Pfingst-Spektakulum lockt mit Feuerzauber und Schwertkämpfen

Beim Pfingst-Spektakulum in der Müga und auf Schloß Broich sollten in diesem Jahr mehr Ritterturniere Familien mit Kindern anlocken.
Beim Pfingst-Spektakulum in der Müga und auf Schloß Broich sollten in diesem Jahr mehr Ritterturniere Familien mit Kindern anlocken.
Foto: FUNKE Foto Services
Was wir bereits wissen
Das Pfingst-Spektakulum auf Schloß Broich entführte Besucher ins Mittelalter. Schwertkämpfe und mehr Ritterturniere, um Familien anzulocken.

Mülheim.. Wo ist die Erde noch eine Scheibe? Wo gelten Kameras als Seelenfänger? Wo wird reichlich „Appellatio Maximalis“ – brandender Applaus – gespendet? Vier Tage lang tauchte das Schloß Broich ein ins tiefste Mittelalter – und nicht nur die Mülheimer hatten Spaß dabei.

Besser besucht als noch im vergangenen Jahr war das 13. Pfingstspektakulum am verlängerten Wochenende in jedem Fall. Das lag allein schon am Wetter, denn 2014 zog Sturm Ela eine Schneise der Verwüstung durch die Stadt. Das Fest brach damals frühzeitig ab – zu recht, wie Veranstalter Knut Schulz erzählt. Diesmal wollte man außerdem mit einem leicht veränderten Programm und mehr Ritterturnier-Shows als bisher verstärkt Familien in die Müga locken.

Ritterliches Mordwerkzeug und Wahrsagungen

Die Rechnung könnte aufgegangen sein, denn zum Kern des Spektakels – die Ritterkämpfe in voller Montur mit Schwert, Axt und Lanze – hat sich am Sonntag zahlreiches Volk an den Broicher Hof begeben. Dabei zählt gar nicht mal, dass die Story um Ritter Christian von Broich holpriger ist als ein frisch zerwühltes Schlachtfeld. Oder dass die inszenierten Lanzenkämpfe musikalisch von „Fluch der Karibik“ begleitet werden. Die Mülheimer Hofstaat genießt den launig erzählten Mix aus Reiten, Feuerzauber und Schwerterrasseln ohne nennenswerten historischen Anspruch.

Drumherum allerdings werden auch diejenigen fündig, deren Herz für ein geschichtstreues Mittelalter schlägt: Da werden handgeflochtene Kettenhemden zur Schau getragen, das Tauknüpfen demonstriert, Glas geblasen, Kräuter und Wahrsagungen feilgeboten, und es gibt alles erdenkliche ritterliche Mordwerkzeug aus Holz und Metall. Met wird ebenso reichlich selbst gebraut und ausgeschenkt – „aber unter besseren hygienischen Bedingungen“, merkt Knut Schulz an.

Weitaus weniger spektakulär, aber dafür historisch korrekt, läuft der Schwertkampf unter den Müga-Heckenbögen zwischen Jaromir Milobrat und Rashid Knab Dane Ben Abdel Dachschad ab. Und ja: Der zweite Künstlername spielt tatsächlich auf Knapp daneben und Dachschaden an. Die Mittelalter-Fans seien eben ein so eigenwilliges wie selbstironisches Völkchen, kommentiert Rashid.

Schwertkampfstil kostet den Kopf

Was sich zwischen beiden Kontrahenten stets mit zwei drei Schlagfolgen erledigt hat, soll traditionellen Schwertschulen folgen, die offenbar bis ins Mittelalter zurückgehen. Hier treten die Schulen von Johann Liechtenauer und Hans Thalhoffer gegeneinander an. Wobei Meister Milobrat nach eigener Auskunft einen „praktischen, aber nicht schönen Stil“ verfolgt, der Rashid regelmäßig den Kopf kostet. Knab Dane Ben nimmt’s sportlich.

„Übers Fechten trägt man keine Konflikte aus, man kann aber anhand der Technik viel über den anderen lernen, ob er etwa ein Großmaul oder ein Draufgänger ist“, sagt Milobrat. Beide sind dem Mittelalter seit einigen Jahren verfallen. „Wenn man einmal anfängt, wird es immer mehr zur Lebenseinstellung. Man kleidet sich im Alltag entsprechend, mäht bei Hitze mit Turban den Rasen und so weiter“, meint Rashid, dessen zweite Leidenschaft neben dem Fechten das Dichten und das so genannte Hümmelchen ist.

Das sei eine Art mittelalterlicher Dudelsack. Wenn man das Hümmelchen beherrscht, kann man neben dem Spiel sogar noch singen. Übrigens: Die Schwertkampfkunst soll auch bei der Damenwelt stechen, wie die beiden zu berichten wissen. Über Details schweigt man sich jedoch ritterlich aus.