Polizei klärt über 100 Graffiti-Taten in Mülheim-Dümpten
14.02.2012 | 18:46 Uhr 2012-02-14T18:46:00+0100
Mülheim.Dümpten dürfte aufatmen: Der Polizei gelang die Klärung von weit über 100 Graffiti-Straftaten, die meisten davon wurden im vergangenen Jahr in Dümpten begangen. Rund 180 Schmierereien sind es insgesamt, die die Polizei sieben Jugendlichen vorwirft.
Der Fahndungserfolg ist vor allem dem Entschluss der Behörde Essen/Mülheim zu verdanken, in beiden Städten einen Beamten schwerpunktmäßig mit der Aufklärung von Schmierereien zu beauftragen. In Mülheim ist das Kriminalhauptkommissar Manfred Briem im KK 35 , der seit 2008 die Sprayer-Szene im Auge hat. 40 bis 50 Graffiti-Taten pro Monat, erklärt der Polizist, seien in Mülheim normal. Doch im August 2011 war die Zahl der Taten um 30, 40 Prozent angestiegen, beobachtete Briem, bis sich die Fälle im September verdoppelt hatten.
Zahlreiche Gebäude, vor allem im Bereich Denkhauser Höfe, Oberheidstraße und Schildberg, wurden teils großflächig bemalt. „Das war“, so Briem, „wirklich übel.“ Auch die Linie 102, die nach Dümpten fährt, wurde ausgiebig besprüht . Manfred Briem ermittelte in der Szene – hinlänglich oder einschlägig bekannt heißt das im Polizeijargon – und wurde fündig. Fünf jungen Männern – vier stammen aus Mülheim, einer lebt knapp hinter der Stadtgrenze zu Oberhausen – wirft Briem 156, teilweise gemeinsam begangene, Taten vor.
Tatverdächtige sind zwischen 14 und 19 Jahre alt
Die mutmaßlichen Täter sind 14, 15, 16, 18 und 19 Jahre alt und bestätigen das Bild, dass der Kriminale von diesen Tätern hat. „Diese Kriminalität ist jung, männlich – und deutsch“, weiß er aus Erfahrung. Mädchen und Jugendliche mit Migrationshintergrund seien nur selten Graffiti-Täter . Auch zwei weitere jugendliche Mülheimer, 14 und 16 Jahre alt, die in Dümpten – unabhängig von der Fünfergruppe – in einem Bereich rund um den Heifeskamp gesprüht haben sollen, und denen Briem insgesamt 33 Fälle von Sachbeschädigung vorwirft, passen in dieses Raster.
Bei zweien der sieben jungen Leute kamen weitere Straftaten – Gewaltdelikte und Verstöße gegen das Betäubungsmittelgesetz – hinzu, so dass Gerichte hier bereits Haftstrafen verhängt haben. Weitere Gerichtsverhandlungen, so die Polizei, stehen demnächst noch an. Das blieb nicht ohne Folgen. Die Polizei bemerkt eine deutlich spürbare Abnahme der Schmierereien in Dümpten.
Opfer leiden unter Angriff auf ihr Eigentum
„Ich merke, dass die Szene unruhig ist“, sagt Briem, dem es als Jugendsachbearbeiter mit dem Schwerpunkt Vandalismus nicht in erste Linie darum geht, die Jungs hinter Gitter zu bringen. „Mein Job ist es, ihnen klar zu machen, dass sie den Blödsinn sein lassen, weil es sinnlos ist. Dass sie erkennen, dass es dafür keine soziale Anerkennung in der Gesellschaft außerhalb der Szene gibt“, betont er.
Offensichtlich kann man nicht früh genug damit anfangen: Der jüngste Einzeltäter, gegen den Manfred Briem ermittelte, war erst zehn Jahre alt. „Bis zu 20, 21 Jahre geht das, dann hören die meisten, bis auf wenige Ausnahmen, damit auf“, weiß Briem. „Viele steigen aus, wenn sie ein nettes Mädchen kennen gelernt haben.“
Doch bis dahin wurde möglicherweise viel Schaden angerichtet, nicht nur materiell. Die Opfer leiden teils sehr unter dem respektlosen Angriff auf ihr Eigentum. Manfred Briem muss dann tröstende Worte finden. Er erinnert sich an eine ältere Dame in Dümpten, der man die Wand vollgeschmiert hatte: „Die Frau war am Boden zerstört.“

18:24
Das Aufbringen von Schmierereien und Grafitti auf Hauswänden oder Einrichtungen der öffentlichen Hand bleibt eine Straftat. Das der Jugendhilfeausschuss vor einiger Zeit Flächen zur Verfügung stellen wollte hat wohl auch keinen Erfolg gebracht. Man darf also nicht davon auszugehen das bei dem Aufbringen von anspruchsvollen Graffiti auf erlaubten Flächen auch die Schmierereien in anderen Bereichen aufhören.
Erst wenn die Sprayer anspruchsvoller Graffiti, die auf zur Verfügung gestellten Flächen tätig sind, mit helfen das die Schmierereien eingestellt werden und die Ermittler unterstützen kann man auf eine Verbesserung des Problems hoffen.
19:45
und 4 Artikel dazu. Wie wäre es mit einer Bilderserie?