Perry Rhodans Ausstellung punktet in der Mülheimer Fünte

Rüdiger Schäfer (re) und Robert Corvus (2.v.li) haben in der Fünte aus ihren Perry Rhodan Neo Büchern gelesen.
Rüdiger Schäfer (re) und Robert Corvus (2.v.li) haben in der Fünte aus ihren Perry Rhodan Neo Büchern gelesen.
Foto: WAZ FotoPool
Bei der Eröffnung der Science-Fiction-Ausstellung von Perry Rhodan in der Mülheimer Fünte begegnen sich Leser-Generationen. Höhepunkte aus 50 Jahren sind zu bewundern. Nur bei einer Gruppe kann der Held nicht landen: Den Frauen. Gerade einmal acht Frauen mischten sich unter die rund 40 Männer.

Mülheim.. Sie interessieren sich für Perry Rhodan? „Nein, ich bin mit meinem Mann hier“ – Science Fiction Held Rhodan, unser deutscher Mann im All, kann bei Frauen einfach nicht landen. Weder in seiner Heftserie noch in der Realität. Das gilt auch zur Eröffnung der Ausstellung in der Fünte am Samstagabend. Gerade mal acht Frauen haben sich unter rund 40 männliche Gäste gemischt.

Die mit Hilfe von zwei Perry-Rhodan Klubs gestaltete Ausstellung zur seit mehr als 50 Jahren bestehenden deutschen Serie ist bescheiden: Einige Farbbilder sowie Risszeichnungen von Raumschiffen aus den inzwischen gut 2700 Heften, die unter Fans legendären Status genießen. Dazu ein paar Papp-Modelle von Raumschiffen, Brett- und Computer-Spiele – das aber reicht, um in der Fünte etwas Atmosphäre für die Kult-Serie zu schaffen. Zu Gast sind mit Rüdiger Schäfer und Robert Corvus immerhin zwei Autoren des so genannten Relaunch der Reihe „Rhodan Neo“ gekommen. Aber dazu später.

"Altbackene" Science-Fiction

In den Augen der Rhodanianer kommt es ohnehin nicht auf das ganze Drumherum an, sondern auf die Inhalte. „Ich mag einfach alles drum und dran“, verrät der 14-jährige Paul Dieckmann. Seinen ersten Silberband hat er vor kurzem zum Geburtstag geschenkt bekommen, seitdem taucht er fasziniert ein in die Geschichte um den Mann, der die Menschheit vereinen und in den Weltraum führen will. Dass die damals in den 1960er Jahren von Walter Ernsting und Karl-Herbert Scheer erfundene Science-Fiction etwas ‘altbacken’ rüberkommt, weil sie weder Mobiltelefone noch Holodeck kennt, stört ihn nicht.

Rhodan hat die Gäste in der Fünte schon ein halbes Leben lang begleitet: Frank Roesing stieg in den 80er Jahren ein – mit Heft 700. „Ich war beim Bund und wollte einfach kurzweilige Zerstreuung“, erzählt der heute 53-Jährige. Die Hefte in den 60ern waren noch geprägt vom Militarismus: Eine neue Macht bedroht die Menschheit, Rhodan klaut ihnen den technischen Vorteil und siegt. Das Prinzip „Vorsprung durch Technik“ ist längst abgelöst. Roesing mag die komplexen verschachtelten Handlungsstränge und vielschichtigen Charaktere, aber mehr noch: „Man erkennt, dass die Rhodan-Hefte stets ein Kind ihrer Zeit gewesen sind: Kalter Krieg, Friedens- und Ökobewegung, Emanzipation sind von den Autoren aufgegriffen worden.“

Aufgefrischte Technik

Apropos: Die Autoren Rüdiger Schäfer und Robert Corvus sind natürlich auch Jahrzehnte lange Leser der Erstauflage, schreiben aber für den Relaunch „Rhodan Neo“. Der frischt nicht nur die Technik auf, sondern macht erzählerisch einiges anders. „Wir dürfen theoretisch fast jeden Charakter umbringen“, gesteht Corvus im Gespräch nach der Lesung, dass er es schon lange auf den Mausbiber Gucky abgesehen hat. Die Chancen einen der Lieblingshelden der Serie auf ewig in einem schwarzen Loch zu versenken, stehen aber eher schlecht.

Die Neuauflage gibt nicht nur inhaltlich ein hartes Tempo vor: Vielleicht drei Monate bleiben den Autoren, um ihre 300.000 Anschläge pro Geschichte abzuliefern. Ein jüngeres Publikum will man mit der modernen Version von Rhodan begeistern, doch es zeigt sich inzwischen: „Viele Leser schauen in beide Serien rein“, sagt Schäfer.

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