Notar aus Mülheim fürchtet nach Poststreik bis zu 600 Briefe

Rechnungen, Zeitschriften oder Postkarten: Liegengebliebene Sendungen werden in dieser Woche zugestellt.
Rechnungen, Zeitschriften oder Postkarten: Liegengebliebene Sendungen werden in dieser Woche zugestellt.
Foto: FUNKE Foto Services / Gerd Herma
Was wir bereits wissen
Nachdem die Postboten wieder zustellen, rechnet ein Saarner Notar mit bis zu 600 Briefen auf einmal. Auch Handwerker müssen die Folgen aufarbeiten.

Mülheim.. Über vier Wochen lang hat Thomas Michael Wessel so gut wie keine Post in seine Rechtsanwalts- und Notarkanzlei in Saarn geliefert bekommen. Etwa 20 bis 30 Briefe pro Tag werden dem Notar sonst zugestellt – darunter notarielle Urkunden oder Fristsachen von Banken mit teils wichtigen Treuhandauflagen. All das traf während des Postzusteller-Streiks in den vergangenen Wochen nicht ein. Nun erwartet der Jurist, dass eine Flut von liegengebliebener Post in dieser Woche ankommt. „Wir rechnen mit 500 bis 600 Briefen.“ Auch viele Handwerksbetriebe haben nach dem Streik Einiges aufzuarbeiten.

Als Notar ist Thomas Michael Wessel besonders betroffen. Schließlich müssen meist Originale versendet werden, die nicht per Mail oder Fax verschickt werden können. „Durch den Streik konnten Termine nicht eingehalten werden“, berichtet Wessel. Für eine Kanzlei sei der Streik eine „mehr als mittlere Katastrophe“.

Auch Mülheims Handwerker leiden unter den Folgen

Originale, die zur Vorlage fürs Gericht bereits am 25. Mai verschickt wurden, seien immer noch nicht angekommen, beklagt der Jurist. Nun rechne er mit hunderten Briefen, die verspätet auftauchen. Grundsätzlich habe er – genau wie beim Erzieher-Streik – Verständnis für die Zusteller, die mehr Lohn fordern. „Aber in beiden Fällen geht es zulasten der Unbeteiligten.“

Auch Mülheims Handwerker haben mit den Spätfolgen des Streiks zu kämpfen. „Es ist natürlich sehr viel Post liegengeblieben, es fehlen viele Rechnungen“, sagt Kreishandwerksmeister Jörg Bischoff. Teilweise habe er in seinem Fleischereibetrieb auf andere Zusteller gesetzt, ausgehende Rechnungen den Kunden gleich selbst zugestellt, per Fax oder elektronisch verschickt. Dennoch: „Das wird ohne böse Absicht zu Zahlungsverzögerungen geführt haben“, sagt Jörg Bischoff. „Nun werden wir ein paar Wochen damit beschäftigt sein, alles miteinander abzugleichen – das bedeutet doppelte Rechnungskontrolle, doppelter Aufwand.“

Wichtiges per Express versendet

Bei der Stadt habe man kaum etwas vom Streik bemerkt, wie Stadtsprecher Volker Wiebels resümiert. Denn die Stadt werde als Großkunde beliefert, so dass alle Sendungen zeitnah eintrafen oder rausgingen. Immerhin kommen wöchentlich etwa 3000 Briefe und 800 Pakete in der Verwaltung an. „Wichtige Dokumente, wie Verträge, haben die Mitarbeiter per Express versendet“, sagt Wiebels.

Allerdings sei dies aufgrund der hohen Kosten selten der Fall gewesen. Dafür hätten die Mitarbeiter Testsendungen an ihre Privatadressen verschickt, so Wiebels. „Um zu schauen, ob die Briefe pünktlich ankommen.“ Wären diese nicht zugestellt worden, hätte die Stadt kurzfristig auf einen privaten Zustelldienst umgestellt. „Aber das war nicht notwendig.“