Rasputin war gestern

Wie schön es doch ist, einen Haken auf seiner To-Do-Liste machen zu können. Deswegen nehme ich mir in der Neujahrsnacht nur solche Dinge vor, die sich leicht erfüllen lassen. Allerdings fällt so ein praktischer Vorsatz nicht einfach vom Himmel, er bedarf der Vorbereitung. Die kann manchmal durchaus lange dauern, vielleicht keine zwölf Monate, aber Monate schon. Das zeigt auch das Beispiel, dem ich meinen Listen-Haken verdanke: Ich bin nämlich zum Friseur gegangen. Jetzt mag mancher denken, dass sei nichts Außergewöhnliches. Gewiss, es soll Damen geben, die halten sich im Salon öfter auf als im Schuhladen. Meine Friseuse jedenfalls hatte mich schon lange nicht mehr gesehen. Für mich kein Problem, ich habe sie nicht vermisst. Im Gegenteil, sie redet nämlich ziemlich viel, zum Beispiel darüber, warum ihr Friseuse zu sehr nach Masseuse klingt und sie deswegen künftig Frisörin genannt werden möchte. Dabei sucht sie auch immer Augenkontakt mit mir - über den Spiegel, versteht sich. So wie man das in dieser Branche halt so macht.

Weil ich Angst vor ihren schneidenden Argumenten habe, stimme ich dann sofort zu. Aber angenehm ist es nicht. Also, ich wäre nicht zu ihr gegangen, wenn nicht immer diese blöden Anspielungen auf meine langen Haare gekommen wären. „Du siehst ja aus wie Rasputin.“ Nun, wer will schon dauerhaft mit diesem intriganten Giftmischer verglichen werden? Jetzt sind die Haare also geschnitten und ich muss, wenn ich in den Spiegel schaue, immer an Mireille Mathieu denken. Aber was soll`s, ich habe den Haken auf meiner Liste. Non, je ne regrette rien.