Ökumenischer Fingerzeig für die Zukunft

Das aus dem Griechischen kommende Wort katholisch bedeutet soviel wie umfassend und das Ganze betreffend. Genau das spiegelte sich gestern auch beim Neujahrsempfang des Katholikenrates und der katholischen Stadtkirche im Pfarrsaal von St. Barbara. Rund 130 geladene Gäste aus allen gesellschaftlichen Bereichen erlebten eine umfassende Betrachtung der globalen und lokalen Themen, die nicht nur Menschen in der katholischen Kirche derzeit bewegen.

Ja zur schöpferischen Pluralität

Global warb Stadtdechant Michael Janßen mit Blick auf die Terroranschläge von Paris „für mehr Achtsamkeit und Wachsamkeit in unserer Gesellschaft“ und bekannte sich ausdrücklich zu einer „schöpferischen Pluralität auf dem Boden des Grundgesetzes.“ Er machte deutlich, „dass Freiheit, Frieden, Toleranz und Religionsfreiheit“ zusammengehören.

Lokal wies der neue Vorsitzende des Katholikenrates, Rolf Völker, darauf hin, dass es angesichts weiter sinkender Mitgliederzahlen und Steuereinnahmen für die katholische und evangelische Stadtkirche nur eine ökumenische Zukunft geben kann. Völker geht davon aus, dass die Kirchensteuermittel, die jeder der drei Mülheimer Pfarrgemeinden zur Verfügung stehen von derzeit jährlich rund 350 000 Euro auf rund 250 000 Euro im Jahr 2020 und rund 175 000 Euro im Jahr 2030 absinken werden.

Vor diesem Hintergrund warb er unter anderem für die Einrichtung einer ökumenischen Ladenkirche, einen ökumenischen Kirchentag und einen ökumenischen Neujahrsempfang. „Wir dürfen den Kopf nicht in den Sand stecken“, warnte Völker, „sondern müssen die neue Gestaltung unserer Kirche beherzt und gemeinsam in die eigenen Hände nehmen.“

Der als Gastredner eingeladene CDU-Landespartei- und Fraktionsvorsitzende Armin Laschet warnte die Christen vor Gleichgültigkeit. „Wir müssen die christliche Botschaft immer wieder aktuell in unsere Zeit übersetzen und sie dabei nicht nur selbstbewusst weitersagen, sondern auch leben.“ Bezug nehmend auf den selig gesprochenen Widerstandskämpfer Nikolaus Groß, der sich durch Weiterbildung vom Bergmann zum Gewerkschafter und Chefredakteur hochgearbeitet habe, sieht Laschet nicht nur die Christen vor der gesellschaftlichen Herausforderung, unabhängig von der sozialen Herkunft sozialen Aufstieg durch Bildung zu ermöglichen und dabei die Balance zwischen individueller Freiheit und sozialer Gemeinschaft zu bewahren.

Mit Völkers Vorgänger im Vorsitz des Katholikenrates, Wolfgang Feldmann, wurde diesmal ein Mann mit der Nikolaus-Groß-Medaille ausgezeichnet, der sich seit fast 40 Jahren in der katholischen Kirche engagiert. Tatkräftig unterstützt und inspiriert ihn seine Frau Margret. Feldmann war nicht nur Katholikenrats- und Pfarrgemeinderatsvorsitzender in St. Barbara. Er engagiert sich im Team der katholischen Ladenkirche, ist Kirchenvorstand von St. Barbara und gehört dort der Eucharistischen Ehrengarde an. Pfarrer Manfred von Schwartzenberg und die Gemeinderatsvorsitzende Gabriele Ripholz würdigten in ihrer Laudatio, aber auch seinen Einsatz für das Barbaramahl, das Nikolaus-Groß-Musical und sein soziales Engagement für Senioren in der Gemeinde St. Barbara.

„Bitte, treten Sie auch heute für unser Christentum ein und zeigen Sie klare Kannte“, bat Feldmann seine Zuhörer im Pfarrsaal von St. Barbara.

Dort wurden sie am gestrigen Sonntag nicht nur von nachdenklichen Worten, sondern auch von der Musik berührt und inspiriert, mit der Conny Bentlage (Querflöte) und Gitarristin Ulrike Hilliges mit Werken aus dem 17., 18. und 20. Jahrhundert, den richtigen Ton zwischen Dur und Moll trafen.