Polizei setzte gezielt Facebook ein

Acht Jahre lang war die Trierer Studentin Tanja Gräff verschwunden, nun hat man in der Moselstadt vermutlich ihre Leiche gefunden. Der Fall gilt als erster, bei dem im großen Stil Soziale Medien eingesetzt wurden. Damals war es das Netzwerk StudiVZ, über das Details zur Vermissten weitergegeben wurden. Heute ist es vor allem Facebook. „Man erreicht darüber einfach sehr viele Menschen“, erklärt Polizeisprecher Sprecher Marco Ueberbach. Ein Allheilmittel aber sei das Netzwerk nicht. Und zum Glück tauchten Vermisste meistens ganz bald wieder auf.

Das belegt die Statistik: 2015 lagen den Beamten bereits 86 Vermisstenmeldungen für Mülheim vor, „und alle Menschen sind wieder da“, so Ueberbach. Ähnlich lief es 2013 – damals galten 145 Personen als verschwunden – und 2014, als 135 Vermisstenakten angelegt werden mussten. Nur ganz wenige Fälle bleiben den Ermittlern lange erhalten. Im Jahr 2000 hatte eine Mülheimerin auf Fuerteventura ihren Mann als vermisst gemeldet. Der 22-Jährige sei vom Baden nicht zurückgekommen, möglicherweise ertrunken. „Ein Leichnam aber wurde bis heute nicht gefunden“, weiß Ueberbach.

Facebook gab es noch nicht, heute nutzen die Beamten es rege. Anders als bei privaten Such-Aufrufen, die bewusst falsch sein könnten, sind die Polizei-Angaben eine verlässliche Quelle. Gepostet werde immer ein Verweis auf das eigene Presseportal. „Weil der Server von Facebook in den USA steht und wir keinen Zugriff darauf haben.“ Suchmeldungen könnten nicht zuverlässig gelöscht werden, wenn jemand wieder da ist. „Das verstößt gegen unser Datenschutz-Recht.“

Nicht jede Vermisstenanzeige löst Suchaktionen aus: „Erwachsene dürfen sich frei bewegen.“ Sei aber ein Kind betroffen oder kann „ein Suizid nicht ausgeschlossen werden, ist eine Person orientierungslos, oder könnte sie Opfer einer Straftat geworden sein“, werde man sofort tätig – mit Hubschraubern, Hunden und Hundertschaft.