Nicht alles wird teurer

Nicht nur über das Wetter, sondern auch über die Preise wird gerne geklagt. „Alles wird immer teurer“, hört man immer wieder. Schuld soll der Euro sein. Aber war das Leben zu D-Mark-Zeiten auch wirklich billiger?

Eine Nachfrage beim statistischen Bundesamt zeigt, dass der Index der allgemeinen Verbrauchspreise seit dem Jahr 2000, als man hierzulande noch mit D-Mark zahlte, um 24,4 Prozent angestiegen ist. Gleichzeitig stieg der durchschnittliche Brutto-Monatsverdienst eines deutschen Vollzeitbeschäftigten um 33 Prozent von 2551 auf 3391 Euro.

Während die Lebensmittelpreise, nach Angaben des statistischen Landesamtes, in diesem Zeitraum etwa um 27,8 Prozent angestiegen sind, mussten die Verbraucher Ende 2014 fast 90 Prozent mehr für Haushaltsenergie auf den Tisch legen als noch Ende 2000. Das spüren auch die Mülheimer Einzelhändler und Geschäftsleute und damit auch die Verbraucher.

Lebensmittel

„Meine Personalkosten sind seit dem Jahr 2000 um rund 40 Prozent gestiegen. Im gleichen Zeitraum hat sich die finanzielle Belastung durch Energiekosten und Gewerbesteuer verdoppelt“, erklärt Einzelhändler Heinz Wilhelm Paschmann. Und nicht nur im Einzelhandel, sondern auch in der Gastronomie dreht sich alles um Lebensmittel- und Energiepreise.

„Musste ich 2000 im Ratskeller monatlich 3000 Mark für Energiekosten aufwenden, so sind es heute 2400 bis 2800 Euro pro Monat“ (5476 Mark), schildert Gastronom Jörg Thon seine ganz persönliche Euro-Inflation. Die bekommt er auch beim Lebensmitteleinkauf zu spüren. „Vor allem Fisch und Fleisch sind sündhaft teuer geworden“, erzählt Thon und nennt Beispiele: „Kostete mich ein Hektoliter Pils im Jahr 2000 noch 300 Mark (153 Euro), so zahle ich heute dafür 240 Euro (469 Mark). Und für das Kilo Lachs, für das ich 2000 13 oder 14 Mark bezahlt habe, kostet mich heute mit 14 Euro (27 Euro) fast das Doppelte.“

Der Betreiber von Ratskeller und Bürgergarten beteuert, dass er die von ihm selbst zu tragenden Mehrkosten immer nur moderat an seine Gäste weitergegeben hat. Als Beispiel nennt er sein preiswertes Mittags-Stammessen, das er 2000 für 12,50 Mark serviert hat und heute für 6,90 Euro (13,50 Mark) anbietet.

Auto

Verlässt man den Bereich der Lebensmittel und wendet sich einer Werbung von Auto Wolf aus den Dezember 2000 zu, dann durfte man den VW Golf der Limited Edition im Dezember 2000 zum Sonderpreis von 32 888 DM mit nach Hause nehmen und damit 3425 D-Mark des offiziellen Werkspreises in Höhe von 36 313 Mark sparen. Auto-Wolf-Mitarbeiter Marc Lange schätzt den aktuellen Verkaufspreis eines vergleichbaren VW-Golfs aus dem Baujahr 2014 auf 18 000 Euro (35 205 DM). „Weil die heutigen Fahrzeuge eine stabilere Karosserie und mehr elektronische Assistenzsysteme haben, kann man sie mit ihren Vorgängermodellen aus dem Jahr 2000 nicht mehr vergleichen“, betont Lange. Er unterstreicht, dass die Preisspanne beim VW Golf, je nach technischer Ausstattung und Motorleistung zwischen 17 500 und 52 000 Euro liegt.

Fernsehgeräte

Und wenn man im Dezember 2000 ein neues Fernsehgerät kaufen wollte, reichte die in der Anzeigenwerbung von Radio Giesbert angebotene Preisspanne der Loewe-Fernsehgeräte je nach Bildschirmgröße und technischer Ausstattung von 1799 über 2700 bis zu 4800 D-Mark. Den aktuellen Kaufpreis vergleichbarer Nachfolgegeräte gibt der am Löhberg ansässige Fernseh- und Radiohändler mit einer Preisspanne zwischen knapp 500 Euro (977 DM) und 1400 Euro (2738 DM) an. „Die Fernsehpreise sind in den vergangenen Jahren um 40 bis 70 Prozent gesunken, weil die staatlich subventionierten Billigproduzenten aus China und Korea den Weltmarkt massiv unter Druck gesetzt haben“, erklärt Giesbert die Entwicklung der TV-Preise.

Wohnen

Natürlich hat auch das Wohnen seinen Preis. Eine Vergleichsanfrage bei der Wohnungsgesellschaft SWB, die in Mülheim 8600 Wohnungen im Bestand hat, zeigt, dass in den letzten 15 Jahren vor allem die Nebenkosten der Miete (Strom und Heizung zu Preistreibern geworden sind. So stieg die Kaltmiete pro Quadratmeter bei der SWB von durchschnittlich 8,51 Mark (4,35 Euro) auf 5,20 Euro (10,17 Mark). Gleichzeitig erhöhten sich die pro Quadratmeter zu zahlenden Nebenkosten um 3,7 Prozent von 3,72 Mark (1,90 Euro) auf 2,95 Euro (5,77 Mark).

Damit stieg also die durchschnittliche Nettomiete pro Quadratmeter bei der SWB seit 2000 um 1,7 Prozent, während sich die Nebenkosten um rund 3,7 Prozent erhöht haben. Nimmt man die genannten Zahlen als Basis, so musste man 2000 für eine 60-Quadratmeter-Wohnung bei der SWB ein monatliche Warmmiete von rund 375 Euro (733 Mark) zahlen, die heute mit 489 Euro (956 Mark) zu Buche schlägt.