Programm mit Glückszahl

Trotz kleinem Etat den Bürgern ein attraktives Ausstellungsprogramm bieten zu können – das ist in Zeiten der klammen Haushalte die Herausforderung. Neben der Besinnung auf die Stärken der eigenen Sammlungen heißt es da vor allem: näher zusammenrücken. Die Teilhabe an Ausstellungstourneen, der Austausch und die Zusammenarbeit mit Museen und Einrichtungen lokal, regional und bundesweit sind angesagt. Als Netzwerkerin versteht sich Museumsleiterin Dr. Beate Reese. Wenn eine Ausstellung wandert, sagt sie, „können auch die Kosten entsprechend verteilt werden“. Darüber hinaus, „ist diese Vernetzung für uns überlebenswichtig, weil darüber auch andere Projekte möglich sind“.

Neun Museen mit „China8“

Neun Ruhr-Kunst-Museen haben sich vor Jahren zusammengeschlossen und bereits einige erfolgreiche Projekte gemeinsam auf den Weg gebracht. Ein Ergebnis aus dieser Vernetzung ist auch die große China-Ausstellung, die in diesem Jahr ansteht, „wir freuen uns wahnsinnig, dabei zu sein“, sagt Reese. Die Ausstellung vom 15. Mai bis 13. September steht ganz im Zeichen der chinesischen Glückszahl Acht: Acht Städte an Rhein und Ruhr, neun Museen und rund 80 Künstler. Es soll die bislang umfangreichste Bestandsaufnahme zeitgenössischer chinesischer Kunst in Deutschland werden.

Aktuell „flattert“ noch die „Schwarmkunst“ von Olaf Neumann bis zum 22. Februar durch die Alte Post. Zeitgleich mit dem letzten Ausstellungstag zieht am 22. Februar die zeitgenössische Kunst aus Israel ins zweite Obergeschoss ein: Mit Yoav Efrati, Talia Keinan, Yitzhak Golombek und Gil Shachar sind wichtige Vertreter der israelischen Kunstszene dabei. Alle Künstler sind außerdem irgendwie mit Mülheims Partnerstadt Kfar Saba verbunden.

Mit Pablo Picasso und dem Mappenwerk „Suite Vollard“ sind vom 15. März bis 28. Juni Meisterwerke aus der eigenen Sammlung im Erdgeschoss zu sehen. 100 Grafiken, die nach dem Verleger und Kunsthändler und Auftraggeber Ambroise Vollard benannt wurden, schuf Pablo Picasso in den Jahren von 1930 bis 1937. Im Zentrum dieser berühmten grafischen Serie stehen fünf Schlüsselthemen wie der Liebeskampf, Künstler und Modell sowie der Minotaurus-Mythos.

Ergänzend zur „Suite Vollard“ werden im Grafikraum zwei weitere Folgen von Picasso präsentiert: „Das unbekannt Meisterwerk“ von 1927 zählt zu den schönsten Künstlerbüchern. Es sind Illustrationen zur gleichnamigen Novelle von Honoré de Balzac, welche die kreativen Schaffensprozesse des Malers widerspiegeln. Picasso ist ein Name, der immer zieht: Bereits die Ausstellung Picassos Welt der Tiere aus dem Mappenwerk „Buffon“ in 2011 sorgte überregional für Aufmerksamkeit. Von „China8“ ab 15. Mai im zweiten Obergeschoss ist ebenfalls zu erwarten, dass sie das Haus mit Besuchern auch von außerhalb füllt. Beim groß angelegten Projekt zeigt Mülheim zeitgenössische chinesische Installationen und junge Kunst.

Einen exponierten Platz im Programm mit politischem Hintergrund nahm die „Jagd auf die Moderne“ 2012 ein. Anknüpfend an die erfolgreiche Ausstellung geht es im Jahr der 70. Wiederkehr des Kriegsendes nun um die Situation für die deutsche Kunst von 1945 bis 1949. „Die befreite Moderne“ vom 27. September bis 10. Januar 2016 im ganzen Haus konzentriert sich auf Werke, die in der kurzen Zeitspanne der Besatzung zwischen Kriegsende und Gründung der Bundesrepublik 1949 entstanden sind. Nach zwölf Jahren nationalsozialistischer Verfolgung musste für die Vertreter der Moderne eine neue Öffentlichkeit geschaffen werden, denn viele Namen und Kunstrichtungen waren nicht (mehr) bekannt. Darunter Willi Baumeister, Werner Gilles, Bruno Goller, Hannah Höch, Edmund Kesting, Karl Kunz, Otto Pankok, Hans Thiemann und Heinz Trökes. Trotz materieller Not war die künstlerische Produktivität, Vielfalt und Experimentierfreude in dieser Zeit enorm.