Paukenschlag für die Siemens-Beschäftigten

Es war wohl einer der emotionalsten Momente gestern Morgen in der RWE-Halle. Nachdem die 2500 Siemens-Beschäftigten, die zu der Betriebsversammlung gekommen waren, von der Geschäftsleitung hören mussten, dass allein in Mülheim 952 Stellen gestrichen werden, standen sie auf. Trauermusik erklang, weiße Kreuze wurden symbolisch niedergelegt. Auf einem großen Transparent stand geschrieben: „Sie wollen Arbeitsplätze streichen, wir werden kämpfen wie die Löwen!“

Die Zahl, dass Siemens allein in Mülheim bis zu 1000 Arbeitsplätze abbauen will, kursierte seit Tagen in der Öffentlichkeit. Von 900 war zuletzt die Rede. Am Ende ist es nun die Mitte. „Mit Zahlen wird aber immer spekuliert. Man will es nicht wahrhaben. Aber dann ist es wie ein Schlag in den Magen. Endgültig“, sagt Pietro Bazzoli. Der Betriebsratsvorsitzende von Siemens in Mülheim ist „geschockt“ darüber, wie die Arbeitgeberseite den Abbau verkündet hat: „Sehr konsequent und ohne Perspektive.“ Es habe „Null Ansatz“ gegeben, wie es weitergehen soll. „Das macht wütend. Wir sind in den vergangenen Jahren immer gelobt worden“, so Bazzoli. Und noch immer gebe es in Mülheim für 2016 und 2017 „durch die Zeilen gelesen“ eine gute Auslastung.

Von den 952 Stellen fallen alleine 560 Jobs im Generatorenwerk, das ins Ausland verlagert werden soll, weg. Auch die Schaufel- und Ventilproduktion ist betroffen. Allerdings gebe es noch keinen Zeitplan. Die Unternehmensseite wollte sich nicht weiter zu Details äußern. Aber: Der Plan der Verlagerung „darf nicht alternativlos sein“, sagt Pietro Bazzoli.

Gespräche stehen an

Von Kündigungen wollte Siemens bislang absehen. Wie das bei einer Verlagerung gehen soll? Pietro Bazzoli weiß es nicht. „Wir stehen selbst noch unter Schock, das wird auch bei uns erst einmal ein paar Tage in Anspruch nehmen“, sagt er. In den nächsten Tagen und Wochen wird man Gespräche führen müssen. „Das Thema ist eines des Gesamtbetriebsrates. Zusammen mit der IG-Metall wollen wir uns mit der Geschäftsführung an einen Tisch setzen.“

In die ferne Zukunft mag Bazzoli derzeit gar nicht schauen. Wenn die Generatoren künftig in den USA gebaut würden, die Ventile in Tschechien und die Schaufeln in Ungarn, drohe Mülheim zur „Resterampe“ zu verkommen. Der Betriebsrat hofft nun auch auf Unterstützung der hiesigen Politik und will um sie zum Beispiel auf dem heutigen Unterbezirksparteitag der SPD bitten.