Olaf Vier leistet Winterdienst bis zur Erschöpfung
28.12.2011 | 16:40 Uhr 2011-12-28T16:40:00+0100
Mülheim.Wenn auf der Straße eigentlich nichts mehr geht, weil sich eine weiße Decke aus Schnee über den Asphalt gelegt hat, dann muss Olaf Vier ran. Der 41-Jährige ist Teamleiter bei der MEG und für die Straßenreinigung zuständig. „Und nebenbei als Modell tätig“, scherzt er, weil der Mülheimer immer wieder mal in der Öffentlichkeit erscheint als ein Gesicht des Unternehmens.
Einen Stift und ein Kartenspiel hat Vier in der Tasche. Warum? „Weiß ich auch nicht“, sagt er, denn die Zeiten, als es bei der Straßenreinigung noch Müßiggang gab, sind vorbei – „es gibt immer genug zu tun“. Wenn nicht gerade gekehrt wird, muss Laub gesammelt oder Schnee geräumt werden.
Absoluter Ausnahmezustand
Im vergangenen Winter „kloppten“ Vier und sein Team aus 63 Fahrern einen harten Dienst, erinnert er sich. „Zehn bis zwölf Stunden war ich mit dem Wagen an Heiligabend und beiden Weihnachtstagen unterwegs“, erzählt der Familienvater. Wegen des Wechselschicht-Prinzips waren alle ständig auf Bereitschaft.
Und doch: Am Ende des Tages gab es kaum Schulterklopfen für die Arbeit bis zur Erschöpfungsgrenze und zu Lasten der Familie. Im Gegenteil, es hagelte Kritik. „Das tat mir schon weh, wenn uns danach mancher Bürger vorwarf: ,Die Fahrer vom Schneedienst sind faul’.“
Der vergangene Winter war auch in seinen Augen ein absoluter Ausnahmezustand . „Wir konnten nur noch machen, was ging, also wenigstens die Hauptstraßen freilegen, damit die Menschen in die Stadt und zurück fahren konnten“, schildert Vier seine Erlebnisse. Die Nebenstraßen seien so eng gewesen, weil die Autos nicht mehr in die verschneiten Parkboxen kamen, dass häufig die Fahrzeuge gar nicht durchgekommen seien. „Ein Wunder, dass kaum Autospiegel zu Bruch gingen. Man sollte nur dort fahren, wo man es sich zutraut. Die Sicherheit geht vor.“
Frust auf beiden Seiten
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Doch Mülheimer zeigten den Fahrern den Vogel, rief ihnen Schimpfwörter hinterher, warfen Schneebälle auf die Streuwagen – „was man da erlebt, davon machen sich viele keine Vorstellung“, sagt er. Eine Menge Frust war offenbar auf beiden Seiten im Spiel. Doch die MEG habe auch daraus gelernt , meint Vier. Im Fuhrpark stehen nun zwei neue schmale Streufahrzeuge, eines davon hat einen Allradantrieb für steile Etappen. 3000 Tonnen Salz sind außerdem im Speicher – man kann ja nie wissen.
Diesen Jahreswechsel wird Olaf Vier im Kreise der Familie verbringen, „Resturlaub“, freut er sich. Vielleicht bleibt dann noch Zeit für die anderen Hobbys des Teamleiters: Dart werfen, Billardkugeln stoßen oder eine Runde auf dem Motorrad drehen – aber nur, wenn kein Schnee liegt.

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