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Stadtentwicklung

Positive Signale im Stadtkern

12.03.2016 | 12:00 Uhr
Positive Signale im Stadtkern
Erik Vollbracht und Jens Cüppers vom Team Innenstadt im Innenhof des Ruhrquartiers an der Ruhrpromenade.Foto: Kerstin Bögeholz

Mülheim.  Die Arbeit des Team Innenstadt ist gut angelaufen. Seit Dezember kamen zu den Sprechstundenüber 100 Interessierte. Auch das Interesse an den Förderprogrammen ist erfreulich groß.

Das erste Signal für den Aufbruch in der Innenstadt befindet sich direkt vor dem Büro von Jens Cüppers und Erik Vorwerk. Die Mitarbeiter des Dortmunder Planungsbüros Steg bieten als Team Innenstadt seit Anfang Dezember in der Wertstadt eine Sprechstunde an und informieren auch über zwei Förderprogramme, mit denen private Investoren gefördert werden können. An der Wallstraße läuft schon seit Wochen der Umbau des Eckhauses durch die Varia-Bau, die die in die Jahre gekommene Immobilie für 3 Millionen Euro bis Februar 2017 in ein Ärztehaus und dann auch noch das benachbarte Gebäude umbauen wird und dabei auch Mittel aus dem Hof- und Fassanden-Programm in Anspruch nehmen will, mit dem die Stadt Impulse für Veränderungen setzt.

Am Platz, an dem Kohlenkamp und Löhberg zusammen laufen, werden aber auch Probleme sichtbar. „Wir haben hier einen höheren Leerstand als in anderen Städten“, sagt der gebürtige Mülheimer Cüppers. Gemeinsam mit M& B werde man alle Immobilieneigentümer anschreiben, was aber auch nicht so einfach sei, denn vielfach handele es sich nicht um Einzelpersonen, die zudem in allen Teilen der Republik säßen. Eckdaten sollen in eine Onlinebörse aufgenommen und den Eigentümern Beratung und Förderprogramme offeriert werden. In der Wallstraße standen zuletzt fünf Ladenlokale in einer Reihe leer. Ein wohl trauriger Rekord.

Fünf Aktionen bewilligt

Mit dem Start des Innenstadtmanagement sind die beiden Planer zufrieden. Über 100 Bürger seien seit Dezember in die Sprechstunde gekommen, viele Kontakte hätten sich zudem über die Werbegemeinschaft und andere Gruppen ergeben, so dass der Terminplan gut gefüllt sei. In der Sprechstunde hätten tatsächlich die beiden Förderprogramme zu gut jeweils einem Drittel im Mittelpunkt gestanden. „Viele sind auch ungeduldig und wollen wissen, wann es am Kaufhof losgeht“, sagt Cüppers. Zwölf konkrete Ideen habe es bislang für das Mitwirkungsbudget gegeben, mit dem Aktionen mit einem Höchstbetrag von 4000 Euro gefördert werden können. Der Innenstadtbeirat hat inzwischen sechs Projekte bewilligt, einer wurde wegen des fehlenden Bezugs abgelehnt.

Zwei Aktionen werden den Platz am Kohlenkamp beleben. Hier passiert also einiges. Nächste Station die Dröppelminna. Der Platz war 1985 nach dem Entwurf von Ernst Rasche gestaltet worden. Den Brunnen hat, wie auf der Bronzetafel zu lesen ist die Kraftwerksunion finanziert – wie sich damals die Sparte von Siemens noch nannte. „Eigentlich eine ganz schöne Ecke, wie an so vielen Stellen in der Stadt“, findet Cüppers, „aber auch erkennbar in die Jahr gekommen.“ Die Arbeiten werden hier zum Herbst beginnen, so dass die Außengastronomie nicht beeinträchtigt wird. „Was in der Innenstadt fehlt, sind Spielmöglichkeiten für Kinder“, findet Vorweg. Die Müga ist zwar nicht weit, aber ein Platz in der Innenstadt, wo Eltern unbesorgt ihre Kinder lassen können, fehlt. Dann wäre die City noch attraktiver für Familien.

