Onleihe: weiblich, jenseits der 40, bibliophil

Die Zahlen sind konstant: Täglich kommen tausend Besucher ins Medienhaus am Synagogenplatz. Um die Zukunft des Lesens macht sich Bücherei-Leiterin Claudia vom Felde deshalb auch keine Sorgen. Mit Sorge sieht sie eher, dass die Schreibschrift zunehmend an Bedeutung verliert und der Einsatz von Smartphones zu einer Verkürzung und Vereinfachung der Texte führt. Wissenschaftler sehen auch eine Verbindung zwischen der feinmotorischen Tätigkeit des Schreibens und den geistigen Fähigkeiten.

Bei der Zielgruppe für die Onleihe hat sich das Büchereiteam allerdings ziemlich getäuscht. Nicht die jungen sind es, die sich Lehrmaterial herunterladen wollen, sondern vor allem Frauen jenseits der 40, die an Belletristik interessiert sind und sich am liebsten eine Bücherkiste mit an den Strand nehmen wollen, wie dies auch vom Felde selbst ganz gern tut. Und der neue Tolino ist wasserfest und damit absolut strandtauglich. 21 000 virtuelle Ausleihen wurden im vergangenen Jahr gezählt, das ist weder viel im Hinblick auf die Anzahl der Gesamtausleihen von 850 000 Medien noch bezogen auf das Angebot der Onleihe mit 5900 Titeln. Auch die Anzahl der ausgeliehenen Medien ist ziemlich konstant. Was leicht zurück gegangen ist, ist die Anzahl der registrierten Nutzer, um gut 500 auf rund 14000. Das mag Folge der Gebührenerhöhung sein, denkt vom Felde.

Sie stellt fest, dass das Haus zunehmend als Lernort genutzt wird, von einzelnen oder Gruppen. Nachmittags seien alle Plätze belegt. Da der Etat für Neuanschaffungen konstant sei und auch der Freundeskreis jährlich die Bücherei mit 10 000 Euro fördere, ist die Attraktivität des Angebotes hoch. Foto: Furhmann