Palmetshofer gewinnt

Plötzlich ging es dann doch schnell und drei Juroren konnten sich gegen 23.30 Uhr auf Ewald Palmetshofer als Preisträger der diesjährigen Stücke-Tage verständigen. Der 36-jährige Autor, dessen „Die Unverheiratete“ am Abend noch gezeigt worden ist, saß derweil in der Pizzeria, weil er sich die Pein der Debatte lieber ersparen wollte. Als er in den Kammermusiksaal zurückkam und ihn die Burgschauspielerinnen herzten, wirkte er zunächst einmal überrascht. Der Preis ist mit 15 000 Euro dotiert. „Da muss ich erst mal drüber schlafen“, sagte er und wirkte ausgesprochen nüchtern.

Selbstverständlich war diese Entscheidung keineswegs. Dass die Stücke von Feicia Zeller (Wunsch & Wunder über die Reproduktionsmedizin), Rebekka Kricheldorf (Homo Empathicus über politische Überkorrektheit) und Dirk Laucke (Furcht & Ekel über Alltagsfaschismus) trotz ihrer Stärken ausscheiden würden, war klar.

Dass aber Elfriede Jelinek in einer Zwischenrunde herausfiele, war dann doch eine Überraschung, aber eine nachvollziehbare. Schienen „Die Schutzbefohlenen“ über das Flüchtlingselend doch das Stück der Zeit und außerdem saßen mit Schauspielerin Bettina Stucky und Michael Börgerding, dem Intendanten des Theaters Bremen, wo das Stück auch auf dem Spielplan steht, zwei Jelinekianer in der fünfköpfigen Jury. Karin Fischer vom Deutschlandfunk wollte sich von diesem Stück schon in der ersten Runde trennen.

Absehbar war dann auch, dass Yael Ronen vom Maxim Gorki mit „Common Ground“ den Publikumspreis (undotiert) bekommt. Das Stück faszinierte auch alle Juroren. „Das hat mich sehr stark angefasst wie lange kein Stück mehr“, wie der Dresdener Dramaturg Robert Koall meinte. „Meine Tränen waren echt“, sagte Fischer. Aber der Abend hatte auch sehr viel komische Momente. Größter Konkurrent von Palmetshofer war wohl Lotz, der sehr viel, fast noch mehr Lob erfuhr: hochreflektiert, sehr klug, vollkommen verrückt und mutig lauteten einige Stichworte. Und vor allem der furiose Eingangsmonolog (ein schwarzer Neger aus Somalia) stieß auf Begeisterung. Doch welchem der drei verbleibenden Stücke der Vorzug gegeben werden sollte, blieb längere Zeit offen und schien unmöglich.
Die Qualität spiegelt sich auch in den Durchschnittsnoten wider: Ronen bekam 1,38, gefolgt mit deutlichem Abstand von Lotz mit 1,68 und Kricheldorf 1,83. Das sind sehr gute Noten. Auch quantitativ kann sich Festivalchefin Stefanie Steinberg freuen: Weltweit verfolgten die Jury-Debatte im Internet 6000 Interessierte auf allen Kontinenten. Und die sieben Stücke des Wettbewerbs fanden knapp 3000 Zuschauer, macht eine Auslastung von 85 Prozent. Gestern traf Palmetshofer Übersetzer.

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