Perlende Läufe und sinfonische Pracht
20.06.2007 | 08:48 Uhr 2007-06-20T08:48:27+0200Yaara Tal und Andreas Groethuysen brillierten mit ihrem vierhändigen Spiel beim Klavier-Festival Ruhr in der Stadthalle
Wenn es um vierhändiges Klavierspiel geht, gehören Yaara Tal und Andreas Groethuysen - neben den Labeque-Schwestern natürlich - wohl zu den bekanntesten Duos. Bei ihrem Auftritt in der Stadthalle im Rahmen des Klavier-Festivals zeigten sie, was es ausmacht, seit 20 Jahren gemeinsam zu musizieren. Da sind nur kurze Blickkontakte notwendig, um einen perfekten Einsatz in Mozarts Sonate D-Dur (KV 448) hinzulegen. Vielleicht kann man an diesem Werk - die einzige Sonate, die der Komponist für zwei Klaviere geschaffen hat - das Zusammenspiel der beiden Interpreten am besten ablesen. Ansonsten gehen Groethuysen und Tal vor allem die Ecksätze sehr forsch an, verwirklichen einen erfrischend vitalen Mozart-Stil.
Diskutieren muss man nicht, was der spannendste Beitrag war. In Alfredo Casellas "Scarlattiana", die Groethuysen für zwei Klaviere bearbeitet hat, vermitteln die beiden Pianisten viel Eleganz und spielerische Finesse. Ein fantastisches Werk des Italieners, das viel häufiger auf den Spielplänen erscheinen sollte.
Sogar Richard Wagners Tannhäuser-Ouvertüre vergisst man recht schnell darüber. Die spielten Tal und Groethuysen - in der Originaltranskription des Komponisten - als effektvolles Show-Piece, bei dem die Interpreten selbst vor dem heftigsten und extrem Saiten strapazierenden Fortissimo nicht zurückschreckten. Mag man auch über den musikalischen Wert dieser Bearbeitung streiten, die Virtuosität des Stücks verfehlte ihre Wirkung beim Publikum nicht.
Brillant perlende Läufe und sinfonische Pracht gab es freilich schon zu Beginn des Konzerts, vereint in einem Werk: Felix Mendelssohns Klaviertrio, vom Komponisten für zwei Klaviere eingerichtet, bietet alles, was das Instrument ausmacht. Yaara Tals und Andreas Groethuysens Spiel verschmelzen hier zu einem bemerkenswerten Gesamtkunstwerk. Hervorheben muss man die Zugaben: Neben Rachmaninovs Vocalise präsentierten Tal und Groethuysen ein Stück des russischen Komponisten Nicolai Kapustin. Für diesen waghalsigen Parforceritt gab es noch einmal stürmischen Beifall.

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