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Partner-Modell

07.08.2008 | 09:57 Uhr

Mit einer neuen Kooperation wollen Mülheim, Duisburg und Oberhausen ihre Chancen bei Gewerbeansiedlungen verbessern. Gegenseitige Vermittlung. Der Engpass nimmt überall zu

Der Alptraum eines jeden Wirtschaftsförderers: Ein attraktives Unternehmen will sich in der Stadt ansiedeln, Arbeitsplätze schaffen, vielleicht sogar später expandieren – doch der Wirtschaftsförderer weiß nicht, wohin mit dem Unternehmen. Er hat keinen Platz. In so einem Fall soll künftig die neue „interkommunale Gewerbeflächenkooperation” greifen, die gestern die Städte Mülheim, Duisburg und Oberhausen eingegangen sind. Hat man im eigenen Haus keinen Platz, hat ihn vielleicht der Nachbar. Hauptsache, der Interessent wandert nicht ab.Die Gefahr besteht zunehmend. Es wird für die Kommunen im Ruhrgebiet schwieriger, Flächenwünsche von Unternehmen zu erfüllen. „Ich hätte nicht gedacht, dass wir in diesem Ballungsgebiet mal einen Flächenmangel bekommen werden”, sagt Mülheims Wirtschaftsförderer Jürgen Schnitzmeier. Die Stadt Mülheim verfügt gerade mal noch über eine Industriefläche von 100 000 Quadratmetern, und selbst die, so Oberbürgermeisterin Dagmar Mühlenfeld, sei nicht vollständig erschlossen. Ihrem Kollegen aus Duisburg, OB Adolf Sauerland, geht es da noch etwas besser, doch auch er signalisiert: die Grenzen sind sichtbar. Der Ankauf von Flächen wird in den Kommunen zunehmen.Mit der Kooperation, da sind sich die Oberbürgermeister einig, steigen zumindest die Chancen, den ansiedlungswilligen Unternehmen Angebote zu unterbreiten. Bereits vor einem Jahr gingen die Städte Essen und Gelsenkirchen eine derartige Kooperation ein. In zwei Jahren, schätzt Schnitzmeier, dürfte das komplette Ruhrgebiet unter diesem Partner-Modell arbeiten.Von Konkurrenz oder Neid spricht keiner mehr angesichts der angespannten Lage. Der Interessensausgleich sei gesichert, sagt OB Dagmar Mühlenfeld. Unterm Strich werde jede Stadt mit der Zeit profitieren. Ohnehin ist eine Art Prämie vereinbart. Danach erhält die Stadt, die ein Unternehmen nicht ansiedeln konnte und an einen Nachbarn vermittelt, eine einmalige Provision, die sich am Gewerbesteueraufkommen durch das vermittelte Unternehmen orientiert.Sauerland und Oberhausens OB Klaus Wehling sehen zudem Vorteile der Kooperation in der Außenwirkung: „Wir werden so stärker als Region wahrgenommen.”Eine Region, die viel Logistik bietet, zwei Wasserwege, eine gute Verkehrsinfrastruktur. Ein Flächenmangement soll aufgebaut werden: Was ist wo und – vor allem: in welcher Qualität vorhanden? Wehling weist darauf hin, dass so manche Fläche kaum zum Marktpreis zu vermitteln sei, weil zunächst Abbrucharbeiten und Bodensanierungen erforderlich seien. „Die Preise werden steigen.”Aber das sei überall so, und Kampfpreise, mit denen die Konkurrenz ausgestochen werden soll, seien nun auch ein Thema der Vergangenheit.

Von Andreas Heinrich

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