durch die Bürger gewählt! Und ganz ehrlich, so schlecht kann es den Deutschen noch gar nicht gehen, ansonsten würde er sich auflehnen, wie in Frankreich. Denke die Schmerzgrenze ist noch lange nicht erreicht.

19.02.2010
16:51
Rettungsversuch
von kommt zeit kommt rat | #23

na das ist doch ne große frechheit !!!!was sich frau mühlenfeld und ihre staffelreiter so alles einfallen lassen.und wenn man sieht,was angefangen wird und als erfolg verkauft wird,im übrigen auch die strategie der SPD, dann sollte man solchen unfähigen leuten,die dinge in regress stellen!!!würden sie auch so mit ihrem eignen geld umgehen???wäre meine frage dazu.aber wie mancher bürger der sie gewählt hat sollte dann mit am meisten bluten!!!im moment sehe ich hier und und deutschland eh keine partei und keinen politiker der an irgendwas ,was ändern könnte!! teure gebäude gebaut und die stadt in noch mehr schulden gedrängt!! werden solche leute auch noch belohnt dafür?was muss hier in mülheim und deutschland noch alles passieren.....

19.02.2010
16:47
Rettungsversuch
von kreativer Vorschlag | #22

Was passiert eigentlich, wenn im Rathaus mal Kurzarbeit eingeführt wird? Ich bin sicher, der Bürger hätte Verständnis, wenn es nur vernünftig kommuniziert würde: Alle Bediensteten in den Ämtern verzichten auf 10% ihres Gehaltes (wäre mal interessant zu wissen, wie lange es dann dauert, bis wir saniert sind) und arbeiten 10% weniger. Das sind so ca. 16 Stunden im Monat, wenn ich nicht irre. Wetten, daß das nicht auffällt? Und wenn, reicht der Hinweis auf die eingesparten Gehaltssummen, um evtl. Bürgerunmut zu beschwichtigen.

19.02.2010
16:19
Rettungsversuch
von ProBüchereien | #21

Und was ist mit den Stadtteilbüchereien? Dort werden wir immer freundlich und kompetent beraten. Im Medienhaus ist nicht immer Zeit dafür. Auch bin ich nicht immer in der Lage, meine Kinder dorthin zu fahren. Wir können uns diese wichtigen Einrichtungen nicht nehmen lassen!

19.02.2010
16:00
Rettungsversuch
von Bernd Kempchen | #20

Ja,wir wollten eigentlich wieder kinderfreundlich in unserem Land werden.Aber unsere tolle OB hat noch tollere Ideen.Rauf mit den Gebühren für Kindergärten.Die Eltern von Schulkindern können jetzt schon mal anfangen für Farbe sparen um in den Ferien zu streichen.Vielleicht hat ein Glaser noch ein paar Fenster,die er nicht braucht.Und dann das bischen Freude mal zum Schwimmen zu gehen.Die OB sollte mal ein paar Gehaltskürzungen im Rathaus vornehmen und dem kleinen Man was lassen.Aber Hauptsache die Ruhrbania wird gebaut um sich ein Denkmal zu setzen.Ich war mal ein überzeugter SPD-Wähler.Aber wenn man so etwas liest kann man diese Partei überhaupt nicht mehr wählen.

19.02.2010
12:24
Rettungsversuch
von Gartenzwerg | #19

Wieso schreibt die Presse Sparpaket?

Das ist ein Steuererhöhungspaket. In wenigen Jahren sind auch diese Gelder verballert und dann wird weiter erhöht!

Warum versucht die Lokalpresse immer nur uns unkritisch den Blödsinn der Stadtverwaltung zu verkaufen? So werden die nie mit diesem Irrsinn aufhöhren.

19.02.2010
11:50
Rettungsversuch
von Mülheim_war_mal_toll | #18

Klar, macht alles zu, was nicht sofort Kohle bringt. Dieses ad hoc-Denken ist steinzeitlich. Von Verwaltungsangestellten und Politikern erwarte ich, daß sie weiter denken und nicht nur bis zur nächsten Mahlzeit. Hallooo, Kinder sind unsere Zukunft und wir sollten dafür sorgen, daß sie keine Bewegungslegastheniker werden.

19.02.2010
11:09
Rettungsversuch
von ArmesD | #17

Das Styrumer Bad ist meines Erachtens nach ein Geldfresser

Wenn sie die Bäder schliessen wollen sollen sie wenigstens EIN Vernünftiges bauen ( falls sie je wieder zu Geld kommen)

19.02.2010
10:53
Rettungsversuch
von schranzbaum | #16

die ahllenbäder sind ja jetzt schon zu zeiten für arbeitnehmer heillos überlastet, das kann ja dann durchaus noch n bisschen gemütlicher werden. sollte das styrumer bad ganz geschlossen werden, dann müssen sich doch die leute, die vor ein paar jahren (nicht vor jahrzehnten), für den kostspieligen umbau gezeichnet haben, mal ordentlich an den kopf fassen. und wenn trotz aller sparmassnahmen an überflüssigen dingen wie dem abriss der brücke (neudeutsch overfly) festgehalten wird, dann muss man diese leute wohl wegen verschwendungssucht anprangern.

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