„Raus aus der Komfortzone“

Die Einladung zum Jahresempfang der FDP kam noch im klassischen Blau-Gelb, doch im Wasserbahnhof dominierte schon Magenta, die seit dem Drei-Königs-Treffen geltende neue Farbe der Freien Demokraten. Und Christian Mangen und Peter Beitz bemühten sich redlich, wenn auch vergeblich eine Krawatte im passenden Purpur-Ton zu tragen. Auch ansonsten eifern sie dem Auftritt des Bundesvorsitzenden Christian Lindner nach, und sprachen weitestgehend frei und mit Hilfe eines Kopfbügelmikros. „Raus aus der Komfortzone, die so ein Rednerpult bietet, rein in die Mitte“, sagte Fraktionschef Beitz, der im vollen Haus seine Rede kurzweilig und humorvoll anlegte und dabei auch Selbstironie bewies.

Da kann es schon vorkommen, dass man im Eifer des Gefechts den Hochschul-Campus an die Düsseldorfer Straße verlegt, worauf sich die Miene von Heinz Lison, dem Vorsitzenden des Hochschulfördervereins, schlagartig verfinsterte. Etwas grimmig schauten bei der einen oder anderen Attacke auch die Sozialdemokraten von der Galerie. Klar, die SPD kann nicht mit Geld umgehen. Aber wer sich beim Reden viel bewegt, muss damit rechnen, dass der Bügel verrutscht und mehrfach nachjustiert werden muss. Als ärgerlich bezeichnete Beitz die Störfeuer im Zusammenhang mit der Bewerbung um die Sparkassenakademie. „Es gibt eine Angst vor Veränderungen in dieser Stadt. Das ist negativ nach oben geschwappt und hat uns sicherlich geschadet“, stellte er fest.

Der Parteivorsitzende Mangen legte den Schwerpunkt auf die Regulierung der Wirtschaft und kritisierte den Mindestlohn, aber auch Vorschriften bei Lebensmitteln und im Restaurant. „Man sieht immer erst einmal die Gefahren“, beklagte Mangen. „Wir haben da ein anderes Menschenbild. Er gehe davon aus, dass der Wettbewerb bei Lebensmitteln für gute Qualität zu fairen Preisen sorge. Auch zum Flüchtlingsthema nahm Mangen Stellung. „Wir werden mit Mut und Entschlossenheit alles unternehmen, um zu verhindern, dass die Pegida hier Zulauf bekommt“, versicherte er und fügte hinzu: „Wir brauchen Zuwanderung.“ Es gelte, diffuse Ängste auszuräumen.

Peter Beitz und James Bond

Für die FDP war es auch in Mülheim ein schwieriges Jahr, was Beitz nicht verhehlt, so schrumpfte die Ratsmannschaft von sechs auf drei Köpfe, wobei Beitz mit 48 Jahren der älteste sei. Im September steht die Oberbürgermeisterwahl an. Ob die FDP einen eigenen Kandidaten ins Rennen schickt oder zur Wahl eines anderen aufruft, wollen sie entscheiden, sobald die Kandidaten der anderen Parteien gewählt sind. Zweifel an der Zukunft der FDP hegt Beitz nicht. Der Andrang beim Neujahrsempfang überrascht ihn. Er hält es da mit James Bond, der in Skyfall von seinem Gegenspieler nach seinen Hobbys gefragt wurde: „Auferstehung“, sagte 007.