Ratsherrenriege
12.09.2009 | 06:00 Uhr 2009-09-12T06:00:00+0200Die Zahl der SPD-Ratsmandate hat sich durch die Kommunalwahl nicht verändert. Es sind und bleiben 20 Sitze. Dennoch ist ein Wechsel unübersehbar: Sechs neue Gesichter umfasst die Fraktion – alle sind sie männlich und mehrheitlich jung.
Der 5. Januar 1989 steht als Geburtsdatum im Pass von Alexander Böhm, den manche noch als Mitglied des Jugendstadtrates kennen, dem er von 2006 bis 2008 angehörte. Als 14-Jähriger trat er der SPD bei. Der Einzug in seine erste eigene Wohnung steht noch bevor, doch im Stadtparlament ist Böhm bereits angekommen. Hier will er sich vorrangig der Jugendpolitik widmen. „Ich glaube”, so Böhm, „es gibt keine generelle Politikverdrossenheit bei Jugendlichen, aber sie wollen an konkreten Projekten arbeiten.” Der Nachwuchspolitiker studiert Betriebswirtschaft an der Universität Düsseldorf. Was den 20-Jährigen ebenfalls beschäftigt: die EDV-Organisation von Fechtturnieren, „auch weltweit”. Rein privat ist dagegen sein Engagement als MSV-Duisburg-Fan.
Drei Jahrzehnte früher geboren wurde Siegfried Fink, der sich das Direktmandat im Wahlkreis Dümpten-Nordost holte. Als Ratsherr möchte er „Bindeglied” sein „zwischen Bürger und Politik”, stets ansprechbar, nah bei den Leuten. Beruflich erfüllt der 50-Jährige eine vergleichbare Funktion: Ursprünglich Kraftfahrer, ist er seit 2002 freigestellter Betriebsratsvorsitzender bei der MEG. Und privat: verheiratet, zweifacher Vater.
In Saarn aufgewachsen ist Sascha Jurczyk, doch in Styrum-Nord trat der 27-Jährige erfolgreich an. „Ich gehe dort einkaufen und essen, um den Bürgern zu zeigen: Ich bin da.” Mit vielen Styrumern habe er im Laufe des Wahlkampfes gesprochen und erfahren: „Wir haben hier Probleme, die es in anderen Stadtteilen nicht gibt.” Jurczyk, auch stellvertretender Juso-Vorsitzender in der Stadt, will streiten für „Gleichberechtigung – egal, welcher Herkunft Leute sind”. Sascha Jurczyk studiert Germanistik und Politik in Bochum mit dem Ziel, Politik – in einer noch zu findenden Form – später zu seinem Beruf zu machen. Einen Job in dieser Richtung hat er schon: Als studentische Hilfskraft bei der SPD-Landtagsfraktion betreut er Praktikanten und beantwortet Bürgeranfragen.
Wie kaum jemand sonst in Broich verwurzelt ist Heino Passmann (36). Hier wuchs er auf und machte am örtlichen Gymnasium Abitur, hier ist er in der Gemeinde Herz Jesu aktiv und in der Kolpingfamilie. Selbst während seines Sozialpädagogik-Studiums, das ihn anfangs nach Bielefeld führte, ist Passmann, wie er selbst sagt, „gependelt – montags hin, mittwochs zurück”. Inzwischen pendelt er berufsbedingt nach Oberhausen, wo er als Teamleiter in einer Wohnstätte für geistig Behinderte tätig ist. Erst 2007 trat der Vater von zwei kleinen Töchtern in die SPD ein, gleichwohl wurde er am Wahlabend von den Genossen lautstark gefeiert. Denn mit 33,5 % gegenüber 30,2 % der Stimmen schnappte er CDU-Mann Heiko Hendriks überraschend das Direktmandat weg. Noch mehr Furore machte Heino Passmann bislang nur als umtriebiger Karnevalist, vor allem in der Session 2006/2007, als er mit seiner Frau das Stadtprinzenpaar gab. „Das Reden vor einer größeren Menge”, sagt er, „ ist mir nicht ganz fremd.” Im Rat sollen Bildung und Erziehung seine Schwerpunkte sein.
„Kommunalpolitiker vor Ort sind anders, als sie meist negativ im TV dargestellt werden” – das möchte Alexander Stock den Bürger/innen möglichst glaubhaft vermitteln und sich als Ratsmitglied u.a. den Themen Ruhrbania, Flughafen, Fachhochschule, aber auch Städtepartnerschaft und Hospiz besonders widmen. 28 ist Stock und studierter Politikwissenschaftler mit Promotionsplänen. Für sich persönlich hat er ein „ABC-Prinzip” entwickelt, „das da lautet: Anpacken & Ansporn entwickeln, Beteiligung ermöglichen, Chancen schaffen”. Er will versuchen, etwa durch verständliche Sprache, den Leuten wieder Lust auf Politik zu machen. Alexander Stock trat 1997 der SPD bei und gehört seit vier Jahren dem Parteivorstand in Mülheim an. Beruflich arbeitet er als wissenschaftlicher Referent für einen NRW-Landtagsabgeordneten, Norbert Killewald, sowie für die Bundestagsabgeordnete und SPD-Schatzmeisterin Dr. Barbara Hendricks.
Seit nunmehr 14 Jahren wohnt Johannes Terkatz mit seiner Frau und den beiden Kindern in Winkhausen. Der Stadtteil kommt auch in seiner persönlichen Agenda mehrfach vor, hier will er Grüngebiete erhalten, die Nahversorgung sichern, den Schwerlastverkehr zurückfahren. Generell setzt sich der 44-Jährige u.a. auch für gut ausgestattete Schulen und Chancengleichheit ein: „Bildung und beruflicher Werdegang dürfen nicht von der sozialen Herkunft eines Menschen abhängen.” Terkatz, Diplom-Verwaltungswirt, arbeitet bei der Stadt Oberhausen, im Jugend- und Sozialbereich. Bereits 1985 trat er der Gewerkschaft bei, die heute Verdi heißt, seit 1998 ist er Mitglied der SPD und inzwischen Ortsvereinsvorsitzender in Winkhausen. Sein Hobby teilt er mit vielen Menschen: Er läuft Marathon.

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