Politik muss sich entscheiden
01.02.2009 | 15:57 Uhr 2009-02-01T15:57:00+0100Eine Entscheidung darüber, ob, wann, wo und wie eine Beratungsstelle für Frauen in Not eingerichtet wird, ist noch nicht gefallen.
„Es liegt allein an der politischen Willensbildung”, ist aus der Stadtkanzlei zu hören. Zum dritten Mal haben inzwischen die Fraktionen das Thema Frauenberatungsstelle behandelt und sind immer noch nicht weiter. Dabei ist der Bedarf in Fachkreisen unstrittig, von einem Randproblem kann längst keine Rede mehr sein: Zwischen 250 und 300 Frauen wenden sich im Jahr hilfesuchend an die Polizei, weil sie daheim massive Gewalt erfahren, bedroht und erniedrigt werden.
Dass in Mülheim eine Frauenberatungsstelle Sinn macht, unterstreicht auch der landesweite Dachverband. „Ich hoffe, dass wir in diesem Jahr zu der Realisierung kommen”, sagt Antje Buck, Gleichstellungsbeauftragte der Stadtverwaltung im Gespräch mit der WAZ. Zumal auch ein Anstieg des Bedarfs zu erwarten ist, da sich das Anzeigeverhalten der Frauen geändert habe. Eine Frauenberatungstelle soll den Betroffenen nicht zuletzt Mut machen, sich bei jeglicher Form von Gewalt früher zu melden. „Bisher dauert es im Schnitt sieben Jahre, bis eine Frau sich um Hilfe bemüht”, berichtet Antje Buck. Ein untragbarer Zustand.
Derzeit wenden sich Frauen häufig hilfesuchend an die Polizeidirektion in Essen, wo die Beamten die Frauen auf die dortige Beratungsstelle verweist. Wie die Frauenberatungsstellen in Oberhausen und Duisburg sieht sich jedoch auch die Essener Einrichtung personell nicht in der Lage, weitere Hilfegesuche aus anderen Städten zu übernehmen. Dazu reichen die Kapazitäten nicht aus. Auf diese Lage hatte der sozialpolitische Sprecher der SPD-Fraktion, Johannes Gliem, schon vor Monaten hingewiesen.
Vom Frauenhaus kann die Beratung ebenfalls nicht geleistet werden. Schon von der Grundausrichtung her gehe das nicht, so die Gleichstellungsbeauftragte: „Das Frauenhaus ist ein Versteck, muss geheim bleiben. Eine Beratungsstelle muss dagegen offensiv bekannt gemacht werden, schnell erreichbar sein.”
Die Hilfe der Beratungsstellen, so Antje Buck, ist vielfältig. Sie reicht von sofortigen Schutzmaßnahmen über Unterstützung beim Prozess bis hin zu den Fragen, wo und wie die Frauen künftig leben können. Psychische Betreuung ist meist erforderlich: Massive Ängste oder Essstörungen seien nicht selten Folge von jahrelanger Gewalt durch den Partner.

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