Optimierer und Kümmerer
20.07.2010 | 17:39 Uhr 2010-07-20T17:39:00+0200
Mülheim. Harald Volker Brinkmann möchte die Dinge voranbringen. Vor drei Jahren ist der „Optimierer“ als Unternehmensberater bei Siemens ausgeschieden. Was danach? Weil er seine Zeit weiter sinnvoll einsetzen wollte, ging er zum Centrum für Bürgerschaftliches Engagement (CBE).
Das dort brachliegende Internetcafé brachte ihn auf die Idee, welches Angebot in Mülheim noch fehlte: EDV-Kurse für Über-50-Jährige.
Dort habe er auch 78- und 82-Jährige, die den Schritt zum Computer wagen. „Vor ihnen: Hochachtung, Chapeau“, sagt Brinkmann. Sie lernen von der Pike auf alles über Computer, ihre grundlegenden Zusammenhänge, vor allem aber, die Möglichkeiten eines Computers für sich sinnvoll zu nutzen. „Surfen, Shoppen, Twittern, Chatten“, bringt Brinkmann es auf den Punkt. Nach dem Kurs könnten sie also auch mit ihren Kindern und Enkeln übers Internet kommunizieren. Oder untereinander: BestAgerVZ.
Ausbildungspate ist Brinkmann auch: Zwei Hauptschulabsolventen hat er schon vom Formulieren eines Berufswunsches über Arbeitsagentur und Bewerbung bis in die Ausbildung geführt. „Als Kümmerer“ in Bereichen, wo die Eltern nicht weiterhelfen können, zum Beispiel weil sie Migranten sind und sich im entmutigenden Behördendschungel nicht genug auskennen.
Als Mitglied im Ideennetzwerk „Erfahrungswissen für Initiativen“ treibt der Optimierer den städteübergreifenden Austausch von Ideen und Expertenwissen voran. Welche Initiativen braucht meine Stadt, wird gefragt. Wo hat man damit schon Erfahrung? Wer hat das Know-how? Woher bekomme ich Fördergelder?
Dialog der Generationen
Im Rahmen des „Ziel-Projektes“ gibt er Computerkurse am Gymnasium Heißen. Indem Brinkmann (61) sich für 82- bis 10-Jährige einsetzt, lebt er den „Dialog der Generationen.“ So nennt es das NRW-Familienministerium. Er geht in diesem bereichernden Umgang mit Menschen auf. Es mache ihm Spaß, „Wissen zu vermitteln, zu sehen, dass es angenommen wird“ und am Ende, „dass sie verstanden haben“. Sie rufen ihn hin und wieder auch nach den Kursen an, wenn sie Rat brauchen – oder, „um mich auf ein Glas Rotwein einzuladen.“
Zu Jugendlichen hat Brinkmann schon immer einen guten Draht gehabt. Warum, weiß er nicht. Ist halt so. Auch wenn sie ihn zunehmend überraschen, „zum Beispiel wenn sie beim Vorstellungsgespräch mit einem Ohr auf der Tischplatte liegen“. Viele junge Menschen „tun sich schwer, das Spiel mitzuspielen“, das mit der Autorität. Brinkmann, der zur Zeit der Studentenbewegung Schüler war, sagt das augenzwinkernd.
Wer Brinkmann beim Auflisten seiner Ehrenämter zuhört, wundert sich über seine Bescheidenheit. Und so mühelos klingt es aus seinem Mund. Dabei ist er sehr aktiv. Schmunzelnd kommentiert er das: „Ich habe eine gute Grundauslastung.“
Interesse für Foto und Film
Aber er ist nicht nur EDV-Optimierer, Kümmerer und Ideengeber. Der Computerbegeisterte interessiert sich außerdem „für Foto und Film“, für Golf (Handicap unter 30), für Oper und für „die guten unter den Kölner Bands: Höhner, Bläck Fööss, Brings, Paveier“.
Hier finden Sie die Serien der WAZ-Lokalredaktion in der Übersicht, zum Beispiel alle "Gesichter des Jahres" und "Menschen in Mülheim".
Früher, als seine Augen das noch erlaubten, ist er mit einem Freund gesegelt, viel in Holland: Ijsselmeer, Markermeer, Nordsee. „Es war wunderbar, in der Nacht bei Mondlicht durchs Wattenmeer zu segeln und bei Windstille den Flügelschlag eines vorbeifliegenden Kormorans zu hören.“ Oder ohne ein sündhaft teures Hotel zahlen zu müssen „im Hafen von St. Tropez zu liegen und vom Wasser aus bei einem Glas Rotwein und einem ,petit pain avec fromage’ – einem kleinen Brot mit Käse – dem bunten Treiben an Land zuzusehen.“

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