Radfahrer strampeln im Mittelfeld

Käme man als Schüler mit einem solchen Zeugnis nach Hause, wären die Eltern nicht gerade froh. Die Versetzung ist gefährdet, würde der Lehrer mahnend darunter schreiben. Gleich mehrfach bewegen sich die Urteile der 150 Befragten beim Fahrradklimatest nahe dem Fünferbereich: Ampelschaltungen, Winterdienst und Baustellenmanagement gerade 4,9 und Falschparkerkontrolle und die Breite der Radwege wird auch gerade mit 4,6 beurteilt. Bei den Ampelschaltungen muss man nur an die Mühlenbergkreuzung denken, die Radler nicht in einem Rutsch überqueren können oder an die neue Kreuzung an der Konrad-Adenauer-Brücke, wo man in Richtung Stadtmitte nur in drei Etappen über die Fahrbahn kommt. Die schlechte Bewertung hat schon ihre Gründe. Und bei den Problemen an Baustellen muss man nur an die Anfrage der Grünen erinnern, die Ende des Jahres im Ausschuss auf drei aktuelle Punkte hingewiesen hatten, wo es Radfahrern unnötigerweise schwer gemacht wurde.

Da ist es dann nicht verwunderlich, dass die Antwort auf die Frage nach der Alltagstauglichkeit des Fahrrades (Fahren alle Rad - egal, ob alt oder jung) eher im Vergleich mit anderen Städten gleicher Größe unterdurchschnittlich ausfällt. Gerade mal 3,6. Deutlich besser wird allerdings der Spaßfaktor (statt Stress) mit 3,1 bewertet. Schließlich gibt es hier die Bahntrassen und weitere Feizeitwege, die ein ungestörtes Strampeln ermöglichen.

Gegenüber der letzten Befragung aus 2012 hat sich das Gesamtbild nicht verändert. Damals beteiligten sich 152 Mülheimer an der Befragung. Die Gesamtnote lag ebenfalls bei 3,9 und in der Gruppe der Städte zwischen 100 000 und 200 000 Einwohner lag Mülheim auf 20 von 42 Plätzen. Das Notenspektrum reicht hier bundesweit von Erlangen (3,28) bis Hagen (4,72). Spitzenreiter in NRW sind in dieser Gruppe Hamm (3,56), Paderborn (3,66) und Herne (3,69). Und die Nachbarstädte? Duisburg und Essen schneiden mit 4,0 kaum schlechter ab und Oberhausen landet mit einer 3,6 in seiner Gruppe immerhin auf Platz 7.

Positiv beurteilen die Befragten in Mülheim das Leihradangebot, die Häufigkeit von Diebstählen, die Erreichbarkeit des Stadtzentrums und die Berichterstattung in den Medien. Erstaunlicherweise wird auch der Fahrradtransport in Bus & Bahn recht positiv bewertet. Das Sicherheitsgefühl liegt bei 4,1 und damit auf Landesniveau.

Doro Kleine-Möllhoff, Mülheimer Sprecherin beim ADFC, überrascht das schlechte Abschneiden beim Klimatest nicht. Aus ihrer Sicht spiegelt die Befragung auch die reale Situation in der Stadt wider. „Es gibt noch ein großes Potenzial nach oben“, sagt sie. Ampelschaltungen sind aus ihrer Sicht ein Dauerthema. Sie seien so geschaltet, dass vor allem Autofahrer flott vorankommen. Das Sicherheitsempfinden ist für sie das größte Problem in der Stadt. „Ich beobachte, dass viele Erwachsene auf dem Fußweg fahren, weil sie sich unsicher fühlen.“ Sie wünscht sich, dass Radfahrer konsequent auf die Schutzstreifen auf die Straße gebracht werden. Die Hardenbergbrücke ist für sie ein positives Beispiel.