Politik als Schauspiel

Das hat man selten, dass bei den Grünen Gregor der Große und Thomas von Aquin zitiert werden. Der politische Aschermittwoch macht es möglich. „Die Vernunft kann sich mit größerer Wucht dem Bösen entgegenstellen, wenn ihr der Zorn dienstbar zur Hand geht. Der Zorn ist einer der großen Gestaltungskräfte der Menschheit“, nimmt Parteisprecher Peter Loef den Papst aus dem frühen und den Kirchenlehrer aus dem späten Mittelalter beim Wort. Was hat das mit Mülheim zu tun? „Das Böse müssen wir uns als Großes vorstellen. Dann kann es die Stadtspitze nicht sein“, sagt Loef. Er appelliert an die Bürger, sich den Zorn auf das, was politisch und wirtschaftlich nicht läuft, wie es laufen sollte, nicht abzugewöhnen, um die Kraft für Veränderungen zu behalten. „Schauen wir uns die Ergebnisse der Pleiten, Pech und Pannen an, die Feuerwache, den Flughafen, Ruhrbania. Wer regiert hier eigentlich? Frau Mühlenfeld regiert nicht. Die Habgier regiert und Frau Mühlenfeld darf mit am Tisch sitzen“, kritisiert der Parteichef die Aufgabe des politischen Primats zugunsten rein wirtschaftlicher Interessen, nicht nur, aber auch in Mülheim.

Beim politischen Aschermittwoch mit Bier, Brezeln und zünftigen Reden, geht es nicht um das Aufzeigen von Lösungen, sondern um die scharfe Auseinandersetzung mit dem politischen Gegner und das Aussprechen politischer Befindlichkeiten. Etwa 50 Gäste schauen sich das politische Theater an. Ihre Begeisterung hält sich in Grenzen. „Das ist für uns ein Versuchsballon“, betont Fraktionsgeschäftsführer Jürgen Pastowski. Auch dem Fraktionschef Tim Giesbert, der sich redlich um kommunapolitische Spitzen bemüht, merkt man an, dass ihm der rhetorische Holzhammer nur schwer von der Hand geht.

Hart ins Gericht geht er etwa mit CDU-Fraktionschef Wolfgang Michels, den er, wie Astrid Lindgrens Michel, am liebsten in einen Schuppen sperren würde, um ihn politisch unschädlich zu machen und zur Vernunft zu bringen. Nicht vernünftig findet Giesbert, dass sich „CDU, FDP und der Universal-Geschäftsführer Dönnebrink“ als „Straßenbahnmeuchler“ betätigen, obwohl bereits 15 neue Straßenbahnen bestellt seien.