Zu wuchtige Vordächer

Hier wie auch an anderen Stellen fallen die große Werbetafeln der Geschäfte und die Vordächer negativ ins Auge. An vielen Stellen dienten diese wuchtigen Vordächer noch nicht einmal als Wetterschutz, schlimmer noch, oft werde die ursprünglich attraktive Fassade dadurch verdeckt. Markante Beispiele befänden sich bei dem Tatoo-Laden am Löhberg oder am ehemaligen Maredo-Standort an der Leineweberstraße. Manchmal lohnt es sich, den Blick nach oben zu richten. Dass Werbetafeln auch schlank und elegant möglich sind, zeige der neue Optiker am Kurt-Schumacher-Platz.

Der Quartiersarchitekt, mit dem das Team Innenstadt kooperiert, biete zum Nulltarif einen ersten Entwurf für eine alternative Lösung an. An der Leineweberstraße und beim ehemaligen Woolworth-Haus werde diese Leistung bereits in Anspruch genommen. Über das 1928 gebaute Woolworth-Haus kann Cüppers schwärmen. Auf Fotos sehe man, dass sich unter der vorgehängten unansehnlichen Fassade eine Backsteinmauer befindet. Hier sei geplant, eine oder zwei Metallsegmente zu entfernen um Klarheit für die künftige Gestaltung zu gewinnen. Der Quartiersarchitekt erstellt zudem gerade ein Gestaltungskonzept für Fassadenseite am Rathausmarkt. Baulückenschließung und das Aufstocken von Gebäuden wäre ein weitere Thema.

22 Interessenten

An der zentralen Haltestelle sieht man bedauerlicherweise, dass eine hohe Frequenz nicht automatisch zu einem guten Warenangebot führt. Der Eigentümer eines Hauses mit einer besonders renovierungsbedürftigen Fassade zählt erfreulicherweise zu den 22 Interessenten des Fassadenprogramms . „Für die Teilnehmer ist das ausgesprochen attraktiv“, betont Vorwerk. Bis zu 50.000 Euro werden auf einem Grundstück gezahlt. Der Zuschuss beträgt allerdings 50 Prozent der förderfähigen Kosten. Detaillierte Angaben zu den Förderbedingungen enthalten Flyer, die in der Wertstadt ausliegen. Auch ein Internetauftritt ist in Vorbereitung, der allerdings erst voraussichtlich zur Mitte des Jahres ans Netz geht. Eventuell findet sich auch unter dem Klinker an der Haltestelle eine ähnlich attraktive wie sie das gelbe Nachbarhaus hat. „Möglicherweise ließe sich ja mit dem Zuschuss etwas mehr als geplant machen und historisierende Ornamente nachbilden“, meint Cüppers.

An der Haltestelle fällt aber noch etwas auf, was auf Nachlässigkeit und mangelndes Interesse deutet: Schuhe verspricht ein Schild an der Fassade, Goldankauf eine große Werbetafel und der Füllfederhalter von Prüßmann prangt auch noch am ersten Obergeschoss des alten Standortes – allesamt sind sie veraltet. Froh ist er, dass der Impuls des Teams auch auf fruchtbaren Boden gefallen ist. Karlheinz Noy und Otmar Schuster haben den Ball aufgenommen und wirken in ihrer Nachbarschaft als Multiplikatoren.

Letzte Station des Rundgangs ist ein verbauter Hinterhof wie er für die Blockbebauung typisch ist. Eng und verschattet ist der Hof. Hier ließe sich eine Dachbegrünung anlegen, denkt Cüppers. „So ein grüner Dachgarten wäre auch für Mieter interessant.“

Steffen Tost

Kommentare
14.03.2016
21:35
Positive Signale im Stadtkern
von dirkrunkel | #3

Wofür bezahlt man eine Frau von der Linden als City Managerin und zusätzlich noch diese beiden Zeitgenossen?

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2016-03-12 12:00
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