Nur wenig Zeit, ein Herz zu retten
18.11.2008 | 15:32 Uhr 2008-11-18T15:32:00+0100
Warum nach dem Infarkt schnelle ärztliche Hilfe nötig ist und wie sich ein Herzinfarkt ankündigen kann, erklärt Dr. Feraydoon Niroomand.
Der Herzinfarkt ist die häufigste Todesursache in den Industrieländern. Prof. Dr. Feraydoon Niroomand, Chefarzt der Kardiologischen Klinik im Evangelischen Krankenhaus, spricht im Interview über Symptome, Risiken und Vorsorge.
Was ist ein Herzinfarkt?
Niroomand: Zum Herzinfarkt kommt es, wenn ein bestimmter Bezirk des Herzens nicht mehr mit Blut versorgt wird – und damit auch nicht mit Sauerstoff und Nährstoffen – und dadurch zugrunde geht.
Gibt es Patienten, die besonders gefährdet sind?
Niroomand: Ja, dazu gibt es große epidemiologische Untersuchungen. Der in Münster entwickelte PROCAM-Score vergibt Punkte für bestimmte Risikofaktoren. Anhand der Punktezahl kann man dann in einer Tabelle sein Risiko dafür ablesen, in den nächsten zehn Jahren einen Herzinfarkt zu bekommen.
Nennen Sie doch mal die bedeutendsten Risikofaktoren!
Niroomand: Das sind der LDL-Cholesterinwert, das HDL-Cholesterin, Blutdruck, die Vorgeschichte der Familie, Rauchen und Lebensalter.
Welche körperlichen Anzeichen gibt es für einen sich ankündigenden Herzinfarkt?
Niroomand: Bei etwa 50% aller Fälle ist der Herzinfarkt ein plötzliches, unerwartetes Ereignis, welches auftritt, ohne dass der Patient vorher Frühwarn-Symptome gespürt hat.
Typische Symptome, die auf einen drohenden Infarkt hinweisen können, sind Angina Pectoris, also das Gefühl der Enge in der Brust, oder auch Luftnot bei Belastung oder Rhythmus-Störungen.
Haben Frauen andere Symptome als Männer?
Niroomand: Beim Herzinfarkt selbst sind die Symptome nicht so verschieden. Aber die typische Angina Pectoris, so wie sie in den Lehrbüchern steht, ist orientiert daran, wie sie beim Mann auftritt. Angina Pectoris ist typischerweise ein flächiger, drückender, manchmal auch brennender Schmerz hinter dem Brustbein, der typischerweise bei Belastung auftritt und ausstrahlt: etwa in den linken Arm, den Unterkiefer, den Oberbauch oder in den Rücken.
Beim letzten „Treff um 11” dieses Jahres im Evangelischen Krankenhaus geht es am kommenden Samstag, 22. November, um das Thema: „Herzinfarkt – der besiegbare Feind Nummer 1”. Von 11 bis ca. 13 Uhr erklären Prof. Dr. Feraydoon Niroomand, Chefarzt der Kardiologischen Klinik, und Funktionsoberarzt Dr. Tamer Altilar die Erkrankung. Kostenlose Karten für die Patientenveranstaltung sind am Info-Schalter des EKM oder unter www.evital.de erhältlich.
Bei Frauen kann das abweichen: Der Schmerz sitzt oft weiter links, die Ausstrahlung ist häufig nicht vorhanden und die Belastungs-Abhängigkeit oft nicht so ausgeprägt. Frauen sterben übrigens häufiger an einem Infarkt als Männer.
Wie kommt denn das?
Niroomand: Das liegt daran, dass Frauen älter als Männer werden – und Herzinfarkte treten gehäuft im Alter auf.
Was kann man tun, wenn jemand einen Herzinfarkt erleidet – außer 112 zu rufen?
Niroomand: Wenn jemand das Bewusstsein verliert und einen Herzstillstand hat – dann liegt in aller Regel ein bösartiges Kammerflimmern vor. Das könnten theoretisch selbst Laien mit einem Defibrillator beseitigen. Wer nicht völlig panisch reagiert, kann das Gerät bei Beachtung der aufgebrachten Anleitung bedienen. Das Mindeste ist aber eine Laien-Reanimation, also eine Herzdruckmassage. Das kann lebensrettend sein.
Warum ist beim Herzinfarkt der Zeitfaktor so wichtig?
Niroomand: Man hat nur ein kurzes Zeitfenster, in dem man den betroffenen Herzmuskel retten kann. Nach etwa sechs Stunden hat man einen nicht mehr rückgängig zu machenden Schaden. Das vernarbte Herzmuskelgewebe kann der Körper nicht regenerieren; der Arzt kann das auch nicht in Ordnung bringen. Ein Infarkt wird vielleicht überlebt, aber man hat dann ein schwach, schlecht pumpendes Herz. Die meisten Todesfälle bei einem Infarkt passieren früh, noch bevor der Patient im Krankenhaus ankommt.
Wo und wie wird der Herzinfarkt behandelt?
Niroomand: Wenn es zu typischen Symptomen kommt, sollte man sehen, dass man als erstes zu einem Kardiologen kommt. Im Evangelischen Krankenhaus haben wir eine Brustschmerzeinheit (Chest-Pain-Unit), die rund um die Uhr besetzt ist. Wird dort ein Herzinfarkt diagnostiziert, wird der Patient umgehend der Herzkatheteruntersuchung mit Aufdehnung des Herzkranzgefäßes zugeführt, um den Verschluss zu öffnen.

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