Passage führt zum Stadthafen

Die Entscheidung, dass die Sparkassen-Akademie nicht nach Mülheim kommt, war wenige Stunden alt, da hatte der Projektentwickler AIP, der einen Entwurf für die mögliche Akademie an der Stelle des ehemaligen Kaufhofs eingereicht hatte, bereits einen Plan B aus der Schublade gezogen: Gerd Rainer Scholze, Gesellschafter des Architekturbüros, sprach noch kurz vor Weihnachten erstmals über das Projekt „Schlossquartier“: Mit Hotel, Wohnen, Handel und Gastronomie will er das wohl derzeit größte städtebauliche Problem Mülheims lösen. Die Lage sei erstklassig. Zusagen möglicher Mietern und Betreiber habe man. Und auch, wenn die Verträge noch nicht unterschrieben sind, glaubt Scholze fest an die Realisierung. Er lobt die Stadtverwaltung, die das Vorhaben „sehr gut unterstützt und sehr schnell gearbeitet hat.“

Professionelle Herangehensweise

Mehrere Investoren waren in den vergangenen Jahren an dem Baukomplex gescheitert, weil ihnen Mieter und Betreiber abgesprungen waren. Diese Gefahr sieht Mülheims Bau- und Planungsdezernent Peter Vermeulen jetzt nicht. Die Herangehensweise der Investoren sei diesmal eine ganz andere. „Hier wurden zunächst mögliche Mieter und Betreiber gesucht, ihre Wünsche abgefragt, die baurechtlichen Planungen mit uns eng abgestimmt“, so Vermeulen. Das sei ein wesentlich professionelleres Vorgehen. „Der Abriss des alten Kaufhof-Gebäudes kann bereits im Herbst beginnen, zeitgleich erstellen wir die Baugenehmigung“, so der Baudezernent.

Der neue Baukomplex wird in mehrere Einzelbaukörper umgestalte. Der Bestand ab der Decke über dem Erdgeschoss des bestehenden Gebäudes soll abgerissen werden, eine Passage durch das Areal von der Schloßstraße/ Friedrich-Ebert-Straße zum Stadthafen schneiden und fünfgeschossige Neubauten an die Stelle setzen. Lediglich das Parkhaus soll in seiner Grundstruktur erhalten bleiben, es bekommt geänderte Zufahren und verliert die beiden oberen Ebenen, aus denen ein Fitness-Studio wird.

An die insgesamt 33 000 Quadratmeter neue Geschossflächen wollen die Investoren schaffen: 5000 Quadratmeter sollen auf das Hotel entfallen, 4800 auf den Handel, 5300 auf die Wohnungen, 5000 auf die Büros, 4000 auf das betreute Wohnen, 1800 auf die Gastronomie und 2500 Quadratmeter auf das Fitness-Center. Zudem sind 200 Stellplätze vorgesehen.

Die Nutzung der Flächen kann sich aber noch verschieben. Wenn weniger Büros vermietet werden, könnten mehr Wohnungen entstehen. „Gerade ältere Menschen wollen zurück in die Zentren“, so Scholze. Möglich sei auch, dass die Stadtverwaltung Büroflächen anmietet und sich an anderen angemieteten Stellen zurückzieht.